{"id":196,"date":"2012-04-30T07:01:44","date_gmt":"2012-04-30T05:01:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?page_id=196"},"modified":"2018-07-04T07:33:40","modified_gmt":"2018-07-04T05:33:40","slug":"tagebucheintrage","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.herr-nipp.de\/?page_id=196","title":{"rendered":"1991 bis 2000"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li>23.12.2000 &#8211; Idiot<br \/>\nMach mich nicht zum Idioten, auch ich hab Gedanken und Gef\u00fchle, eine Geschichte, die durchzuw\u00fchlen war. Vielleicht unverst\u00e4ndlich f\u00fcr dich, so wie deine f\u00fcr mich.<\/li>\n<li>22.12.2000 &#8211; Sagen<br \/>\nIch wei\u00df nicht, was damit gesagt ist, ich wei\u00df nicht, was damit gesagt ist, ich wei\u00df nicht, was damit gesagt ist. Ist was gesagt?<\/li>\n<li>03.12.2000 &#8211; Starre<br \/>\nIm Sichabwenden auch keine Befriedigung finden. Im Schweigen Ruhe nicht finden. Im Lachen keine Freude sehen. Wie ein Eisblock im Gefrierfach, starr.<\/li>\n<li>23.11.2000 -Sprachgitter<br \/>\nIch kann einfach nicht alles ignorieren. Auch wenn die Grenzen zu akzeptieren sind. Warum? Jeder sagt etwas anderes und verlangt auch noch, da\u00df zugeh\u00f6rt wird. Ein unentwirrbares, undurchdringliches Sprachgitter.<\/li>\n<li>19.10.2000 &#8211; Nebel<br \/>\nIn Angst und Schrecken gelebt, da\u00df die im Nebel nicht heile angekommen w\u00e4ren.<\/li>\n<li>19.06.2000 &#8211; Herz<br \/>\nSchlag f\u00fcr Schlag rennt das Herz durchs Leben. Als w\u00e4re das nichts. Manchmal, zum falschen Zeitpunkt, bleibt es stehen.<\/li>\n<li>20.04.2000 -Popel<br \/>\nDer Eichenholzstaub in der Nase und der Eichenbl\u00e4tterkranz im Hirn machen braune Popel. Dunkelbraun.<\/li>\n<li>06.03.2000 -F\u00fcllraum<br \/>\nDie Frage betrifft mich und dich, mein Selbstverst\u00e4ndnis des Lebens und Aus\u00fcbung einer wie auch immer freien Vorstellung von Kunst. Ein Gedanke ist oft nicht vielmehr als eine abgestumpfte Statistik?Warum m\u00fcssen au\u00dferdem in der darunterliegenden Wohnung Fernseher so laut dr\u00f6hnen?Nur die H\u00e4lfte des F\u00fcllraums ist \u00fcbrig geblieben. Der Lehrer sagte, du schreibst so lange, bis alles, aber auch wirklich alles restlos aufgebraucht ist. Aber ich bin so unendlich m\u00fcde, antwortete der ungehorsame Sch\u00fcler und handelte sich damit eine schallende Ohrfeige ein, die er auch sicherlich vortrefflich verdient hatte. Der Erwachsene bestimmt. Was ist lehrenswert, was nicht? Enth\u00e4lt etwas, etwas oder nicht? Armer Sch\u00fcler, Kreatur, du mu\u00dft dich f\u00fcgen. Irgendwelche Leute kommen herein und bestimmen \u00fcber dich. Aber la\u00df dir bitte deine Gedanken und die W\u00fcrde nicht nehmen. Autos rauschen auch vorbei.