{"id":4703,"date":"2015-07-20T07:19:53","date_gmt":"2015-07-20T05:19:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=4703"},"modified":"2015-07-20T09:30:33","modified_gmt":"2015-07-20T07:30:33","slug":"wo-ist-das-kind-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=4703","title":{"rendered":"Wo ist das Kind? Teil 1"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Das hat jeder schon einmal erlebt, irgendwann einmal, vielleicht sogar am eigenen Leib. Herr Nipp konnte sich noch immer an jenen Urlaub erinnern, den er mit 2 Jahren verbracht hatte. Entgegen den Behauptungen der Mutter wohlgemerkt, die ihm immer gesagt hatte, das k\u00f6nne gar nicht sein, habe niemals sein k\u00f6nnen, er sei au\u00dferdem doch viel zu jung gewesen, als er sich daran habe jemals erinnern k\u00f6nnen. Ja, das ist immer ein gutes Argument, wenn Menschen ihre tiefsten Erinnerungen reaktivieren. Nein, das habe man doch h\u00f6chstens aus den Erz\u00e4hlungen der anderen wissen k\u00f6nnen. Aber er wusste nun mal, was da passiert war, was er erlebt hatte. Erst Jahre sp\u00e4ter, Jahre nachdem er selber die Geschichte berichtet hatte, hatte sein Vater sp\u00e4tabends auf einer feuchtfr\u00f6hlichen Familienfeier seine Version der Geschichte unter dem Gel\u00e4chter der gesamten Tanten und Onkel zum Besten gegeben. Die Wahrheit holt auch diejenigen ein, die Unangenehmes gerne vertuschen wollen. Also merke, es lohnt nicht, etwas zu verschweigen, besser ist es, wenn die sogenannten Familiengeheimnisse auch den Nachkommen mitgeteilt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war jener Sommer 1972 an der Nordsee gewesen, in welchem die Eltern entschieden hatten, eben dort ein Haus zu kaufen, solide gebaut, f\u00fcr die Zukunft. Die Mutter w\u00fcrde dann endlich ihren F\u00fchrerschein machen, um wochenends, wenn der Vater zu Hause am Schreibtisch sa\u00df, mit den Kindern ans Meer zu fahren, um sich dort zu erholen. Es mag auch 1971 gewesen sein, denn das vierte Kind war noch nicht da. Herr Nipp konnte sich auch wirklich nicht an eine schwangere Mutter erinnern, da diese seiner Meinung nach sowieso schon immer recht f\u00fcllig gewesen war. Eine echte Mutter eben, wie man sie sich so vorstellt. \u00dcbrigens genauso, wie er sich gerade f\u00fchlte, nicht m\u00fctterlich, aber daf\u00fcr umso f\u00fclliger, ja sogar bis zum Platzen gespannt. Da w\u00e4re es einem Kind nat\u00fcrlich nicht bewusst gewesen, dass die eigene Mutter ein weiteres Kind unter dem Herzen trug, wie man so sch\u00f6n sagt. Dazu auch noch eines, das ihn selber auf Dauer zum Sandwichkind machen sollte. Sozusagen die Taschenfeder einer Matratze, die funktionieren musste und wollte sie auffallen im Haufen der Balgen, musste sie schon brechen, defekt in dem R\u00fccken stecken. Seine einzige Chance, \u00fcberhaupt noch wahrgenommen werden zwischen dem Kronprinzen, seinem \u00e4lteren Bruder, der Prinzessin, seiner \u00e4lteren Schwester und dem kleinen Prinzen, sollte dann in Zukunft das irgendwie Quere sein, im Denken und Handeln. Nicht boshaft, aber doch eben nicht so glatt. Er musste die Erwartungen hinterfragen und an den richtigen Stellen die Stellschrauben drehen, Kleinigkeiten herausarbeiten, die ihn wirklich anders machten. Aus der Funktion der Pufferzone