{"id":9036,"date":"2023-06-17T13:12:00","date_gmt":"2023-06-17T11:12:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=9036"},"modified":"2023-06-08T13:39:26","modified_gmt":"2023-06-08T11:39:26","slug":"freundlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=9036","title":{"rendered":"freundlich"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8222;Es gab diese Zeit, damals, es ist inzwischen einige Jahrzehnte her, dass ich v\u00f6llig in mir ruhte, wusste, wer ich bin und was ich will. Damals musste in keiner Sekunde, keinem Id eines Augenblicks in Frage gestellt werden, was Gl\u00fcck ist. Es war das Element des Lebens, wie es f\u00fcr die anderen Luft ist und f\u00fcr Fische Wasser, Auch wenn letzter Vergleich mehr als stupid einfach klingt. Gl\u00fcck war das Lebenselixier, um das die anderen ihren Neid hochfuhren. Ich f\u00fchlte mich wie der Gr\u00f6\u00dfte, ohne auch nur ansatzweise einer Hybris zu unterliegen, denn Gl\u00fcck macht dich zum Gr\u00f6\u00dften und die anderen wissen es und neiden es dir. Gl\u00fcck macht aber auch eine St\u00fcck weit arrogant.&#8220; Herr Nipp h\u00f6rt den Gest\u00e4ndnissen eines alten Mannes zu, der eben seine Lesung h\u00e4lt. Dieser Autor scheint intelligent und sehr selbstreflexiv zu sein, er wei\u00df um die Verg\u00e4nglichkeit und hat mit den Jahren offenbar ein Bewusstsein f\u00fcr die Zuh\u00f6rer entwickelt. Kein Mensch kann das andauernde Gerede von Gl\u00fcck ertragen, kann freundlich bleiben bei dem Gedanken, dass ein anderer in jeglicher Hinsicht gl\u00fccklich ist. Das passt in der meisten Menschen Lebensmodell nicht herein. Du musst auch einmal ungl\u00fccklich sein, um \u00fcberhaupt zu begreifen, was Gl\u00fcck \u00fcberhaupt ist. So sagen die klugen Psychologen und vergleichen es mit Luxus, der eben auch nur relativ ist. Luxus wirklich erleben kann nur jemand, der auch Einfachheit erfahren hat oder sogar Not. Dann berichetet der Schreiber eben auch von den Tagenund das sehr intensiv, als das Gl\u00fcck jegliches Haltbarkeitsdatum \u00fcberschritten hatte. Die Tage in denen der Tod kam, unerwartet und endg\u00fcltig, die Trennung f\u00fcr den Zeitenrest, dieses Abgeschnittensein und Vermissen, die Zeit der Trauer, des Selbstzweifels. Er berichtet von Krankheit und Armut, vom Verzweifeln. Er zeigt all die Lebensschl\u00e4ge und Tritte auf, richtet den Blick auf die Narben. Das Verlassenwerden durch die Menschen, die er geliebt hat. Die Frage nach der eigenen Schuld und die M\u00f6glichkeit der eigenen Ver\u00e4nderung, das Erwachsenwerden, das Erstarken zuletzt. Er malt den Zuh\u00f6rern d\u00fcstere Bilder der Selbstverachtung und kann in minuti\u00f6ser Darstellung von kleinen Ereignissen darlegen, welchen Weg es gebraucht hatte vom gestrauchelten wie selbstverliebten Gockel zu einen Menschen heranzureifen. Irgendwann schlie\u00dft er ab, ein Satz, dann ein freundlicher Applaus, zun\u00e4chst zur\u00fcckhaltend in sichtbarer Ersch\u00fctterung, dann sehr langanhaltend in Dankbarkeit: &#8222;Du darfst als Mensch du selbst sein, erlebe bewusst dabei alle H\u00f6hen und Tiefen, du lebst schlie\u00dflich nur einmal.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Es gab diese Zeit, damals, es ist inzwischen einige Jahrzehnte her, dass ich v\u00f6llig in mir ruhte, wusste, wer ich bin und was ich will. 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