<\/li>\n<li>03.02.2000 &#8211; Dokumentation<br \/>\nWas Leute alles erlebt haben wollen! Ist es wirklich das Erlebnis, das z\u00e4hlt, oder ist es das Hinterherdar\u00fcberredenk\u00f6nnen? M\u00f6glichst in einer abgefuckten Talkshow? Haha, da haben wir mal wieder betroffen die K\u00f6pfe aneinander gehauen und mitten rein getroffen. Es scheint wirklich wichtig zu sein, das Erlebte, sei es noch so langweilig, platt und unwichtig, schwachsinnig, m\u00f6glichst breittretend zu verarbeiten. Witzig die Ichbineinperverserouter, die jeden dritten Tag ein neues, noch so abgenudeltes Laster erfinden, von dem sie glauben, sie k\u00f6nnten telegut und interessantzugeldmachbar sein. Heute im Angebot: \u201eGummifetisch mit Echthaareins\u00e4tzen, Hundeficken auf dem Schlachthof und ein geiler, au\u00dferirdischer Afterlecker.\u201c\u00a0\u00a0 Prima, ja prima und Einschaltquote.Und welche Ruhe einer l\u00e4ngeren Reportage, ich vermi\u00df sie meist.<\/li>\n<li>12.12.1999 &#8211; Futter<br \/>\nDie h\u00e4\u00dflich freche Finkenbrut kommt wieder und pl\u00fcndert letzte Reste Futter. Immer heftig, immer streitig und immer aufmerksam.<\/li>\n<li>10.11.1999 &#8211; Farbe Struktur<br \/>\nAllm\u00e4hlicher Verlust der \u00dcbersichtlichkeit durch st\u00e4ndige \u00dcberlagerung verschiedener Farbkomponenten, allm\u00e4hliche Zerst\u00f6rung einer \u00dcbersichtlichkeit durch Vermengen der Strukturen, relativer Farb- und Formenkauderwelsch zwecks Erreichung eines Verst\u00e4ndnisses.<\/li>\n<li>03.11.1999 &#8211; Sein<br \/>\nHab wohl im Moment den \u00dcberblick verloren, einen Moment den \u00dcberblick verloren. Nicht wissend, wo der, oh, gar wie ich stehe. Wo ist der Boden oder wo m\u00fc\u00dfte er eigentlich sein und immer ein gewesen war. Scheint gleich Treibsand zu umschlie\u00dfen, mich zu w\u00fcrgen, droht zu sticken, zuviel Raum, Raumproblem, kontrastives, nein konstruktives ist von mir jetzt nicht zu erwarten. So, abschlie\u00dfend noch der er\u00f6ffnende Istmomentanegal, vor dir eine Form im Raum, nein, auch das bin ich nicht. Auch wenn man mich darin entdecken k\u00f6nnte, sollte man, und im Speziellen, solltest du es nicht versuchen. So etwas hat meist fatale Folgen, folgen, folgt mir, und so weiter, weiter. Nein, nicht sein, schreien sollst du, sauf, friss, hur herum. Nach f\u00fcnf, zehn, zwanzig Jahren bist du ausgebrannt und das ist gut so, denn du hast dann wenigstens nichts davon, aber viel davon gehabt. Geld ist egal und vor die Hunde gegangen ist die Welt ja sowieso. Ein einziger Schein, orthodoxe und so, Christenmenschen, ohne es zu merken, da\u00df sie l\u00e4ngst verloren haben. Die gute alte Ohihrs\u00fcnderpredigt in den Kirchenmauern h\u00f6rt ja keiner mehr, wer auch. Und lass dir nicht von br\u00fcderlichem und so einem\u00a0Verhalten erz\u00e4hlen, vergiss es, sie wollen nur deine Seele, oder glauben zumindest immer noch, dass es sie gibt.Wieder sch\u00f6n brav gewesen und befolgt, was aufgetragen wurde. Ha, eine halbe Stunde warten, Weile redet Sinn und das was andere daf\u00fcr halten oder zumindest so zu tun scheinen.Sch\u00f6n, hier