{"id":2430,"date":"2013-06-19T20:25:07","date_gmt":"2013-06-19T18:25:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=2430"},"modified":"2013-06-18T14:05:23","modified_gmt":"2013-06-18T12:05:23","slug":"leises-leuchten-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=2430","title":{"rendered":"leises Leuchten II"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\">Das Essen an sich ist eine sch\u00f6ne Sache, vor allem wenn es lange dauert. \u00dcber einen ruhigen Zeitraum von mehreren Stunden werden die Dinge genossen, es geht dabei nicht um das Stillen eines wie auch immer gearteten Hungers, sondern um Appetit. Mal legt sich von diesem Teller, mal aus jener Sch\u00fcssel ein Teil auf das eigene Tablett. W\u00e4hrend eines gepflegten Gespr\u00e4chs, zwischendurch vielleicht unterbrochen von lautmalerischen gegenseitigen Best\u00e4tigungen der Koch- und Backk\u00fcnste. Tats\u00e4chlich empfundene innige Freundschaft, auch f\u00fcr Momente vielleicht nur. Aber eigentlich geht es dar\u00fcber hinaus, Respekt ist dann das richtige Wort, oder Zuneigung. Ganz anders als bei den sogenannten Junggesellenessen, die doch meist nur im Stehen stattfinden. In der K\u00fcche werden einige schmackhafte Kleinigkeiten zusammengezaubert und in Abwesenheit eines Gegen\u00fcbers, braucht es dann keiner Tischmanieren, alldieweil der sowieso gef\u00fcllt ist von der Schreibtischarbeit. Und wer w\u00fcrde schon nur f\u00fcr sich alles abr\u00e4umen, was sich dort ganz praktisch eingefunden hat. Nur um zu essen. Zu zweit w\u00e4re das schon wieder ganz anders. Schon allein dem Anderen in die Augen zu sehen und in diesen Augen zu versinken, die gleich ganze Sonnensysteme in sich bergen. Schwarze L\u00f6cher. Black hole sun, hatte vor einigen Jahren, ja Jahrzehnten Soundgarden intoniert und Herrn Nipp in eben dieser Heftigkeit eines m\u00e4chtigen Sogs, dem niemand widerstehen kann, immer wieder umgehauen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/IMG_48591.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-large wp-image-16111\" title=\"Fassbrause\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/IMG_48591-682x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"456\" height=\"684\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Nachdem die Grillfackeln, welche wahrscheinlich niemand mehr gegessen h\u00e4tte, nun allerdings in Flammen und dem entsprechend nach Grillen riechendem Rauch aufgegangen sind, widmet sich die Gruppe junger Menschen und eines \u00e4lteren Herrn nun verst\u00e4rkt den Getr\u00e4nken. Auch die haben ihre ganz eigenen Qualit\u00e4ten. Es wird \u00fcber die letztj\u00e4hrigen Entwicklungen auf dem Gebiet der Fassbrausen philosophiert. Nicht ganz ernst gemeint, aber durchaus ernsthaft artikuliert. Ja, diskutiert. Diese Form der Kommunikation, die um sich selber wei\u00df, ist vielleicht der wichtigste Baustein im Erkennen gegenseitiger Wertsch\u00e4tzung. Wer mit welcher Kreation nun zuerst auf dem Markt war und warum die andere Marke immer so schnell nachzieht. Vor einigen Jahren h\u00e4tte man nicht einmal glauben m\u00f6gen, dass diese seltsam halbs\u00fc\u00dfen Getr\u00e4nke \u00fcberhaupt eine Chance am Markt gehabt h\u00e4tten. Der Name macht es und satte Werbung, selbstverst\u00e4ndlich. Daran haben wir uns gew\u00f6hnt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Nun wird auch die Tonne, ein abgeschnittenes \u00d6lfass, herangeholt, wie in der Bronx kommen sich die Anwesenden ein bisschen vor. Nur, dass sie nicht frieren und stehen, sondern ganz gem\u00fctlich auf der alten Gartenbank den quietschvioletten St\u00fchlen sitzen. Der Abend zeigt die ganze Wonne der Fr\u00fchsommerw\u00e4rme.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Herr Nipp hatte in den letzten Tagen s\u00e4mtliche H\u00f6lzer aus Garten und Keller zusammengetragen und mit einer Stichs\u00e4ge in handliche St\u00fccke zerkleinert, die k\u00f6nnen nun endlich ihrer eigentlichen Bestimmung zugef\u00fchrt werden. Sie lodern herrlich, obwohl wahrscheinlich die meiste Energie l\u00e4ngst aus ihnen gewichen ist. Dauerhafte Feuchtigkeit und das Lagern im Regen sind f\u00fcr jedes Holz auf Dauer sch\u00e4dlich. Vor allem, wenn es sich um Fichte handelt. Einige Tage Sonne und trockene Lagerung haben die \u00e4u\u00dferliche N\u00e4sse v\u00f6llig verschwinden lassen. Ein Schuss Spiritus gen\u00fcgt und alles geht in wonnevolle Flammen auf. Es spritzt und knackt und springt. Zwischendurch landet auch ein St\u00fcck Glut auf Herrn Nipps Fu\u00df und hinterl\u00e4sst dort einen roten Fleck. Dass es schmerzt ist logisch, aber alles wird abgemildert doch den andauernden Genuss gut dekantierten Rotweins. Immer wieder schlagen die Flammen hoch, verf\u00e4rben das Fass von au\u00dfen in stetig neuen Nuancen. Immer wieder wird nachgelegt. Das ist wahrer Luxus, abends am Lagerfeuer zu sitzen, zu wissen, zu genie\u00dfen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Gegen viertel nach zw\u00f6lf fallen Herrn Nipp zum ersten Mal ganz in sich versunken, den Gedanken nachsp\u00fcrend, die Augen zu. Mit dem Kopfwegnicken schrickt er auf, beteiligt sich noch an dem leisen Gespr\u00e4ch. Die vorher laute Mitgr\u00f6lparty in der Nachbarschaft ist abgeebbt. Aus dem Fenster oben stehlen sich noch manchmal verhaltene Stimmen in den Hof. Die Sterne leuchten und jemand sieht wohl auch eine Sternschnuppe. \u201e\u2026wann kommen die Schw\u00e4rme?&#8230;\u201c lange Pause \u201e na, irgendwann Anfang August\u2026\u201c Immer wieder schlummert er ein, nimmt Gespr\u00e4chsfetzen wahr und wundert sich, als irgendwann zum Aufbruch geblasen wird. Pl\u00f6tzlich r\u00e4umen alle ganz schnell auf, um kurz vor eins ist der Spuk vorbei. Herr Nipp bleibt mal direkt oben, schnell noch die Z\u00e4hne geputzt und dann f\u00e4llt er auch schon ins Bett, ist schnell in anderen Gefilden. Als er um halb drei erwacht und aus dem Fenster schaut, muss er feststellen, dass sie vergessen haben, das Feuer zu l\u00f6schen. Aus dem Garten l\u00e4chelt ihn milde ein orangefarbenes Auge an, leise leuchtend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Essen an sich ist eine sch\u00f6ne Sache, vor allem wenn es lange dauert. \u00dcber einen ruhigen Zeitraum von mehreren Stunden werden die Dinge genossen, es geht dabei nicht um das Stillen eines wie auch immer gearteten Hungers, sondern um &hellip; <a href=\"https:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=2430\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2430","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2430","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2430"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2430\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2433,"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2430\/revisions\/2433"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2430"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2430"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2430"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}