Hitzebad

Sie gehen spazieren, nicht trotz, wegen der Hitze. Auf dem Straßenasphalt steht stickige Luft still. Die ihnen entgegen kommenden Menschen zeigen ganz offen, wie sehr sie das Wetter belastet, es geht über 38 Grad. Herr Nipp und die Freundin gehen entlang der Häuserschatten, finden einen erträglichen Weg zum Bach. Er trägt seinen Strohhut und sonst luftige Klamotten, sie nicht weniger, allerdings ohne Hut. Am Möhnebach sitzt eine Familie mit Kind, freundlich wird gegrüßt, man kennt sich von früher. Die beiden steigen ohne Zögern ins Nass. Schlagartige Abkühlung, an der tiefsten Stelle tauchen beide einmal unter und kommen herzhaft lachend wieder heraus. „Besser geht es kaum.“ „Gar nicht, würde ich sagen.“

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Der Wasserspender

„Durstig war ich durch die Stadt gelaufen, auf der Suche nach einer Erfrischung. Der Wasserspender hustete verschämt ein Staubwölkchen“, schreibt Herr Nipp. Kafka hätte an dieser Stelle Schluss gemacht. Er aber wird weitersuchen.

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Praxis

Da sitzt er nun, in Erwartung. Langsam staut sich etwas auf. Auch eine Befürchtung. Er wird eine Spritze kriegen und hat Angst. Seit seiner Kindheit schon hat er Angst vor der Spritze. Da kommt die Helferin mit dem Gerät. Immer größer wird die Nadel. Sie schaut ihm in die Augen und spricht mit ihm und dann, ohne dass er etwas gemerkt hätte, klebt sie ein Pflaster auf den Arm. Das war es schon.

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Waage

Morgens und abends stellt sich Herr Nipp auf die Waage. Er hat vor einigen Jahren eine elektronische gekauft, da beim Umzug die alte wohl in der alten Wohnung stehen geblieben ist. Bisher ist er auch wirklich zufrieden mit dem Gerät gewesen, aber seit zwei Wochen stimmt etwas nicht. Vielleicht lassen die Batterien langsam nach, vielleicht ist die Waage auch einfach kaputt oder aber sie ist intelligent geworden und hat eine moralische Persönlichkeit entwickelt. Die angezeigten Gewichte schwanken doch sehr und manchmal beschleicht ihn der Verdacht, dass sie Mitleid mit ihm hat und morgens für den Start in den Tag ein Körpergewicht anzeigt, dass wirklich schmeichelhaft genannt werden kann. Heute Abend kann sie sich gar nicht entscheiden und schwankt zwischen Traum und Alb hin und her. Zum Schluss verweigert sie die Auskunft, wird ohne Vorwarnung schwarz. Herr Nipp glaubt, ihre Gedanken lesen zu können: „Nein, das kann ich ihm jetzt nicht zumuten, der könnte vor Gram und Scham diese Nacht kaum die Augen schließen.“ „Danke!“, denkt er, „danke.“

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Trödel trödeln

Normalerweise geht er gerne mit Freunden zum Trödelmarkt, schaut hier und da und manchmal hat er das Glück, irgendetwas Interessantes zu finden. Meistens aber geht er ein kleines bisschen enttäuscht nach Hause. Dieses Mal allerdings haben sie sich zu viert zwei Stände gemietet. Die Ecken und schränke sind durchkämmt und ausgemistet, die vielen Dinge eingekistet worden. Manche Erinnerungen auch. Egal, es wirkt befreiend. Nachdem in den ersten anderthalb Stunden fast alles Relevante verkauft ist, kann sich Herr Nipp auf die Beobachtung von Menschen fokussieren. Man man man, denkt er, Menschen.

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