{"id":3640,"date":"2013-12-28T11:36:16","date_gmt":"2013-12-28T10:36:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=3640"},"modified":"2013-12-28T13:46:42","modified_gmt":"2013-12-28T12:46:42","slug":"er-weis-nicht-was-soll-es-bedeuten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=3640","title":{"rendered":"Er wei\u00df nicht, was soll es bedeuten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: 'Arial','sans-serif';\">Wieder einmal hatte Herr Nipp die sogenannten Feiertage, jene angeblich besinnlichen Tage erfolgreich \u00fcberbr\u00fcckt, hatte ganz modern Cocooning betrieben. Aber schon einen Tag sp\u00e4ter war er durchaus bereit, den Fu\u00df in die \u00d6ffentlichkeit zu wagen. In jenes vorgestellte Minenfeld der Eitelkeiten. Mit einigen Freunden sollte er tats\u00e4chlich auf eine jener mehr als seltsam wunderbaren Partys gehen, ganz abgeschieden im Hinterland. Irgendwo in einem alten Bauernhaus, welches ansonsten eher ungenutzt oder zu Proberaumzwecken in der Felderw\u00fcstenei herumstand. Herrliches Anwesen mit Weitblick \u00fcber die Sauerlandschaft. Er w\u00e4re sofort und ohne weiter nachzudenken dorthin gezogen, h\u00e4tte der Besitzer bei Angebot auch nur mit dem Auge gezuckt. Sogar ein kleiner Bach flie\u00dft munter durch die riesige Weidenwiese. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?attachment_id=3642\" rel=\"attachment wp-att-3642\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-3642\" title=\"tattoo\" src=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/tattoo1-639x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"639\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/tattoo1-639x1024.jpg 639w, https:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/tattoo1-249x400.jpg 249w, https:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/tattoo1-92x148.jpg 92w, https:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/tattoo1-19x31.jpg 19w, https:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/tattoo1-23x38.jpg 23w, https:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/tattoo1-134x215.jpg 134w\" sizes=\"auto, (max-width: 639px) 100vw, 639px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: 'Arial','sans-serif';\">Wahrscheinlich kennt jeder solche Veranstaltungen. Da laufen unglaublich viele junge und vor allem coole Menschen herum. Viele B\u00e4rte, auch drei Tage nicht rasiert gilt hier als Bart, viele Kopfbedeckungen, viele M\u00e4dchen mit langen Haaren oder extremen Bubik\u00f6pfen. Allerorten Tattoos. Alles ist extrem, die um die Nase wehenden D\u00fcfte und starken Ger\u00fcche. Sie m\u00f6gen sich jetzt vielleicht nicht unbedingt alle gut leiden, zeigen sich aber die allerfreundlichsten Gesichter. Alles ist gut, solange du nett bist. Herr Nipp geh\u00f6rt nat\u00fcrlich zu den beiden Gesichtsalten, wandelnde Faltenw\u00fcrfe zwischen wundersch\u00f6ner Jugendgl\u00e4tte. Wahrscheinlich ist er der einzige Glatzentr\u00e4ger dort, alle anderen sind mit \u00fcppigem Keratin bewuselt, tragen ihre Haarpracht mit Stolz. Viele Creative gibt es dort, Musiker sowieso, die machen zwischendurch auch ihre kleinen Konzerte hier, Konzerte, die Spa\u00df machen. Einige bildende K\u00fcnstler sieht man in der Ecke stehen, sogar ein Schauspieler wird gesichtet, die \u00fcblichen Designer, Medienleute und ein paar ambitionierte Architekten. Ein Kameramann, der sonst f\u00fcr das Theater arbeitet. Der Rest f\u00fcllt sich durch Studenten und einige Sch\u00fcler auf. Das richtige Gebrodel. Nachtleben eben. Man ist aus der Stadt auf das Land gegangen, f\u00fcr eine Nacht, das reicht, Hauptsache feiern.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: 'Arial','sans-serif';\">Als Gebrodel kann man auch den Weihnachtspunsch bezeichnen, der dort gegen ein paar Silberlinge angeboten wird. Herr Nipp kann nicht genau sagen, was da alles drin ist, er weigert sich allerdings nach Erinnerung daran, was vor einem Jahr passierte, auch nur daran zu nippen. Schon die als besinnlich bezeichneten Aromen und Duftfragmente k\u00f6nnen allerhand Unfug anstellen mit den Sinnen, glaubt er. Da z\u00fcckt er lieber den Flachmann, den er k\u00fcrzlich geschenkt bekam, und gibt eine Runde Schnaps. Der ist zuerst mild, verbrennt dann allerdings die Strosse und kurz danach f\u00fchlt sich der ganze Magenraum an, als h\u00e4tte jemand ein Kohlefeuerchen angez\u00fcndet. Ganz rustikal Doppelkorn. Man m\u00f6chte sich auch am liebsten direkt den Pullover ausziehen, zumindest aber die Jacke. Das allerdings ist nicht m\u00f6glich, erstens w\u00fcrde eine solche Bewegung in der Enge der umstehenden Menschen einen Dominoeffekt ausl\u00f6sen und wahrscheinlich geriete die gesamte Gesellschaft ins Wanken, zweitens besteht nirgends die M\u00f6glichkeit irgendetwas hinzulegen. Und ein gro\u00dfes Schild verweist ganz unverbl\u00fcmt darauf: &#8222;Pass gef\u00e4lligst auf deine Klamotten selber auf!