{"id":5315,"date":"2016-10-15T08:47:51","date_gmt":"2016-10-15T06:47:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=5315"},"modified":"2016-07-31T20:16:55","modified_gmt":"2016-07-31T18:16:55","slug":"verworfener-romanauszug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=5315","title":{"rendered":"Verworfener Romanauszug"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Nein, so konnte es nicht sein, immer wieder stie\u00df er auf Passagen, die zwar geschrieben, aber eigentlich so gar nicht zu gebrauchen waren. Und das hatte verschiedene Gr\u00fcnde, die vielleicht gar nicht so einfach nachzuvollziehen sind. Manchmal lag es einfach nur daran, dass ihm ein guter Komposit nicht gelingen mochte, manchmal sicher auch daran, dass ein Leserhythmus sich auch nach mehrfachem Umstellen nicht einstellen wollte, dass die Wortspiele nicht funktionieren wollten, dass die Themen einfach auch im zweiten oder dritten Nachlesen als eher unpassend erschienen. Dann wurden diese Textpassagen einfach herausgeschnitten und der Roman wuchs nach einem einfachen Prinzip; wie ein atmender Organismus bl\u00e4hte er sich beim Einatmen auf, um beim Luftablassen wieder ein St\u00fcck zu schrumpfen. Von den insgesamt vielleicht inzwischen \u00fcber tausend geschriebenen Seiten war so ein Rumpf erhalten geblieben, der gerade mal gegen 200 ging. Er wusste auch, dass dieser Roman vielleicht niemals beendet werden w\u00fcrde, weil es eben der erste Roman war und der musste traditionell im Schrank bleiben, denn der Autor w\u00fcrde sicher nicht den Mut finden, ihn einem Verlag auch nur anzubieten. Wer kann schon wissen, ob er \u00fcberhaupt gelesen wird und wenn, ob er vielleicht abgelehnt werden w\u00fcrde. Aber er konnte noch nicht einmal sagen, dieser Roman sei in irgendeiner Weise fertig! Gerade hatte er folgende Passage f\u00fcr immer getilgt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Eine langwierige Ersch\u00f6pfung? Nein, Markus hatte f\u00fcr diesen Tag alles gegeben und sich gewundert, wieviel selbst ein untrainierter Mensch wie er, ein eigentlich eher schlaffer und frischk\u00e4sig wirkender K\u00f6rper, doch zu leisten imstande war. Auch wenn die wenigen Muskeln, die dadurch\u00a0 fehlende Kondition, zuweilen vorgaben, nun aber wirklich nicht mehr weiter zu k\u00f6nnen, auch wenn ihm sein Kopf auf Seiten der Vernunft, ja, des von Freud postulierten \u00dcber-Ichs sagte, es sei f\u00fcr ihn doch eigentlich sch\u00e4dlich, weiter zu machen, hatte sich auf anderer Ebene das Tierische, das Es, der reine Wille, etwas zu schaffen, durchgesetzt. Auch ans Ziel kommen ist eine Leistung, egal wie. Schlie\u00dflich hei\u00dft es doch, jeder Marathonl\u00e4ufer, der sich selbst \u00fcberwindet, ist ein Sieger. Er war also tats\u00e4chlich nicht von irgendeiner Stelle der Tour mit einem Bus oder Schiff zur\u00fcckgefahren, so wie er schon einmal gemacht hatte, damals allerdings, weil sich zwei Insektenstiche an sehr unangenehmer Stelle durch die Reibung des Sattels entz\u00fcndet hatten, sondern war auf dem schmalen Sitz tapfer sitzen geblieben. Immerhin sollte ihm dieser Rundkurs doch als Werk dieser Woche erhalten bleiben und da st\u00f6rte der Gedanke, es nicht ganz geschafft zu haben. Dass er inzwischen eine lange Pause gemacht hatte, war durchaus in Ordnung. Au\u00dferdem war diese witzige Unterhaltung, welche sich mit dem Wirt des Fischverkaufstandes \u00fcber eine halbe Stunde hinzog, h\u00e4ngen geblieben.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Seite also, die nicht viel \u00fcber Markus aussagen w\u00fcrde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, so konnte es nicht sein, immer wieder stie\u00df er auf Passagen, die zwar geschrieben, aber eigentlich so gar nicht zu gebrauchen waren. Und das hatte verschiedene Gr\u00fcnde, die vielleicht gar nicht so einfach nachzuvollziehen sind. 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