Tattoo

Dieser Tage hat sich Herr Nipp bei der Gartenarbeit versehentlich einen Schnitt im Arm zugefügt. Nicht wegen der falschen Anwendung eines Werkzeuges, sondern aufgrund einer Scherbe, die eine in den Vorgarten geworfene Flasche dort positioniert hatte, musste er sich also versorgen. Da das Blut dunkelrot lief, hatte er jetzt keine Angst, nur eine Vene, ging in aller Ruhe ins Badezimmer, holte den Verbandskasten aus dem Schrank, linke Seite hinter dem vierteiligen Spiegel bewahrt er alles auf, was er für etwaige Verletzungen oder Blasen oder was auch immer gebraucht. Neben Verbandszeug auch sterile Pflaster, Desinfektionsspray, Pinzette, Schere und was eben so alles benötigt wird. Selbst ein Verhitzungsgerät gegen Insektenstiche jeglicher Art, eine Zeckenkarte und ein Einmalrasierer finden sich dort. Man kann sich ja kaum vorstellen, was so alles bei der Gartenarbeit oder im Wald passieren kann. Und Insektenstiche hatte er im vergangenen Jahr zuhauf. Beim Untersuchen der Wunde am rechten Arm, ob sich dort irgendwelcher Schmutz in die aufgeritzte Haut geschoben hat, oder andere Fremdkörper wie etwa Splitter dort verblieben sind fällt ihm etwas anderes auf, das er fast völlig vergessen, man kann sagen, aktiv verdrängt hatte. Insgesamt fünf blaue Punkte bilden zwischen den zwei deutlich heraustretenden Sehnen des Unterarms ein winziges Kreuz. Als Kind hatte er mithilfe einer Stecknadel und Wasserfarbe aus Unglauben, dass das Konsequenzen für das gesamte Leben haben könne, ein Kreuz gestochen. Sozusagen die einfachste Form des Tattoos überhaupt. Auch nach fast fünfzig Jahren scheint sich das Bild erhalten zu haben. Darum prüfe, denkt er bei sich, was man sich in die Haut stechen lasse.

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