also steh ich auf dem h\u00f6lzernen Boden. Kleine Sinnlosigkeiten in mich rein. Ich bin mir mein immer wieder gleiches Ding, da\u00df es, oh nein schon wieder overgeturnt. Nicht wirklich aber der herzergreifend einfachste Weg.Von keiner dieser seltsamen Musen gek\u00fc\u00dft. Lieber hart und wie so oft verzweifelt. Die \u00c4u\u00dferlichkeiten lassen wir mal au\u00dfen vor oder nicht? Daran gearbeitet zu haben, zu haben. Daran gearbeitet zu haben, ist so und trotzdem sch\u00f6n und durchsichtig geblieben.<\/li>\n<li>01.09.1999 &#8211; Wasser<br \/>\nEs gibt einfach Situationen, nach zuviel getrunkenen Alkoholrationen etwa, da ist kaltes, nicht k\u00fchles Wasser\u00a0 im Gesicht eine der gr\u00f6\u00dften Menschheitserfindungen<\/li>\n<li>30.07.1999 &#8211; Festhalten<br \/>\nMan kann nur versuchen, das Beobachtete in eine Form zu bringen und festzuhalten. Dazu braucht es nicht unbedingt langer Texte. Oft ist das kurzknapppr\u00e4zise viel angenehmer. Verdaulich.W\u00fcrde man versuchen das Miristschlecht in einem f\u00fcnfzehnseitigen Essay zu umschreiben, einzupacken, eine lyrische Tiefe zu geben? Da\u00df es allerdings grunds\u00e4tzlich falsch sei, einen l\u00e4ngeren Text zu schreiben, kann nicht best\u00e4tigt werden, es kann von Zeit zu Zeit sogar ganz wichtig und n\u00fctzlich sein, durchaus hilfreich sich der eigenen Gedanken und Einstellungen, Ideen bewu\u00dft zu werden, sie vor Augen im w\u00f6rtlichen Sinne zu f\u00fchren. Wie ein kl\u00e4rendes Mitsichselberzwiegespr\u00e4ch. Tschuldigung, Monolog. Aber lange Texte, Romane, B\u00fccher und Programme, alles was auf diesem Gebiet im Angebot steht, und das ist keineswegs eine angenehme, nein, eher peinlich anr\u00fchrende Seite, die Gefahr, M\u00f6glich-, N\u00f6tig(?)keit in sich, eine simple Reihung von Geschehnissen, Anekdoten und Einf\u00e4llen zu sein, die durch eine stattliche Anzahl nicht oder wenig sagender F\u00fclls\u00e4tze miteinander verbunden , ein simples Mosaik darstellend, ohne das Gef\u00fcge und den Zusammenhalt eines Gem\u00e4ldes zu erreichen?<\/li>\n<li>23.04.1999 &#8211; Geschmack<br \/>\nLangsam finden die Geschmacksnerven ihr gesundes Mittelma\u00df.<\/li>\n<li>20.04.1999 -Herrschaft der K\u00f6pfe<br \/>\nVielleicht bin ich es ja, der gro\u00dfe Angst hat, vielleicht du. Diese Gesellschaft, gegr\u00fcndet auf\u00a0 den zigmillionen Toten der zwei gro\u00dfen Kriege. Unsere Ahnen und Verwandten waren M\u00f6rder, die Schweiger noch immer. Brutal und ohne Gnade. Sie wollten leben, nein, sie wollten Macht und Herrschaft und wollen sie immer noch und wieder.Die Herrschaft unserer K\u00f6pfe und Gedanken.