„Leider hat Herr Nipp heute früh morgens kurz nach dem Aufstehen ganz spontan beschlossen, dass sein Leben nicht mehr einfach so in die Öffentlichkeit gestellt werden soll. Vielleicht abgesehen vom Tagebuch (da allerdings nur die harmlosen Fakten). Nachdem ihm in den letzten Tagen immer bewusster wurde, dass er sich in einem Beobachtungskäfig befindet, zieht er damit endlich und vor allem radikal einen Schlussstrich. So kann es ja auch wirklich nicht weiter gehen. Allerorten verdienen die Menschen mit irgendwelchen Ideen unglaublich viel Geld und er hat gar nichts davon, dass sein Leben ständig an die Öffentlichkeit gezerrt wird, dass seine Vergangenheit beleuchtet wird, dass seine geheimsten Wünsche und Bedürfnisse allen Lesern offen liegen. Er hat also beschlossen, dass die neuesten Texte über sein Leben nur noch über den bezahlten Zugangsbereich dieser Seite zu erhalten sind. Überweisen Sie also, lieber Leser, einmalig die von ihm veranschlagte Zutrittsgebühr von 100 Euro und richten Sie einen Dauerauftrag von 30 Euro vierteljährlich ein, um auch weiterhin am bunten Leben des geerdeten Herrn teilnehmen zu können. Dann erhalten Sie Ihre persönlichen Zugangsdaten für den Clubbereich dieser Seite.“
Als Herr Nipp diese Ankündigung liest, muss er unwillkürlich grinsen, ja, jetzt hat er es endlich geschafft, er ist in der neoliberalistischen Welt des Turbokapitalismus angekommen, wird demnächst im Geld baden können, denn diesem unglaublich günstigen Angebot wird sich niemand entziehen können und wohl auch dürfen. Millionen wird er scheffeln und in Saus und Braus leben. Er malt es sich aus, dass er sein Auto kauft, seinen Traumwagen in rot, dass die Wohnung geändert wird, nein, er wird sich gleich eine neue Villa kaufen. Auch seine Kleidung wird sich ändern und die Weine werden nobel. Viele neue Leute wird er kennen lernen und alles alles wird besser sein. Ja, so sollte das Leben aussehen. Den ganzen Tag über wälzt er solche Gedanken hin und her.
Abends trifft er in seiner Lieblingsspelunke unten an der Ecke, in jener „blutigen Axt“, in welcher eigentlich immer die gleichen Leute sitzen, vor ihrem Bier, bei mehr oder weniger guten Gesprächen, aber meist doch guter Stimmung, mit einer Freundin. Und noch während er ihr von den Neuerungen erzählt, bemerkt er, dass er durch viel Geld, viel Luxus, viel mehr von allem mit Sicherheit nicht glücklicher werden wird. Turbokapitalismus erscheint ihm immer mehr wie eine blödsinnige Denk- und Handlungsblase auf Kosten anderer, die so gar nichts mit ihm zu tun hat. Also bittet er seinen Erzähler darum, das alles wieder zurückzunehmen. Der Erzähler wird den Autor schon davon überzeugen können, dass Geld eben doch nicht alles ist.
So ein Schwachsinn, denkt der Autor und zählt fies grinsend die Bündel, die sich im Tresor stapeln.