Letzte Eier

Man möchte ja meinen, das Osterfest sei eine Erfindung der maffiösen Eierindustrie, das stimmt allerdings wirklich nicht, wie Herr Nipp aus zuverlässiger Quelle erfahren hatte, die Tradition des Eierbemalens war natürlich ein Brauch aus China. Nicht nur Billigspielzeuge und teure Pads, Pods und Phones kommen aus diesem sympatischen asiatischen Land der demokratischen Offenheit, sondern auch wichtige kulturelle Errungenschaften, Schießpulver, Silvesterraketen, Papier, Künstler wegsperren und eben auch das Eierbemalen. Wir müssen dankbar sein, denn ohne China wären die USA noch pleiter, als sie schon sind. Da bekommt das Wort Chinatown eine völlig neue Konnotation.

Als Herr Nipp auf seinen Frühstückstisch blickte, konnte er zwischen den Silberpapieren von bereits verzehrten Osterhäschen und Krokanteiern doch tatsächlich noch zwei echte Ostereier entdecken, liebevoll vom Huhn gelegt, die mit einer ganz besonderen Technik gestaltet waren. Sie wirkten wie marmoriert. Er bewunderte sie eingehend, hatte schon fast das Gefühl, sie seien zu schade zum Essen, doch da meldete sich mit knurrender Eifersucht sein Magen.

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Spaziergang

Schon immer hatte er die halbgare Theorie gehabt, die Natur würde eines Tages die Technik für sich vereinnahmen. Immer hatten seine Freunde darüber gelacht. Sie hatten ihren Spott mit Herrn Nipp getrieben, wenn er mit seinen Ideen anfing und versuchte zu erläutern, was es damit auf sich habe. Er war in einem eher metaphysischen Sinne von einer Symbiose zwischen Natur und Technik ausgegangen, wohl geprägt durch einen frühen Perry – Rhodan – Roman, den er in den siebziger Jahren als Hörspiel geschenkt bekommen hatte. Tatsächlich war es dort zu gewissen Zeiten in gewissen Abschnitten der Galaxis zu solchen Phänomenen gekommen, die sich als durchaus überlebensfähig, wenn nicht sogar nützlich erwiesen. Als er allerdings am Ostersonntag im Sauerland einen Spaziergang mit seinem besten Freund unternahm, wurde die vage Vision zur manifestierten Realität. Tatsächlich entdeckte er ein Zwitterwesen aus Traktor und Holunderstrauch auf einer Wiese. Nur die Funktionsweise wurde ihm nicht recht schlüssig.

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Beim Anblick der Mondwolkenlandschaft konnte er alles vergessen, auch ohne die volle Rundung der schwangeren Erdtrabantin leuchtete der Himmel fast entrückt. Während Herr Nipp auf dem Weg nach Hause manchesmal die doppelte Strecke ging, weil es sich in Serpentinen einfach besser läuft, da es überall mögliche und unmögliche, sichtbare und vor allem unsichtbare Hindernisse gibt, schaute er manchesmal einfach nur nach oben, fasziniert vom Gespräch des Mondes mit seinen Wolkenherden. Leider übersah er dabei , dass jemand einen der alten Kanaldeckel aus den fünfziger Jahren entfernt hatte. Fünfzig Kilogramm Altmetall stellen einen beträchtlichen Wert dar. Die seltsame Bewegung, die er gemacht haben musste, als er mit dem linken Bein plötzlich einen halben Meter tiefer aufkam, als angenommen, kann man sich viellicht noch ausmalen, nicht aber, welchen Geruch der Schuh am nächsten Morgen in der kleinen Dachgeschosswohnung verbreitete. Immerhin hatte sich Maltes Theorie mal wieder als richtig erwiesen: Glücklicherweise verletzen sich Kinder und Betrunkene nur sehr selten.

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Jugendschmerz

Er musste nur abseits der Wege gehen, um zu bemerken, dass es dort eine unerwartete Wildheit gab. Und plötzlich wurde der kleine Fluss zur unüberwindbaren Barriere. Herr Nipp schaute sehnsüchtig hinüber zur Brücke und wusste doch, er würde sich diese Blöße nicht geben, watete weiter am Ufer entlang und die Schuhe liefen langsam mit Wasser voll. Dieses lustvolle Seufzen und Schmatzen der Schuhe bei jedem Schritt erinnerte ihn letztlich an seine frühe Jugend.

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Abendstern

Der Abendstern war aufgegangen, doch leider schaute Herr Nipp den ganzen Abend in die falsche Richtung. Gegen eins ging er etwas enttäuscht ins Haus, er hatte sich einen schönen Anblick erhofft.

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