&#8220;<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: 'Arial','sans-serif';\">In einem der kleinsten R\u00e4umchen spielt eine neue Band mit Namen Pansen. Der h\u00f6rt sich nicht gerade appetitlich an, immerhin sehen sowohl der S\u00e4nger als auch der Bassist so aus und \u201edie ersten beiden Reihen stehen mitsingende M\u00e4dchen\u201c mit blitzenden Augen. Die zeigen, wie appetitlich die Beiden sind. Eigentlich, denkt Herr Nipp, ist es doch traurig, dass die heimlichen Stars des Abends es so gar nicht sehen k\u00f6nnen, wie sie angehimmelt werden. Sie sind von den Scheinwerfern geblendet und sehen nur eine schwarze Masse. Immerhin haben es gut drei\u00dfig Menschen in diesen viel zu kleinen Raum geschafft, der Rest h\u00e4lt sich nebenan auf, fl\u00e4zt sich auf Sofas und l\u00e4sst die Flaschen kreisen, Ros\u00e9wein. Irgendwann werden auch diese erkennen, dass das der Wein der Unentschiedenen ist. S\u00fcffig, aber belanglos. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: 'Arial','sans-serif';\">Der S\u00e4nger s\u00e4uselt ins Mikrophon, der Gitarrist stammelt seine Worte dazu, dass er dabei nicht immer den richtigen Ton findet, macht die Sache schon wieder fast w\u00fcrzig. Immerhin beherrscht er drei T\u00f6ne auf der Stimmtonleiter, richtig angeordnet kann man damit herrliche Melodien in die Welt blasen. Ja, manchmal kann Herr Nipp sogar den W\u00f6rtern folgen, teilweise scheinen ihm durchaus romantische Fragmente aufzutauchen, die er jedoch im Kontext kaum deuten kann, und hat seine Freude daran. Das Publikum geht mit, vielleicht abgesehen von zwei offensichtlichen Zwillingen, die gebannt, aber reglos da stehen. Auch sie scheinen ihre ganz eigene Freude zu haben. Sie scheinen die Welt in sich aufzusaugen und sich ihren eigenen Reim darauf zu machen. Der Kameramann neben ihnen wird sich irgendwann umdrehen und fragen, ob er noch einen Schluck aus dem Flachmann haben kann. Nach der vorgeplanten Zugabe leert sich der Raum auch schon wieder schnell, einige Zuschauer fachsimpeln noch mit den Bandmitgliedern oder sprechen einfach und direkt ihr Lob aus. Auch Herr Nipp ger\u00e4t unbeabsichtigt in eine solche Situation mit dem Bassisten. Er erl\u00e4utert, was gut gefiel, was nicht, man nimmt sich in den Arm, so muss das sein. Dicker Kuss auf den Mund und die Verabredung, dass man demn\u00e4chst was zusammen macht. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: 'Arial','sans-serif';\">Im n\u00e4chsten Raum, einem ehemaligen Schweinestall wird jetzt Elektromusik gemacht. Keine Band, kein klassischer DJ. Da steht ein rotbekappter junger Mann und dreht v\u00f6llig in sich vertieft an verschiedenen Kn\u00f6pfen und entlockt dem Ger\u00e4t seltsame verwunschene Kl\u00e4nge, die immer wieder von zerst\u00fcckelten Beats gefranst werden. Jegliche aufkommende Bewegung wird wieder unterbrochen, aber die Anwesenden sind gr\u00f6\u00dftenteils begeistert. Einige Leute drehen mit seltsamen Kameras einen Film. Leuchtende Gesichter, aufflammende Lichter. Intensive Rauchfahnen wehen her\u00fcber. Auch hier wieder das Ph\u00e4nomen mit den gl\u00e4nzenden M\u00e4dchenaugen. Auch die folgenden Beastingbeats machen ein cooles Ding. Ein wogende Bewegung der Menge, alles wird immer enger, dann kommt auch der Gesichts\u00e4lteste, nat\u00fcrlich auch mit Schal und Kopfbedeckung, nimmt Herrn Nipp fest in den Arm. Gegenseitiges Verstehen. Ja, warum nicht, nicht das tats\u00e4chliche Alter z\u00e4hlt, sondern das innere. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: 'Arial','sans-serif';\">Irgendwann steht er drau\u00dfen und wird von drei Leuten mitgezogen, es geht nach Hause. Jemand wird seinen Wagen schon fahren. Die Zeit ist mal wieder verstrichen, als h\u00e4tte es sie nicht gegeben. Wie das ganze Leben bisher. Er wei\u00df nicht, was soll es bedeuten.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder einmal hatte Herr Nipp die sogenannten Feiertage, jene angeblich besinnlichen Tage erfolgreich \u00fcberbr\u00fcckt, hatte ganz modern Cocooning betrieben. Aber schon einen Tag sp\u00e4ter war er durchaus bereit, den Fu\u00df in die \u00d6ffentlichkeit zu wagen. 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