{"id":5293,"date":"2016-09-10T09:39:25","date_gmt":"2016-09-10T07:39:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=5293"},"modified":"2016-07-31T20:00:51","modified_gmt":"2016-07-31T18:00:51","slug":"schlafzimmer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=5293","title":{"rendered":"Schlafzimmer"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Dieses bis zur Decke uns\u00e4glich \u00fcberdekorierte, man m\u00f6chte fast sagen verschm\u00fcckte Zimmer, mit Tapeten voller auf einem altenglisch-altdeutschen beruhenden Missverst\u00e4ndnis von imitierter Gem\u00fctlichkeit mit bebl\u00fcmter Strukturtapete auf Kunsstoffschaumbasis, wahlweise mit Holzfurnier oder Laminat versehenen M\u00f6beln aus einem g\u00fcnstigen Kaufhaus, die es nicht wert sein w\u00fcrden, sie sp\u00e4ter einmal aufzuheben, auch in hunderten von Jahren nicht, mit biedermeierlich wirken sollenden Kunstblumengebinden und einer dreigeschirmten Deckenleuchte, deren Fransen den Staub aus der Luft einzuatmen und auf ihren R\u00e4ndern zu sammeln scheinen,\u00a0 goldig gl\u00e4nzende Troddeln bildend, die immer in der Gefahr schweben, alles fallen zu lassen, scheint ihm wie eine grundlegende F\u00e4lschung der Welt, wenn dies nicht schon der Titel eines Buches von W. Gaddis w\u00e4re, als wolle jemand die Realit\u00e4t zukleistern und einen Schein von Heimat erzeugen, der noch nicht definiert ist, aber offenbar dem heimatlichen F\u00fchlen oder jenem Gef\u00fchl, das heute in Zeitschriften wie Landlust beschworen wird, zugrunde liegt. Dabei h\u00e4tte dieser bedr\u00fcckende Missklang mit anderer Wandgestaltung ausgeglichen werden k\u00f6nnen, dem Mut zu Licht ohne raumgreifende Gardinenpracht, die schon den Schleier des Grau erkennen lie\u00df, ersetzt mit einer lichten hellblauen Farbe vielleicht, die den Besucher nicht so tief in die Kissen der einfachen Sitz- und Schlafm\u00f6bel dr\u00fcckte. Alles andere scheint Herrn Nipp da fast schon verzeihlich, die Vorh\u00e4nge, Schabracken und Gardinen allerdings nicht, die ihn an eine Zeit erinnern, die l\u00e4ngst vergangen ist. War damals nicht jedes Fenster mit diesen halbdurchsichtig schwebenden Textilien verhangen, die es erm\u00f6glichten, gesch\u00fctzt nach au\u00dfen zu schauen, ohne selbst gesehen zu werden, ein Hort der Diskretion, gesch\u00fctzte Natur des Beschauers? Niemand konnte hineinsehen, solange innen kein Licht brannte, und selbst dann waren nur Konturen wahrzunehmen. Diese stets der Vergilbung ausgesetzten Raumluftfilter hatte er schon damals gehasst, sie als Kind schon auf- und weggezogen, wann immer er konnte, damit das ungefilterte Licht einstr\u00f6men w\u00fcrde, er klar sah, die Augen das zu erblicken vermochten, was ihm wichtig schien. Hier aber, genauso wie damals \u00fcbrigens, lag er nun im Zwielicht, auch wenn sich die Sonne l\u00e4ngst weit \u00fcber den Horizont erhoben hatte. Wo war aber das Licht, von dem die Besucher dieser Landschaft immer schw\u00e4rmten, wenn die Innenr\u00e4ume der H\u00e4user als Reservate einer grauen Vorzeit angelegt waren, einer Vorgeschichte, in die sich nur hartgesottenste Retrofetischisten zur\u00fccksehnten? Wenn aber, wie an diesem Morgen gar der Himmel bleigrau verhangen war, jenem Grau, das sogar in der Lage ist, die Gedanken zu einem z\u00e4hen Brei zu l\u00e4hmen, aus welchem sich niemand fortbewegen kann, dann wirken diese Gardinen als feine Gitter vor der Zellen eines modernen Gef\u00e4ngnisses und auch der Spiegel, der den Raum optisch erweitern sollte, erschien ihm kaum hilfreich, diesen Tag schwungvoll zu beginnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses bis zur Decke uns\u00e4glich \u00fcberdekorierte, man m\u00f6chte fast sagen verschm\u00fcckte Zimmer, mit Tapeten voller auf einem altenglisch-altdeutschen beruhenden Missverst\u00e4ndnis von imitierter Gem\u00fctlichkeit mit bebl\u00fcmter Strukturtapete auf Kunsstoffschaumbasis, wahlweise mit Holzfurnier oder Laminat versehenen M\u00f6beln aus einem g\u00fcnstigen Kaufhaus, die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=5293\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5293","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5293","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5293"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5293\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5343,"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5293\/revisions\/5343"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5293"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5293"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5293"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}