Echtzeit

22 Sekunden, die ein Aktienkurs durchschnittlich hält
der Moment des Erstaunens, der Überraschung
der Augenblick des Rätselns, des Mystischen (vielleicht)
die zwischenzeitliche Verborgenheit im Gegenwärtigen
wenn wir nichts verpassen
weil wir im Jetzt stehen
und ausblenden können

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Redner – Switchgespräche (1997)

Worte, die nichts bedeuten. Dialoge, die unwichtig sind. „Glauben sie, daß Sie auch nur im Entferntesten eine Vorstellung von meiner Größe haben?“ „Sir…“ „Nein, schweigen Sie.“ „Sie sind wahnsinnig.“ „Das höre ich immer wieder.“ Menschen in Zukunftsendzeitstädten. Maschinen als Gesellschaftsherrscher. „Du hast doch nichts Böses gemacht.“ „Hör mal, manchmal tut man etwas, das man nicht will.“ Beobachten, abschalten, sich gehen lassen. „Du solltest hier die Welt mal mit den Augen einer Frau erleben.“ „Das ist unwahrscheinlich.“

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Hier und jetzt

Nein, er glaubt nicht an solche Sachen, er glaubt auch nicht daran, sie jemals selbst erlebt zu haben. Er weigert sich übrigens auch, sie auch nur ansatzweise zu erinnern. Warum sollte jemand, der durch und durch analytisch an diese Welt herangeht sich solcher Hirngespinste hingeben. Es gibt natürlich neben der physikalischen Welt keine andere, alles andere würde den Lehren widersprechen, die alle Physiker, alle Biologen und sicherlich auch alle Chemiker ganz genau begründen können. Da ist Materie und da ist Energie, fertig. Energie und Materie stehen immer in enger Beziehung zueinander. Energie kann Strahlung sein oder eben Materie.

Doch da steht nun mal dieser Schatten in der Tür, und dieser Schatten ist nicht begründbar. Zu solchen Gelegenheiten bekommt er auch schon mal eine derbe Gänsehaut.

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Nein heißt nein

Politisch korrekt ist das, denkt Herr Nipp. Nein heißt nein. Ja sagt ja. Da gibt es überhaupt nichts zu mäkeln oder doch? Aber bleibt aber. Nicht nein hieße dann ja ja, auch das wäre also klar, klar. Nein, das kann es ja auch nicht sein, nicht nein kann auch nein sein. Nicht Ja auch nein. Heißt also auch, dass das fehlende Nein trotzem nein sein kann, immer dann, wenn was immer auch nicht gefällt. Aber wenn es gefällt? Also heißt nur nein nein? Heißt nicht auch die fehlende Zustimmung nein, die fehlende Ablehnung ja? Ja, heißt sie offenbar ja nicht, nein ja auch nicht, also vielleicht? Oder doch. Der Ober fragt mit freundlichem Kopfnicken, ob er ein weiteres Bier auf den Tisch stellen dürfe. „Da sag ich nicht nein.“ Aber ist das jetzt politisch korrekt?

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Manche Mauscheleien

Nicht alles, was er an Gesprächen in diesem Raum hört, sollte die Schwelle übertreten. Nicht alles, was er sich dazu denkt, ist es wert, besprochen zu werden. Nicht alles, was hier geschieht, wird er sich überhaupt merken. Er ignoriert, wo es geht, reflektiert, wo die Tiefe fehlt, registriert, wo es wirklich nötig ist. Herr Nipp sucht sich seine Wege neben den Hauptverkehrsstraßen des Seins, Handelns und Kommunizierens, und er muss manchmal eben auch die Schleichwege nehmen, jene abstrusen, die den anderen nicht bekannt sind, jene abstrakten, welche vielen unverständlich bleiben, jene heimlichen, die von manchem vielleicht als Mauschelei bezeichnet würden.

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