<\/li>\n<li>15.04.1999 &#8211; Arroganz<br \/>\nIch hoffe, ich bin nicht abergl\u00e4ubisch. Nicht abergl\u00e4ubisch bin ich, aber arrogant. Eine Arroganz, die zu Pferde reitet, hoff\u00e4rtig und geschmacklos edel. Bitte vorsichtig, eine der Pistolen ist geladen. Appetitliche Gebirgelandschaft. Und bl\u00f6des Knacken im Nacken bei jeder schwerf\u00e4llig m\u00fcden Wendung. Vor Augen eine Schar Menschen , ungewaschen und zerlumpt. Zumindest in meiner Intriganz. Geht zur\u00fcck, geht zu r\u00fccksichtslosen Taten \u00fcber! Ich sitze so in der Sonne und verbrenne von innen nach au\u00dfen. Es ist kalt. Dieses sandige Knacken bei jeder Drehung. Ein Fahrstuhl, der in die Tiefe f\u00fchrt. Niemand wei\u00df genau wohin. Die F\u00e4rbung des Lichts ver\u00e4ndert sich irgendwie. Da ist sie wieder, meine Arroganz.<\/li>\n<li>20.03.1999 &#8211; Nachtspaziergang<br \/>\nTr\u00e4nen auf deinen Wangen und ein Hauch von Duft im Atem. Hinter mir Autolichter, die langsam folgen und einreden, ich m\u00fcsse laufen. Ich weigere mich strikt. Nein, das nicht, nicht diesmal. Du wirst wohl schlie\u00dflich gewinnen. Heute Abend mu\u00df ich was essen. Die Tr\u00e4nen ersticken und das innere Leersein f\u00fcllen mit Gef\u00fchlen und Liebe. Der Glaube ist ein Kult, den ich nicht zu verstehen wage.<\/li>\n<li>15.03.1999 &#8211; Hintergrundfernseher<br \/>\nDie Schwierigkeit, sich auf einen Text zu konzentrieren, ist, die vielen W\u00f6rter und Gedankenverstrickungen in eine lesbare Reihe zu bringen. Was da oben ist, was ich nicht kenne. Wer mag das in Reihen fassen. Wer will ihn b\u00e4ndigen?Wenn er sich entscheidet, sich zu erkennen zu geben, k\u00f6nnte er ihn und andere&#8230; Er k\u00f6nnte sie t\u00f6ten oder einfach \u00fcber das Leben hinweggehen, wie andere \u00fcber den See. Und wer will noch? Und wer ist Tot? Und gib mir Leben.<\/li>\n<li>27.02.1999 &#8211; Friedhofsbesuch<br \/>\nEine Rose und tr\u00e4nende Augen. Das Glas schmerzt in den H\u00e4nden.<\/li>\n<li>27.01.1999 &#8211; Widmung<br \/>\nIrgendwelchen, irgendwann, irgendetwas widmen m\u00f6chte, kann ich nicht. Einem oder einer Bestimmten zur richtigen Zeit das Angebrachte aus tiefstem Herzen.<\/li>\n<li>25.01.1999 &#8211; Der intensive Gebrauch nur weniger Stunden, Schmerzen.<br \/>\nAlles schmerzt in heiligverz\u00fcckter L\u00e4hmung und doch dieses zuckers\u00fc\u00dfe Gef\u00fchl von Sex, purer Hingabe, dem K\u00f6rperlichen. Sexismus, nein. Aber purer Sex. Mu\u00df mal sein, das Ausleben deiner Triebe, gegen die Eint\u00f6nigkeit und Starrheit, gegen selbst- und fremddiktierte Konventionen. Das sollte nie zu kurz kommen. Diese Triebe helfen, sich besser kennenzulernen. Also mal wieder Regeln aufgestellt und verwissenschaftlicht, in den allgemeinen Kanon eingef\u00fcgt.<\/li>\n<li>30.12.1998 -Vorsilvester<br \/>\nDie holde Weihnachtswerbezeit ist jetzt vorbei. Morgen kommen die Sylvesterkracher, insgesamt wird es wohl eine Woche dauern und viele abgerissene Finger kosten.Dann kommen Ende Januar die Osterfressartikel.<\/li>\n<li>25.12.1998 -Weihnacht<br \/>\nAber was hast du? Ich dachte, es w\u00e4re immer noch meine Heimat. Die haben dich ganz sch\u00f6n zusammengeschossen.Vorsicht, helft mir mit dem Wagen&#8230;ora omni pro nobis? Aber die da war an. Oh ja. &#8211; mea culpa, l\u00e4cherlich.