Telefonieren

„Das ist jetzt schon der vierte, der nicht dran geht. Wenn das so weiter geht, werde ich heute wohl niemanden erreichen.“, murmelt Herr Nipp vor sich hin, dabei hat er gerdeheute gesteigerten Redebedarf. Nicht dass etwas besonderes vorgefallen eäre, aber manchmal braucht er, wie wahrscheinlich jeder andere Mensch auch, ein Gegenüber zum Reden. Ein Gespräch von einem Thema zum nächsten schweifen lassen, sich künstlich echauffieren oder eben nicht. Er stellt sein Gerät ab, schaltet auf ausschalten und lässt es in der Wohnung. Während des kleinen Spaziergangs trifft er tatsächlich jemanden, mit dem er reden kann. Manchmal tut es einfach gut, den anderen zu wissen.

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Apfelbäume

Wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen. So oder ähnlich mag es Martin Luther formuliert haben. Der Sinn bleibt gleich, denn die Hoffnung für andere bleibt, ohne zu sterben. Während Herr Nipp gerade auf dem Apfelbaumfeld eines Freundes quasi ehrenamtlich hilft, geht ihm dieser Spruch gleich mehrfach durch den Kopf, jedesmal mit einer anderen Konnotation, denn an diesem Tag geschieht das Schreckliche, ohne das Apfelbäumchen nicht gepflanzt werden könnten. Sie Reißen nämlich die sogenannten Krücken heraus, die nichts geworden sind. Bäumchen mit einer Schlinge befestigen, Trecker reißt die Pllanze mit einem Ruck aus der Erde. „Ich könnte mich hassen dafür, aber es bleibt nichts übrig. Wenn ich eine ordentliche Qualität verkaufen will, dann müssen die schlechten Bäume Platz machen für gute. Punkt.“ Herr Nipp kommentiert das nicht, hilft ja nichts. Er legt das Geschirr an den nächsten Stamm, befestigt die Schlinge an der Kette des Traktors und wieder wird ein Baum mit Ruck herausgerissen. Radikale Gewalt im Wortsinne. In der Pause fliegen zwei Kampfjets über die Landschaft und Herr Nipp denkt: „Und wenn morgen ein Krieg anfängt, müssen die schlecht angewachsenen Apfelbäumchen doch Platz machen für bessere.“

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Quote

Diesen Tag will er es endlich wissen. Zunächst hat er konkret vier Tiere beobachtet und die Zeit zwischen den Atemzügen gestoppt. Er hat Exemplare, die schon nach 5 Minuten wieder zur Wasseroberfläche schießen, um den Gasaustausch zu bewerkstelligen, bis zu sieben Minuten kann das an diesem Morgen gehen. Um sicher zu sein hat Herr den untersten Wert gewählt und danach mehrfach fünf Minuten lang gezählt. Jedes Mal tauchen in diesem Zeitraum rund vierzig Molche auf. Er nimmt also an, dass es rund diese Zahl im Teich gibt. Das ist schon ganz gut. Außerdem hat er festgestellt, dass sein Garten zu etwas neunzig Prozent Bergmolche und 10 Prozent Teichmolche beherbergt. Sollte die Wasserfläche weiter vergrößert werden, könnte vielleicht eine stabile Population aufgebaut werden. Nein, denkt er, das ist ja wie mit dem Sammeln, man hat nie genug.

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Frühstück

Die Impressionisten des neunzehnten Jahrhunderts haben solche Situationen geliebt. Draußen versammelt sich zum Picknick eine Gesellschaft aus Damen und Herren, genießt die Freuden der Natur. Die Frauen leicht bekleidet oder gar nicht, die Männer in Anzügen. Ob es sich dabei um ein Frühstück handelt oder ein, heute würde man sagen Brunch, ist Herrn Nipp völlig egal. Er genießt mit Freunden ein frühes Essen im Freien an der Seewiese. Alle Anwesenden haben wetterangepasste Kleidung an, Männlein wie Weiblein. Überall summt und krabbelt es, da blühen die Kräuter, dort welken sie. Super Sache, denkt Herr Nipp, wenn man hinterher nicht alles wieder mit nach Hause schleppen müsste. Aber da haben es sich die Picknicker von gestern wohl einfacher gemacht, am Rand der Wiese steht eine riesige Plastiktasche voller Abfall.

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Synapsen und so

Manchmal kommt eine Erinnerung an die Oberfläche des Bewusstseins, die lang vergessen geglaubt. Dann weiß Herr Nipp nicht, ob diese nun real oder Spinnerei ist. Glücklicherweise gibt es seine Schwester, die so viel mehr weiß. Und wenn er Glück hat, erzählt sie ihm sogar, warum etwas damals, als er ein kleines Kind war, passiert ist. Und wenn er bei manchen Erinnerungen noch mehr Glück hat, sagt sie nichts dazu.

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