Kunst

Nur weil bestimmte Wörter eine ähnliche Herkunft haben, muss man nicht behaupten, sie seien tatsächlich von einander abhängig. Eines der größten Missverständnisse, das weiß Herr Nipp aus Erfahrung, ist die Herkunft des Wortes Kunst. Es gibt da so allgemein kolportierte Glaubenssätze, die nur Missverständnisse sind. „Kunst kommt von Können.“ Er glaubt allerdings, dass der Zusammenhang erst anders zu verstehen ist, denn wenn Kunst von Können kommt, muss Musik vom _Musizieren und Hässlichkeit von Hass kommen. Erst wenn Kunst von Erkennen kommt, dann befreit sie sich von dieser seltsamen Vorstellung des Handwerklichen.

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schön

„Vielleicht solltest du endlich akzeptieren, dass du schön bist.“ hatte er bei einer so so unglaublich schönen sogenannten Influencerin gelesen, die regelmäßig ist Posts und Weltweisheiten aus einem Hotel in Dubai in die Welt hinausschickt. „Vielleicht sollte mein Spiegel das auch zeigen.“ , hatte Herr Nipp gedacht.

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Weltwahrheit

Egal wo er geht und steht und sitzt und liegt und läuft und kriecht und springt und fliegt, egal was er gerade macht, im Haus, im Garten, vor dem Bildschirm, im Keller oder am Arbeitsplatz, überall scheint diese neue schöne Zeit und Welt irgendwelche Weltweisheiten von sich geben zu müssen, in allen Medien, ob gedruckt oder digital, zu all den Problemen, die den Menschen angehen, Sinn, Schuld, Schönheit, Wissen, Sport, Umwelt, Mitmenschen und der ganze Rest, was immer das auch sein mag. Einen der sinnlosesten, dafür aber wirklich wahren Sprüche las er allerdings gestern auf der Toilette seiner Lieblingskneipe: „Du musst nicht hochbegabt sein, zu erkennen, dass die Mehrzahl der Mitmenschen es auch nicht ist.“

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„Erst wenn du die schier unlösbare Aufgabe geschafft hast, dich selbst zu ändern, gehe sie auch bei anderen an.“, solche Sprüche hatte er als Jugendlicher gehört, als Kind sicherlich auch, aber das war inzwischen vergessen. Kürzlich meinte ein Freund, diesen Schwachsinnssatz von sich geben zu müssen. Herr Nipp hatte auf eigene Art geantwortet: „Erst wenn du endlich verstanden hast, dass du niemanden verändern willst, kannst du dich ohne schlechtes Gewissen der eigenen Antriebslosigkeit völlig hingeben.“

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Thresengespræche

Schon alleine die Ligatur æ findet Herr Nipp schœn, wie viel schœner aber ist das œ. Aber an das ū kommen beide nicht heran. In solchen Gedanken schweigend sitzt er ziemlich angetrunken an der Theke seiner Lieblingskneipe.Vor sich ein frisch Gezapftes, als sich ein junges Paar dazu gesellt. Sie seien neu hier in der Stadt und das erste Mal abends raus, weil die zweijährige Tochter zum ersten Mal bei den Großeltern übernachtet. Sie Arzt, er auch im medizinischen Bereich tätig als Physiotherapeut, was unser Protagonist natürlich sofort wieder vergisst. Nicht so wichtig. Die Gespræche beginnen zu rotieren,man duzt sich und wie jedes Mal, wenn Herr Nipp Menschen kennen lernt, wird er auch an diesem Abend vergessen haben, nach den Namen oder sonstigem Status zu fragen. Viel wichtiger scheint ihm, den Andern oder die Andere oder jenes Gegenüber gleich welchen Geschlechts als Person anzunehmen, gleich welchen Geschlechts eben.

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