{"id":2488,"date":"2013-06-30T08:35:03","date_gmt":"2013-06-30T06:35:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=2488"},"modified":"2013-06-30T08:55:38","modified_gmt":"2013-06-30T06:55:38","slug":"bergrucken-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=2488","title":{"rendered":"Bergr\u00fccken II"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 12.0pt; line-height: 115%; font-family: 'Arial','sans-serif';\">Wanderungen in den achtziger Jahren sind Erlebnisse unter Bedingungen, die f\u00fcr viele Jugendliche und gar Kinder gar nicht mehr vorstellbar sind. Ohne Mobiltelefon. Keine schnellen Telefonate, nicht einmal eine SMS oder Mail. <\/span><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?attachment_id=2489\" rel=\"attachment wp-att-2489\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-large wp-image-2489\" title=\"Gebirgsbach\" src=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/IMG_0347-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"https:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/IMG_0347-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/IMG_0347-400x266.jpg 400w, https:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/IMG_0347-148x98.jpg 148w, https:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/IMG_0347-31x20.jpg 31w, https:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/IMG_0347-38x25.jpg 38w, https:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/IMG_0347-322x215.jpg 322w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12.0pt; line-height: 115%; font-family: 'Arial','sans-serif';\">Nicht jeder hat eine Kamera zur Hand, sondern nur einer und die nicht digital, sondern analog. Die Fotos konnte man erst nach dem Urlaub sehen, nicht sofort auf einem kleinen Bildschirm. Er referiert also \u00fcber ein Erlebnis, das ihm damals passierte. Gerade zw\u00f6lf Jahre alt geworden in jenem Jahr, durfte er mit ganz oben an den Berg. Das war damals eine gro\u00dfe Sache. Sie waren mit einer achtk\u00f6pfigen Gruppe zu einem Berg gewandert, die ersten H\u00f6henmeter hatten sie mit dem Lift zur\u00fcckgelegt. Damals gab es noch Lifte, in denen man stehen musste, zu zweit. Sie sahen aus wie Affenk\u00e4fige und wurden von den meisten Touristen auch so bezeichnet. Es ist f\u00fcr einige Menschen schon eine riesige \u00dcberwindung im Lift zu sitzen, aber auch noch zu stehen, dabei nur ein Gel\u00e4nder vor sich, nicht einmal hoch und ein paar Streben. Nicht gerade der Traum von Sicherheit. Aber aus unerfindlichen Gr\u00fcnden ist doch wohl niemandem je was Schlimmes passiert. Diese Gondeln konnte man im \u00dcbrigen sehr schnell zum Schaukeln bringen, ein riesiger Spa\u00df f\u00fcr Kinder, welche die Folgen nicht \u00fcberblicken k\u00f6nnen. An jedem dritten Pfosten hing denn auch ein Schild mit der Aufschrift<span style=\"mso-spacerun: yes;\">\u00a0 <\/span>\u201eVietato gondolare\u201c. Oben musste eine lange Wanderung dann folgen, bis es an den nackten Felsen ging. Jeder war gut ausgestattet, hatte einen Brustgurt mit Schlinge und zwei Karabinern, damit auch immer einer von beiden im Drahtseil oder der Stahlleiter h\u00e4ngen w\u00fcrde. So sollte an keiner Stelle der Zustand einer Nichtsicherung auftreten. Obwohl noch so jung, hatten alle Mitglieder der Gruppe eine gewisse Routine. Schon seit einigen Jahren traf sich die Gruppe aus insgesamt vier Familien zum gemeinsamen Wandern und Klettern. Die V\u00e4ter hatten aus Sorge um die Sicherheit irgendwann Gurte gekauft. F\u00fcr die damals noch \u00fcberall zu findenden Schneefelder hatte man sogar Eispickel und Spikes angeschafft. Eisfelder, die man heute kaum noch im Sommer kennt. Vielleicht sieht man sie weit abseits der \u00fcblichen Wander- und Kletterrouten in irgendwelchen schlecht zug\u00e4nglichen Schluchten. Der Klimawandel aber hatte seinen Tribut gefordert. Nicht nur die Gletscher in den Alpen gehen seit hundert Jahren immer weiter zur\u00fcck, sondern auch die tempor\u00e4ren Schneefelder haben inzwischen Seltenheitswert und es gibt schon Menschen, die dar\u00fcber nachdenken, die verbliebenen Stellen mit Planen sommers abzudecken, damit auch in Zukunft die Gebirgsb\u00e4che noch pl\u00e4tschern k\u00f6nnen. Die Spikes konnte man z\u00fcgig unter die doppelwandigen Lederwanderschuhe st\u00fclpen, deren einzige grundlegende Neuerung zu den Jahrzehnten zuvor war, dass sie noch schwerer waren und eine Glasfiberzwischensohle besa\u00dfen. Das sollte eine h\u00f6here Trittsicherheit erm\u00f6glichen. Normalerweise wurden zwei Paar Socken \u00fcber einander gezogen, damit man sich keine Blasen lief. Allein das Zuschn\u00fcren der Fu\u00dfbekleidung gestaltete sich dabei als fast schon rituelle Zeremonie. Dieses genau zu befolgende Verfahren h\u00e4tte sicherlich eher in die Riten der japanischen Samurai gepasst. Jeder Griff hatte zu sitzen, jede Bewegung wurde mit h\u00f6chster Konzentration durchgef\u00fchrt. Letztlich ging es darum, dass zumindest die n\u00e4chsten Stunden, die ersten Stunden der Wanderung, kein Stein den Weg ins Innere finden sollte. Denn der kleinste Br\u00f6sel konnte Ausl\u00f6ser f\u00fcr schlimmste Folgen sein. Verletzungen, schmerzhaft und gemein. Diese Wanderblasen, welche abends aufgestochen werden mussten und mit geheimen Salben behandelt, sorgten regelm\u00e4\u00dfig daf\u00fcr, dass die Kinder aus zwei der Familien dann den Rest der Woche nicht mehr mit wandern konnten. Ja, einer der Jungs verzichtete sogar ganz bewusst auf die Sonnencreme, mit dem damals fast schon wahnwitzig hohen Faktor 7, nur damit er einen Sonnenbrand kriegen w\u00fcrde, nur damit er nicht mehr wandern m\u00fcsse. Dass er damit gleichzeitig einen der schlimmsten Sonnenbr\u00e4nde heranz\u00fcchtete, die Herr Nipp in seinem Leben je gesehen hatte, war ihm vorher sicherlich nicht gewusst. Wenn die Haut dickrot aufschwemmt und Fieber die Folge ist sowie die absolute Unf\u00e4higkeit zu gehen, wegen der immensen Schmerzen, dann wei\u00df man, ein intelligentes Kind h\u00e4tte andere Wege gefunden, nicht mit zu wandern.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wanderungen in den achtziger Jahren sind Erlebnisse unter Bedingungen, die f\u00fcr viele Jugendliche und gar Kinder gar nicht mehr vorstellbar sind. Ohne Mobiltelefon. Keine schnellen Telefonate, nicht einmal eine SMS oder Mail. 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