{"id":6701,"date":"2020-04-21T11:33:11","date_gmt":"2020-04-21T09:33:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=6701"},"modified":"2020-04-21T19:42:43","modified_gmt":"2020-04-21T17:42:43","slug":"den-tag-nicht-vor-dem-abend-die-nacht-nicht-vor-dem-morgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=6701","title":{"rendered":"Den Tag nicht vor dem Abend &#8211; die Nacht nicht vor dem Morgen"},"content":{"rendered":"\n<p>Es ist ihm einfach wichtig, das Gehen durch den Wald, querfeldein, die Wege, die ihm in die Quere kommen, m\u00f6glichst schnell \u00fcberwinden, queren. Eben querfeldein. Er geht nicht schnell, das muss wirklich nicht sein. Es reicht v\u00f6llig, in aller Ruhe durch den Wald zu gehen, ruhig, gespannt und vor allem aufmerksam. Gespannt ist er vor allem auf alles, was er entdecken wird, vielleicht eine Pflanze, die er noch nicht kennt, vielleicht einen Vogel oder die Reste einer Mahlzeit, verbunden mit dem Fund von sch\u00f6nen Federn einer Elster. Vielleicht ist es aber auch ein Stein, der glitzert in der Sonne und bei N\u00e4herkommen v\u00f6llig langweilig erscheint. Er wei\u00df es nie, wei\u00df nie, was passieren kann und wird, aber es ist niemals wie am Tag zuvor. Auch wenn er zehn Mal die gleiche Strecke geht, sie ist f\u00fcr ihn niemals die selbe. Da krabbelt ihm ein K\u00e4fer \u00fcber den Fu\u00df, dort bleibt er vielleicht an der n\u00e4chsten Wurzel h\u00e4ngen und entdeckt dadurch etwas neues. Meistens geht Herr Nipp aber nicht allein, er nimmt Menschen mit, die nichts dagegen haben, durch Bl\u00e4tterhaufen, Dreck oder Matsch zu laufen, die sich daf\u00fcr nicht extra anziehen, sondern die, wie sie sind, mitkommen. Ganz spontan, ohne Vorbereitung. <\/p>\n\n\n\n<p>Die ersten Meter sind die beschwerlichsten, weil man eine Zuwegung sucht. Da muss der vorgegebene Weg genutzt werden, einige hundert Meter vielleicht oder auch einige Kilometer, dann aber geht der eigentliche Spaziergang los, pl\u00f6tzlich wendet er sich nach rechts oder links und steigt in den Wald, \u00fcberspringt den Seitengraben. Pl\u00f6tzlich steht er in der Natur, oder zumindest in dem, was heute f\u00fcr Natur gehalten wird. Denn seien wir ehrlich, die modernen W\u00e4lder haben nicht mehr viel mit Natur zu tun, meist sind sie Monokulturen, entweder Buchen oder Fichten oder andere n\u00fctzliche Wirtschaftsb\u00e4ume, wenn sie denn nach zwei d\u00fcrren Sommern und den verschiedenen Borkenk\u00e4ferattacken noch stehen, es sind von den einst so reichhaltigen Brotbaumkulturen im Sauerland nur noch wenige \u00fcbrig geblieben. Manchmal denkt er, dass aus dem Arnsberger Wald ein ehemaliger Wald geworden ist, Freifl\u00e4chen mit Restbuschbest\u00e4nden. Aber gerade das macht die Spazierg\u00e4nge ja so interessant. Wo viel Licht ist, k\u00f6nnen andere Arten aufkommen, die Reste von vor Jahrzehnten untergegangenen Pflanzenbest\u00e4nden erholen sich ganz pl\u00f6tzlich. Diasporen keimen. <\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Mal jedoch sucht er ausdr\u00fccklich keine Pflanzen, der Gedanke ist einfach, er will eine Abwurfstange finden. Nicht um sie zu behalten, er verschenkt solche Fundst\u00fccke immer. Ja, er wei\u00df wohl um die Gefahr, in die er sich begibt, denn Abwurfstangen sammeln ist tats\u00e4chlich eine Straftat, zumindest, wenn man sie mitnimmt. Es gab tats\u00e4chlich eine Zeit, da hat er die knochigen Kopfgew\u00e4chse an B\u00e4ume gebunden oder im Gezweig aufgeh\u00e4ngt, welch ein Spa\u00df. Na, es gibt wohl schlimmeres, denn die meisten J\u00e4ger haben ehrlich gesagt kein oder kaum Interesse an den St\u00fccken. Und die wenigen J\u00e4ger, die wirklich interessiert sind, sammeln sie schlie\u00dflich selber zeitnah ein. <\/p>\n\n\n\n<p>Fast zwei Stunden haben die beiden nun gesucht. Die Begleitung meint, dass man ja nicht immer was finden k\u00f6nne. Aber pl\u00f6tzlich ragen die wei\u00dfen Spitzen einer Sikastange aus dem Laub. Welch ein Fund so kurz vor Schluss. Herr Nipp grinst: \u201eMan soll den Tag nicht vor dem n\u00e4chsten Morgen verdammen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ihm einfach wichtig, das Gehen durch den Wald, querfeldein, die Wege, die ihm in die Quere kommen, m\u00f6glichst schnell \u00fcberwinden, queren. Eben querfeldein. Er geht nicht schnell, das muss wirklich nicht sein. 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