Nur kurz eben

Er hatte sich so vorgestellt, schnell mal eine Evaluation zu machen. Eine vom Arbeitgeber vorgeschriebene Rückblicksbewertung. Er hat sich dann die Formulare heruntergeladen – aus dem weltweiten Netzwerk, von der ihm angegebenen Seite. So etwa zehn Minuten hatte er dafür eingeplant. Jetzt sitzt er seit inzwischen seit zwei Stunden mit einem Stapel von etwa hundert Blatt und beantwortet all die Fragen. Einige von diesen scheinen ihm redundant zu sein, aber egal, er müht sich um korrekte Angaben. Und demnächst darf er dann die Auswertungsschablonen drüber legen, denn es ist nicht abzusehen, wie die rückblickende Bewertung wohl so ausfallen wird. Und erst recht nicht ist in irgendeiner Weise kann er abschätzen, welche Bedeutung all das für seine Zukunft haben könnte.

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So Tage

Es gibt Tage, die kann er sich nicht merken, also eigentlich nicht die Tage, nein, die bestimmt nicht, sondern eher die Daten dieser Tage. Da sind etwa Feiertage, der erste Tag des Urlaubs, der, an dem nach dem Urlaub die Arbeit wieder beginnt, sonstige Festivitäten oder Konzerte, die er gerne besucht, aber vor allem sind es Geburtstage. Deswegen ist er immer froh, wenn er frühzeitig darauf aufmerksam gemacht wird, wann denn die abendliche Feier beginnt. Auf diesem Weg also kann es auch gelingen, dass er herzlichen Glückwunsch sagt.

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Es werde Licht

Es ist dunkel, sehr dunkel, man könnte auch grundsätzlich von fehlendem Licht sprechen. Im Sinne von fehlend. Herr Nipp muss sich durch den gesamten Keller tasten, denn es ist Nacht und die Sicherungen sind herausgesprungen. Alle Sicherungen. Mit anderen Worten der FI. Eine Kerze war nicht griffbereit, auch sein Mobiltelefon nicht und so ist er im Dunkeln in den Keller getapert, sucht dort den Sicherungskasten und findet ihn auch nach längerer Zeit nicht. Dabei hat er doch in Erinnerung, dass da unten im Flur dieser Kasten hängt. Er ist einfach nicht zu finden. Inzwischen hat er alle Wände abgetastet, er hat auch alle Spinnennetze erkundet und sie dabei eingesammelt, immerhin wird der Keller so endlich mal gründlich von diesen lästigen Geweben befreit. Am nächsten Tag wird Herr Nipp entdecken, dass der Sicherungskasten oben im Treppenhaus über der höchstmöglichen Flutmarke hängt. Der Elektriker hatte im vergangenen Jahr dafür gesorgt, dass dieser Missstand behoben wird.

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Diese Stimme

Sobald er anfängt zu sprechen, muss Herr Nipp anfangen zu grinsen. Er kann es sich einfach nicht verkneifen, aber diese von der Erkältung geschwächte Stimme klingt so, als habe man eine hohe Frauenfistelstimme mit Hundebellen gekreuzt. Und als der Vortragende dann auch noch langanhaltend husten muss, sich das allerdings eher nach einem durch den Dschungel schwingenden Johnny Weißmüller anhört, da lacht das gesamte Publikum. Nur Herr Nipp nicht, denn er selbst hält den Vortrag.

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Gast

Gleich wird der Gast kommen und Herr Nipp sitzt immer noch mit seiner hellblauen Unterhose und einem dunkelgrünen T-Shirt wenig bekleidet am Tisch. Nichts ist aufgeräumt, alles steht da, wie er es gestern stehen lassen hat und vor allem liegen überall auf Tisch und Boden diese Holzspäne herum, die sich nun einmal ergeben, wenn man schnitzt. Neben ihm liegt eine flache, schwarze Kiste mit diversen Klingen, von denen er jedoch lediglich eine gebraucht hat. Und das Werk ist fertig. Er ist richtig stolz auf sich. Nein, das ist vielleicht falsch ausgedrückt, er ist rundum zufrieden, was selten vorkommt, sonst reicht es, wenn er glücklich ist. Unzufrieden, aber glücklich. Aus einem Stück Kaminholz hat er einen Holzblock geschnitten, völlig ohne Verzierungen, sechs Flächen, die jeweils im rechten Winkel zu einander stehen. Vier Seiten sind dreimal so lang wie die zwei Endseiten, die quadratisch geschnitzt sind. Sicher wäre es schneller gewesen, wenn er kurz eben mal einige Schnitte auf der Kreissäge gemacht hätte. Darum ging es gestern aber nicht, er wollte ausprobieren, ob er es noch kann. Zweimal hat er sich geschnitten, aber das ist nicht so schlimm. Das wird verheilen und die Pflaster sehen ja auch ganz lustig aus. Ein wenig stolz betrachtet er das Holzstück, verloeren in Erinnerungen und Gedanken.
Als der Gast irgendwann kommt, ist alles aufgeräumt, der wird nichts mitbekommen, wird wahrscheinlich die heiße Bialetti auf das Holzstück stellen, nachdem er sich einen starken Kaffee eingefüllt hat, halbe Tasse. Vielleicht wird er sich wundern, dass überall auf dem Boden noch Holzspäne liegen, aber davon wird er nichts sagen. Sie werden wie jeden Sonntag ihr Frühstück zu sich nehmen, jeder zwei Brötchen, natürlich eines dieser herrlichen Bioeier vom Markt essen und ein Gespräch über Politik, die derzeitige Situation der Welt, über Serien und Filme, vielleicht auch über Johann Sebastian Bach beginnen. Später ist ein Spaziergang Bestandteil dieses festen Rituals. Herr Nipp liebt diese Sonntage, die ihm eine klare Struktur geben.

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