Stereotypus

Beim Kramen in den Unterlagen hat Herr Nipp ein beschriebenes Blatt gefunden, das offensichtlich in seiner eigenen Jugendschrift verfasst ist. Nach dem ersten Überfliegen weiß er sofort, wann er diesen Text verfasst hat. Zu dieser Zeit hatte er noch gerne Fantasybücher gelesen. Alles mögliche, alles greifbare. Seien wir ehrlich, das meiste davon war Schund. Schnell verfasst, um die Fantasywelle abzugreifen, die durch den Herrn der Ringe erzeugt worden war. Floskelhafte Stereotypen mit einfach gestrickten Geschichten und Gestalten. Voraussehbar wie Märchen. Eines dieser Machwerke beschrieb den Weg eines siebten Sohnes des siebten Sohnes. Jedem sollte bewusst sein, dass solche Kinder etwas Magisches haben müssen. Klar. Schon allein weil die Zahl sieben an sich ja magisch ist. Herr Nipp als junger Kerl hatte sich offenbar ironische Gedanken gemacht. Was wäre eigentlich mit einen siebten Sohn des siebten Sohnes in siebter Generation? Bei ihm: der erste seiner Familie, der lesen und rechnen kann. Wenn alle diese Nachkommen sich in der Nähe angesiedelt hatten, musste er tausende von sehr nahen Verwandten haben. Quasi in der Nachbarschaft. Mit monbraue und sechs Fingern, wegen der genetischen Bandbreite. Das erinnerte ihn an gewisse Dörfer. Dieser Junge erkannte seine magische Kraft, die Erkenntnis, er wanderte aus. Weit weit weg.

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