eine eigene Pers\u00f6nlichkeit entwickeln, mit eigenen Ideen und Interessen, die immer \u00fcber das etwas hinausgingen, was gefordert war, in die eine wie die andere Richtung. Und sei es nur, dass er all die B\u00e4ume und Pflanzen kannte, \u00fcber die sein Vater auf den langen Spazierg\u00e4ngen stundenlang referieren konnte. \u00dcber die B\u00e4ume und deren H\u00f6lzer, deren Einsatzm\u00f6glichkeiten im M\u00f6bel-, Ger\u00e4te- und Hausbau. Woraus lie\u00dfen sich besonders sch\u00f6ne Furniere herstellen, wie lie\u00dfen sich diese auch noch effektvoll in Szene setzen, woraus lie\u00dfen sich gute Massivholzm\u00f6bel bauen und woraus auf keinen Fall. Der Vater, der den Geruch des Eichenholzes liebte, den von gef\u00e4llten Apfelb\u00e4umen widerlich fand, konnte ihm anschaulich erl\u00e4utern, warum Axtstiele aus Esche und Hammerstiele m\u00f6glichst aus Wei\u00dfbuche zu sein hatten, dass man St\u00fchle aus Buche oder Eiche herstellte oder manchmal auch aus Kiefer, niemals aber aus Erle, die viel zu anf\u00e4llig f\u00fcr Holzw\u00fcrmer sei. Er konnte anschaulich erkl\u00e4ren, warum man beim Schmirgeln von Ulme (er nannte sie R\u00fcster) Hustenreiz bekam, dass Kirsche und Walnuss die sch\u00f6nsten H\u00f6lzer seien, dass Birkenstaub zum Niesen f\u00fchrt, unweigerlich. Jede Holzart wurde besprochen, viele Vor- und Nachteile, das Gewicht und die Haltbarkeit und nicht zuletzt der Brennwert. Der Vater glaubte tats\u00e4chlich alles \u00fcber Holz zu wissen, aber der Sohn, jenes Sandwichkind, wusste sich zu helfen. Ganz nach dem Motto, wer lesen kann, ist klar im Vorteil, hatte er sich nach und nach alle Informationen zugelgt, die der Vater nicht kannte. Mit welchen Pilzen etwa die B\u00e4ume in Symbiose lebten, warum hier und nicht dort Misteln zu finden waren, welchen Boden welche Art bevorzugte und bis zu welcher H\u00f6he die B\u00e4ume wachsen konnten. Welche Tiere sich von den B\u00e4umen ern\u00e4hren und warum bestimmte Arten von den F\u00f6rstern nicht gerne gesehen sind. Er malte sich dann aus, wie es seinen Vater schon ein bisschen ver\u00e4rgerte, dass der Spr\u00f6ssling immer noch einen draufzusetzen hatte.<\/p>\n<p>Wie auch immer die Auswirkungen der Geburt des Bruders waren, sie sollten eigentlich gar nicht Bestandteil dieser kleinen Geschichte werden, aber wenn einmal ein Gedanke in die Welt entlassen wurde, dann pflanzt sich dieser meist weit \u00fcber die gedachten Grenzen fort und pl\u00f6tzlich landet der Schreiber in einer ganz anderen Geschichte und muss mal wieder zugeben, dass im Grunde genommen alles irgendwie zusammenh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Das ber\u00fchmte Ferienhaus an der See hatten die Eltern damals dann leider doch nicht gekauft, lediglich der F\u00fchrerschein der Mutter war realisiert worden. \u00dcberhaupt sollte es nach diesem Sommer nie wieder einen Familienurlaub am Meer geben. Ab dem n\u00e4chsten Jahr w\u00fcrden alle weiteren Urlaube in den Alpen stattfinden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das hat jeder schon einmal erlebt, irgendwann einmal, vielleicht sogar am eigenen Leib. Herr Nipp konnte sich noch immer an jenen Urlaub erinnern, den er mit 2 Jahren verbracht hatte. 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