Spinnen

In der Zeit seines Zivildienstes hatte er einen Mit-Kriegsdienstverweigerer, den Spinnenpeter, der tatsächlich in ihrer gemeinsamen Unterkunft verschiedenste Arachnien hielt und züchtete. Zum Beispiel hatte er eine Metallica, die faustgroß und sehr zahm war, die auch später noch gerne auf dessen Rücken saß, wohl weil es dort so schön warm war. Allerdings gab es auch eine Bombardierspinne mit dem schönen Namen Lasiodora, die war durchaus aggressiv und sah mit ihren langen Celizeren, den Fangzähnen, an denen oft ein Gifttropfen hing, durchaus gefährlich aus. Die war größer als eine Hand und hatte einen massigen braunen und kräftig behaarten Körper, verspeiste gerne mal eine Maus und könnte angeblich einen Meter hoch springen. Spinnenpeter erzählte solche Sachen ganz lakonisch und konnte sich daran erfreuen. Heute leitet dieser die arachnologische Abteilung des Senkenberg Institutes und hat angeblich über zweihundert neue Spinnenarten entdeckt. Irgendwann war ein Kokon geschlüpft und einige hundert dieser reizenden Zeit- und Zivibunkergenossen hatten sich in der ganzen Unterkunft verteilt. Alle sechs Ersatzdienstleistenden beteiligten sich am Einfangen und Suchen oder umgekehrt. Eine Folge war, dass Herr Nipp eine gewisse Zeit ebenfalls Spinnen hielt, auch eine schwarze Witwe. Komisch, was einem so alles einfällt, geht es ihm durch den Kopf, nur weil dort neben dem edlen Haupt der Mitbewohnerin ein fast lächerlich kleine schwarze wie haarige Winkelspinne sitzt, die gerade Mal eine Beinspreize von sieben Zentimeter hat..

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Birnen Birnen

Zwei Bäume mit Birnen hat er im Zweitgarten stehen. Der eine hat nur eine Sorte, Gräfin von Paris oder so ähnlich, der andere vier Sorten, unter anderem die deutsche Nationalbergamotte, alle Sorten sehr unterschiedlich und lecker. Er hat einen Beutel voll gepflückt und mit zur Arbeit genommen. In einer Schüssel nett dargereicht standen sie den ganzen Tag herum. Nur zehn Stück wurden gegessen. Warum? Könnte sich der Obstliebhaber fragen. Waren sie zu unschön, zu herb, zu Wurm befallen. Alles wohl nicht gegeben. Wer soll auch wissen, wie etwas schmeckt, wenn nicht gekostet wird. Was Herr Nipp beim Verlassen bemerkte: nebenan auf dem Tisch stand eine Schüssel mit Süßigkeiten; die war am Ende des Tages leer.

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Trödelmarktgeblubber

Jedes Wochenende finden irgendwo irgendwelche Sammler- und Trödelmärkte statt, in Schützenhallen, Stadthallen und auf Parkplätzen größerer Supermärkte und Gartencenter. Wenn man Glück hat, werden, wie etwa in Soest, ganze Grünanlagen und Parks dafür genutzt. Als Student hat Herr Nipp häufig in Münster, Hagen oder anderswo allen möglichen Kram und Krampf verkauft. Das brachte jedes Mal eine Menge Geld in seine armselige Studentenkasse und ganz nebenbei machte er damit viele Menschen glücklich, die unter zu vollen Schränken litten. Natürlich entwickelte er sich schnell zum Experten für dies und das und interessierte sich zum Teil echt für die Themen, die unter den Händlern heiß diskutiert wurden. Etwa Preise und Seltenheit. Wichtig sind auch heute noch die Kundengespräche. Wenn er als Käufer dahin fährt und deshalb nicht gezwungen ist, den ganzen Tag die Gerüche von alten Sachen und auch von Menschen zu ertragen, genießt er das hochwichtige Gebrabbel. „Der Rahmen schon allein ist 250 wert und das Bild ein echter Nolde, also 500.“ “ Ja, wenn es denn so ist. Aber mir zu teuer.“ „Weißt du eigentlich (gesprochen einklich), was so ein Nolde normalerweise kostet.“ „Wenn er echt ist, dann schon.“ An anderer Stelle geht es um Granate, also die dunkelroten Halbedelsteine. „Aso fü den hab ich 32 hingelecht. Vekauf ich fü fuffzen.“ „Glaub ich, ist mir aber zu teuer.“ „Na, dann fü zehne.“ „Danke, ich habe nur wissen wollen, was so etwas kostet.“ „Habb au Turmalin, bin durch de ganze Welt gereist und Arm geworden. Und steinreich, haha. Gut, fümwe.“ Herr Nipp steht daneben und hört zu. Besser sich nicht in solche Verkaufsgespräche ziehen lassen.

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Nichts

Wenn Watzlawick in seinem ersten Axiom der Kommunikation sagt, man könne nicht nicht kommunizieren, dann heißt das wohl auch, dass nicht nichts passieren kann, denkt sich Herr Nipp. Dabei passiert bei ihm tatsächlich nichts. Er hat sich ein Buch genommen, eine Platte aufgelegt und dann passiert doch etwas. Mit dem ersten Ton dieser Vinyl wird er in einem Strudel gerissen, er legt den Wälzer zur Seite und lauscht, muss zuhören und irgendwann weiß er wirklich. Hier explodieren gerade Welten, werden Kontinente leichter Hand verschoben und Vorstellungen revidiert. In ihm und mit ihm.

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Auf Abruf

Seit einer halben Stunde wartet er auf der Laderampe sitzend auf Gäste. Es wird noch dauern, nicht schlimm, denn er genießt dieses durchwachsene Herbstwetter. Derzeit verdichten sich die Wolkenberge über ihm. Gleich wird es wohl irgendwann regnen. So richtig prasselnd mit allem drum und dran. Man glaubt es kaum, aber er freut sich darauf. Und plötzlich stehen drei Leute gleichzeitig vor ihm, als hätten sie sich abgesprochen. Pünktlich regnet es. Wenn man drei Tropfen als Niederschlag bezeichnen kann. „Was machen wir?“ „Der Tag ist noch jung.“ „Vielleicht ins Kino?“ „Kommt doch eh nix.“ Hin und her gehen Vorschläge und Gegenargumente. Letztlich sitzen sie zusammen und besprechen die Erlebnisse der letzten Woche. Mal belustigt, zuweilen auch empört. Und da sieht Herr Nipp durch das Fenster, dass draußen etwas passiert. Endlich. “ Endlich regnet es. Lasst uns die Schirme schnappen und spazieren gehen.“

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