Wärmflasche

Sie hat sich eine Wärmflasche gemacht. Mit kochendheißem Wasser. Das wird helfen. Gegen die Bauchschmerzen, die sie von der Avocado hat, die im Wrap war, versichert sie, nicht etwa von den Garnelen oder die Chilischoten, die sie sich auch darein gemacht hatte. Nein, nein, von den Avocados oder vielleicht auch vom Frischkäse, wer kann das schon wissen. Sie setzt sich auf das Sofa. Leidendes Gesicht, muss so sein, fast schon vorwurfsvoll, obwohl Herr Nipp wirklich gar nichts damit zu hatte, er hatte ja gerade noch gesehen, wie sie den Rest des gewickelten Fladenbrotes inhaliert hatte. Oh nein, jetzt hat sie sich auch noch an der blöden Wärmflasche verbrannt.

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Cord

Na gut, die Strümpfe, braune Socken, die ziemlich modern aussehen, passen nicht ganz dazu und doch irgendwie schon, weil sie einen so schönen Kontrast bilden. Eigentlich schon toll, dass zwei so unbedeutende Kleidungsstücke doch so wichtig werden können, wenn man sie unter modischen Aspekten betrachtet. Die restlichen Klamotten sind schwarz, Cordhose, sehr eng anliegend und die Figur betonend, ein T-Shirt, fließend und darüber ein offenes Hemd, ebenfalls aus Cord. Im Ausschnitt leuchtet immer wieder ein silberne Kette auf. Mit ihren blauen Augen schaut sie ihn freundlich an, sie hat ihr nettestes Lächeln aufgesetzt, wahnsinnig sexy ganz nebenbei. Der Fotograf drückt ab, mehrfach, dirigiert sie und nach einigen Minuten muss das Modell auch schon umgestylt werden.

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Schlecht Apfelessen

Er hat in den Apfel gebissen und dies im gleichen Augenblick bereut. Nicht dass der etwa schlecht wäre, durchaus frisch wirkt er, sagt man nicht, der sieht wie gemalt aus? Rote Backen auf grünem Grund. Perfektes Aussehen, doch drunter? An einen Tag in der Kindheit fühlt er sich erinnert. Schule. Siebte Klasse. Große Pause. Wie immer hatte er damals einen Apfel aus dem eigenen Garten mit, vielleicht einen fleckigen Discoverey oder eine unförmige Schafsnase, daran kann er sich partout nicht mehr erinnern, ist letztlich auch egal. Auf jeden Fall war es einer dieser Äpfel, bei denen er heute sagen würde: „So wie ein Apfel sein muss.“ Ordentlich Süße und Säure, etwas Herbheit, eigener Geschmack, mit anderen Worten echt lecker. Der neue Schüler posierte damals mit einem perfekt aussehenden Granny Smith. Grasgrün. Sie hatten getauscht, danach nie wieder. Warum, um Himmels Willen, hatte er sich nach so langer Zeit dieses gewachste Bild von ein Apfel andrehen lassen? Und vor allem, wie kann er diese, nennen wir sie Frucht, unbemerkt verschwinden lassen? Nie wieder wird ihm das passieren.

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Missverständnisse

Er weiß wohl, dass die Sprache nicht eindeutig ist, dass jedes Wort, auf die berühmte Goldwaage gelegt, befragbar und eventuell sogar schlimm sein kann. Da hört er im Radio etwa, dass wieder eine Flüchtlingswelle anrollt. Eine Verdinglichung von Menschen, schamlos auch noch mit negativer Konnotation. Dann werden Autofahrer andererseits, die sich nicht an Recht und Gesetz halten und kein Interesse am Schutz der Schwächeren haben, lediglich als Verkehrssünder bezeichnet, als wäre es wieder durch ein Bußgeld gutzumachen, dass andere gefährdet werden. Da werden Die Liebsten zu kleinen Tieren degradiert wie Mäuschen oder Hase und je länger man zu zusammenlebt werden auch die Tiere größer. Trampeltier, Elefant, Walross. Die schlimmsten Wörter aber sind Herrn Nipp wohl immer noch jene, die einfach anders verstanden werden, als sie gemeint sind. Vor allem allerdings dann, wenn andere Menschen sie unter allen Umständen falsch verstehen wollen. Dann entstehen absichtlich Missverständnisse mit oft fatalen Folgen.

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Ärger

Einige Menschen haben das Gen des Schwachkopfes in sich, denkt Herr Nipp. Er ist gerade völlig ausgebremst worden von einem Mercedes-AMG-Fahrer, man weiß schon, einer mit hochgestelltem Siebentagebart und viel Geschmier in den Haaren, sehr viel Schmieröl, unterstützt von vielen vielen Pferdestärken, die irgendetwas kompensieren. Dass diese Art des Autofahrens andere gefährdet, ist dem wohl noch nicht bewusst. Offensichtlich gibt es eben Typen, die dem Höhlenmenschendasein noch nicht weit entronnen sind. „Hier, guck, meine Keule, dick! Du Angst, jetzt.“ Ja, er ist richtig sauer und dann hat auch er eben solche Gedanken, aber dann kommt ganz plötzlich die Einsicht, dass er sich selber ärgert und das liegt daran, dass er es zugelassen hat, sich ärgern zu lassen.

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