Sicher ist sicher

Sicher ist sicher dachte sich Herr Nipp und erstellte tatsächlich nach einigen Jahren der immergleichen Nutzung eines Passwortes ein neues. Sehr sicher sollte es sein, mit Zahlen und Sonderzeichen, wie es sich gehört. Natürlich hat er es sofort wieder vergessen.

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Nullnummer

Ja, klar, so heiße ich nunmal, niemand nimmt mich wahr, ich nach dieser Discothek benannt, die es mal in Bruchhausen gab. Immerhin werde ich auch nicht von den Leuten gesehen, wenn ich nachts in ihre Häuser einbreche, wenn ich ihre Kühlschränke ausräume, immer auf der Suche nach Leckereien, immerhin bemerkt mich niemand, wenn ich in einem Schuppen hinter irgendeinem Haus schlafe, denn ich bin unsichtbar. Ich schleiche durch das Dorf, balanciere über Leitern und Äste, klaue mir manchmal ein lecker duftendes Huhn aus einem Stall. Ich bin Zero, die beste Katze der Welt.

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Hell

„Das darf nicht wahr sein!“ Herr Nipp kneift seine braungrauen Augen zusammen, tastet sich vorsichtig durch den seltsam leeren Raum. Ohne seine Brille, die er viel zu selten trägt, kann er sich normnalerweise recht gut orientieren, denn, da seien wir einfach mal ehrlich, so blind, wie ihm oft vorgeworfen wird, ist er gar nicht. Im Gegenteil beweist er sich immer wieder als sehr genauer Beobachter. Selbst nachts, wenn er mit Vergnügen seine kleinen Spaziergänge durch dunkle Stellen der Stadt und des Waldes macht, ganz einfach, weil er nicht glaubt, dass von solchen Stellen Gefahr ausgeht, sondern von denen, wo sich viele Menschen aufhalten, kann er sich recht mühelos zurecht finden, ohne dass der Raum ihm ein Mysterium wäre. Mögen die Filme uns auch gerne ganz anderes vermitteln. Da werden dann Menschen an einsamen Stellen überfallen – mal ehrlich, warum sollte dort jemand lauern? Aber hier und jetzt hat ihn die Realität mit einer widerlichen Blindheit geschlagen. Ein geradezu beißendes Licht, jeden Blitz einer Atombombe einfach mal so in den Schatten stellend, schmerzt in seinen Augen, zieht sich pulsierend und krampfend bis ins Hirn. Ja, tatsächlich, er hat das Gefühl einer verzerrenden Hirnerleuchtung. Au man. Rote Flecken ziehen über den irrealen Himmel, als er sich gerade zu gewöhnen beginnt, doch die Landschaft wirkt mehr als unwirklich, so als habe man ihn in ein Versuchsfeld der Wahrnehmungsmöglichkeiten geworfen, durchzogen von rötlichen und bläulichen Schlieren, von schwarzen Spritzern. Wo war er hier hin geraten? Er zuckt zusammen, jemand legt ihm sanft eine Hand auf die Schulter. Eine vertraut und vertrauenserweckend sanfte Stimme legt sich auf sein aufgewühltes Gemüt: „Du darfst jetzt zurückkommen, die Hypnosetherapiesitzung ist beendet.“

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Anstöße

Egal wo er steht und geht (da haben wir mal wieder einen jener Gemeinplätze, die von seinem sonntäglichen Mitfrühstücker und Mitspazierer gerne aufs schärfste kritisiert werden) findet er kleine Anstöße zum Denken und damit oft eben auch schreiben. Ein Stein im Schuh kann das sein, der Ast,der mitten auf dem Weg liegt oder die Flechten, die er an einer Mauerentdeckt. Ganz nach dem Prinzip der Offenheit gegenüber allen möglichen Zufällen kommen ihm dann Einfälle und Wortfügungen in den Sinn, die natürlich immer ein wenig lächerlich anmuten. Ja und? Dazu steht er.

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Cafeteria

In den Pausen zieht er sich gerne in eine Ecke der nicht allzu modernen Cafeteria zurück. Insgesamt sieben Tische, achtzehn Stühle und eine Eckbank gibt es dort. An der Wand hängen Bilder, immerhin Originale, mit stilvollen Stillleben. Die Malereien sind nicht gut, aber gut gewollt, das ist doch auch schon was. Er isst dort meist ein Brötchen mit Käse und scharfem Senf, trinkt in aller Ruhe einen Milchkaffee dazu, hält oft ein Pläuschchen mit einer der netten Bedienungen, immer augenzwinkernd dann. Man weiß sich gegenseitig zu schätzen und manchmal wird sogar herumgealbert. Er beobachtet durch die Jahreszeiten die verschiedenen Dekorationen, zu Ostern, Karneval, zum Sommer hin oder Herbst und ganz wichtig dort scheint die Weihnachtszeit zu sein. Jedes Jahr etwas anders, mal eher schlicht und manchmal so bombastisch kitschig, dass er es kaum aushalten kann. In solchen Fällen weicht er der Frage, wie es ihm denn wohl gefalle, gerne mit einer Gegenfrage aus: „Ist eventuell noch einer der kleinen Salate zu haben?“

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