{"id":4716,"date":"2015-07-25T20:57:02","date_gmt":"2015-07-25T18:57:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=4716"},"modified":"2015-07-25T11:06:17","modified_gmt":"2015-07-25T09:06:17","slug":"unter-hunderten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=4716","title":{"rendered":"Unter Hunderten &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Als er die Prozession am Pragser Wildsee mit Hunderten anderen Touristen geht, rund um dieses wundersch\u00f6ne und gerade deswegen v\u00f6llig \u00fcberlaufene Gew\u00e4sser mitten in den Dolomiten, in dem man sogar schwimmen kann, obwohl es so hoch liegt, fragt er sich schon wieder einmal, ob er dies denn eigentlich braucht. Reichlich langsam gegangen braucht es vielleicht anderthalb Stunden. Auf der linken Seite ist der Weg schmal und erinnert mit viel gutem Willen an so etwas wie an einen Bergpfad. Dort kann man in einigen Felsformationen sogar die Schopfrapunzel entdecken, auch Teufelskralle genannt, eine wundervolle gro\u00dfbl\u00fctige Reliktpflanze aus der Eiszeit, die sich in einigen wenigen T\u00e4lern gehalten hat, so auch im Tschamintal beim Rosengarten. Den meisten Touristen fallen diese Pflanzen allerdings gar nicht auf, man muss nach oben zur Felsseite gucken und die meisten bewundern gerade die andere Seite, den See. Das leuchtende T\u00fcrkis der Wasseroberfl\u00e4che, in dem Tausende von winzigkleinen Fischen ihr \u00dcberlebensspiel spielen. Ein Freund hatte Herrn Nipp vor Jahrzehnten auf diese botanischen Rarit\u00e4ten aufmerksam gemacht. Jedesmal muss er an diesen l\u00e4ngst Verstorbenen denken, der ihm als gerade Elfj\u00e4hrigem ein St\u00fcck weit die T\u00fcr zur Natur der Dolomiten aufgesto\u00dfen hatte. Noch heute trifft er von Zeit zu Zeit, also alle Jahre mal, dessen Sohn, der einige Kilometer entfernt wohnt. Er war es auch damals gewesen, der ihm die Sch\u00f6nheit der alpinen Orchideen gezeigt hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ende des Sees findet sich ein fast wei\u00df leuchtender, breiter Kiesstrand, der teilweise ich das an schlie\u00dfende Ger\u00f6llfeld \u00fcbergeht. Direkt nebenan stehen frei einige Rinder herum, typisch alpinbeige, neuerdings auch diese hornfrei. Immer noch ein seltsamer Anblick, dass den Viechern die H\u00f6rner weggez\u00fcchtet wurden. Bei sch\u00f6nen Wetter ist dieser Strand von hunderten Sonnenhungrigen, mehr oder meist weniger sch\u00f6nen Menschen, die offensichtlich jene Zur\u00fcckhaltung verloren haben, die Herr Nipp in den Alpen so sch\u00e4tzt, bev\u00f6lkert. Fast jeder Zentimeter der Haut wird hier zur Schau gestellt. Innerhalb weniger Minuten ist die H\u00f6chststrahlungsrate erreicht, aber das wird gro\u00dfz\u00fcgig ignoriert, so werden viele von ihnen abends aussehen wie Engl\u00e4nder auf Malle. So werden die blau geschwollenen\u00a0Krampfadern, die Baulappen und un\u00fcbersehbaren W\u00fclste, die sich kr\u00e4uselnde Orangenhaut der oberen Schenkel und die H\u00e4ngebr\u00fcste vierzigj\u00e4hriger M\u00e4nner, die offen sichtbar keinen Sport au\u00dfer der Trendsportart Kampftrinken betreiben, jedem Anthropologen sicherlich ein gern gesehenes Forschungsfeld \u00fcber menschliches Treiben, f\u00fcr alpine Fragw\u00fcrdigkeit von \u00c4sthetik. Ja, auch Rubens mit seinen sprichw\u00f6rtlichen Frauendarstellungen und Lucien Freud h\u00e4tten ihre Freude hieran. Im wahren Sinne ausschweifendes Beobachtungsmaterial. Die hier lagernden Herden, seien es Rinder oder menschliche Familien sind nicht zum Wandern hierher gekommen. Auf Herrn Nipp wirkt das ganze Arrangement im z\u00fcgigen Vor\u00fcbergehen eher wie eine kostenpflichtige Freakshow eines amerikanischen Wanderzirkus, mit dem Unterschied allerdings, dass man hier abgesehen von den Parkgeb\u00fchren\u00a0 keinen Eintritt zahlen muss. Letztere sind allerdings im Vergleich zu Gro\u00dfst\u00e4dten gar nicht so hoch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als er die Prozession am Pragser Wildsee mit Hunderten anderen Touristen geht, rund um dieses wundersch\u00f6ne und gerade deswegen v\u00f6llig \u00fcberlaufene Gew\u00e4sser mitten in den Dolomiten, in dem man sogar schwimmen kann, obwohl es so hoch liegt, fragt er sich &hellip; <a href=\"https:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=4716\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-4716","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4716","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4716"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4716\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4724,"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4716\/revisions\/4724"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4716"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4716"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4716"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}