Das Buch

Auch auf der Toilette oder besser gesagt im Badezimmer auf der Fensterbank hat er immer ein Exemplar liegen. Immer griffbereit, denn das Buch der Bücher sollte jeder einmal gelesen haben. Auch wenn einige Passagen doch eher mühsam sind. Er liest sie trotzdem gerne. Meist in einer Einheitsübersetzung, manchmal auch ziemlich umstrittener Versuch, lediglich die Lutherfassung besitzt er nicht mehr. Die hatte er wohl irgendwann einmal verliehen und nie wieder bekommen. Wem, wüsste er nicht mehr zu sagen. Es muss aber noch zur Zeit seines Studiums gewesen sein. Egal jetzt, die Einheitsübersetzung tut es auch, auch wenn nicht alle Stellen so leicht verständlich sind. Denn meistens bleibt er an solchen Fragmenten hängen. Aber zuweilen sitzt er im roten Ohrensessel, den er von einer lieben Freundin einst geschenkt bekam, vor dem Kamin. Blickt dem Verlauf der Flammen hinterher, versonnen und lässt sich die Wörter auf der Zunge zergehen und muss doch auch manchmal grinsen, wenn er etwa liest: 6.1 Als sich die Menschen über die Erde hin zu vermehren begannen und ihnen Töchter geboren wurden, 2 sahen die Gottessöhne, wie schön die Menschentöchter  waren, und wie nahmen sich von ihnen Frauen, wie es ihnen gefiel. 3 Da sprache der Herr: Mein Geist soll nicht für immer im Menschen bleiben, weil er auch Fleisch ist; daher soll seine Lebenszeit 120 Jahre betragen. 4 In jenen Tagen gab es auf der Erde die Riesen, auch später noch, nachdem sich die Gottessöhne mit den Menschentöchtern eingelassen und diese ihnen Kinder geboren hatten. Das sind die Helden der Vorzeit, die berühmten Männer.

Komisch denkt er dann, das wurde in den Gottesdiensten nie gelesen, erst die Geschichte Noachs, die danach beginnt.

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