Beobachtungen

Kann ich diesen Abschnitt der Welt, den ich sehe, die Welt an sich in ihrer Tiefe erkennen? Ermacht sich so seine Gedanken. Reichen die Teilbeobachtungen eigener Erfahrungen tatsächlich aus, um eine Grundlage für Grundüberlegungen oder gar Analysen der Wahrheit und Wirklichkeit zu haben? Einen ganzen Tag könnte ich so sitzen bleiben und den Fleck Rasen vor mir anstarren. Schreibend könnte dann vielleicht eine Annäherung an das Sein und Geschehen erreicht werden, ohne dass ich mich bewegen müsste. Die Frauen dort unten würden dargestellt, wie sie sich bewegen, fraglos fragend und antwortend interagieren, die Kinder, die doch nur ein genetisches Mischbild der Eltern darstellen, oder sind sie mehr? Der Mann vielleicht, der gerade dazukommt, auf dem Teller eine Frikadelle und Erdäpfel balancierend. Die Kartoffeln bedeckt er mit Senf und aus dem Topf, den seine Frau gebracht hat, füllt er sich rote Beete dazu. Er legt nach getaner Schnitzarbeit das Messer beiseite und schaufelt alles Zerkleinerte mit der Gabel in Windeseile in sich hinein. Dann dieses dünne Wesen da unten, mit rotem Bikini, das sich seit einer halben Stunde mindestens nicht bewegt hat; jede Rippe kann aus 25 Metern Entfernung problemlos gezählt werden. Nur das Gesicht, versteinert, ist nicht zu entziffern. Was also kann Herrn Nipp jede dieser Beobachtungen sagen? Er ist im Urlaub.

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