<\/li>\n<li>14.12.1998 -Vorweihnachtszeit<br \/>\nNoch nicht Weihnachten und schon w\u00fcnschte ich, es w\u00e4re alles vorbei. Wie ich die Werbekonsumzeit der inneren \u00c4u\u00dferlichkeit nicht mag. Schon fast verabscheue ich sie. Mitteleurop\u00e4ische Ger<em>man<\/em>enverarschung. Ach nein, jetzt aber bitte nicht auch noch den rechten Moralapostel rauskehren.<\/li>\n<li>28.03.1998 &#8211; Stein<a href=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?attachment_id=207\" rel=\"attachment wp-att-207\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"IMG_5194\" src=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/IMG_5194-400x266.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"266\" \/><\/a><br \/>\nStein sein in einer Treibsandw\u00fcste<br \/>\nAbsinken zum nicht Sichtbaren<br \/>\nunbemerkbaren Fundament werden<br \/>\numflossen und eingebettet in Unw\u00e4gbarkeiten.<\/li>\n<li>01.01.1998 &#8211; Betrunkene Neujahrs &#8211; ja &#8211; wort &#8211; gedankenflut.<br \/>\nNicht auszuhalten. Hundertf\u00fcnfundzwanzigsmarktaxifahrt auf glattgefrorenen Wegen. Die Party war durchschnittlichaberwirsindgutdraufundschauspieler. Alles anders und Streitereien sind belanglos. Gepl\u00e4nkel \u00fcber Freunde. Gel\u00e4ster \u00fcber Bekannte. Ein Allt\u00e4glichzusammenkeitsbild. Sch\u00f6ne Neujahrseinwegbescherlichkeit. Ja, aber, nein, nicht aber, sondern so.<\/li>\n<li>16.09.1997 &#8211; \u00dcberm\u00fcdet<br \/>\nDer Punkt, an dem ich schlafen wollte, konnte und h\u00e4tte sollen, ist vorbei. Dieses seltsame Gef\u00fchl der \u00dcbern\u00e4chtigung. \u00dcberm\u00e4chtig war der Bruder Schlaf dann doch wohl nicht, nur ihn zu besiegen, nicht aufzugeben, H\u00e4rte und Unnachgiebigkeit gegen sich selbst zu zeigen, l\u00e4cherlich. Drau\u00dfen h\u00f6rt man langsam die Autos der Discokids heimkehren. Man war unter Leuten, hat getanzt, gelacht, getrunken. Die Pillen sind alle geschluckt und keiner hatte mehr was zum Nachschieben, der Chillout brachte es auch nicht mehr, noch rumgebaggert, alles ent- oder weder. Hat die Sorgen und kleinen N\u00f6te vergessen.<br \/>\nEine Einladung heute wurde ausgeschlagen. Einfach mal Ruhe haben wollen. Ein paar Dinge kl\u00fcngeln, sich Zeit lassen f\u00fcr Unwichtigkeiten und Eingelulle. Die Zeit raste wieder vorbei, immer streng linear. Eine Stunde nach der anderen. Die Ohren sausen schon seit Stunden und die Augen haben aufgegeben zu tr\u00e4nen. Man h\u00e4lt sich noch an Kleinigkeiten fest, um sich nicht selbst und uns zu vergessen.Oben wartet wieder mal ein vorgew\u00e4rmtes Bett und der Kamin hier flackert so sch\u00f6n.<\/li>\n<li>15.09.1997 -Leben<br \/>\nDas starke Gef\u00fchl, meine eigenen Entscheidungen zu treffen, h\u00e4lt mich vielleicht am Leben. T\u00e4glich t\u00f6tet mich die Fremdverantwortung. T\u00e4glich t\u00f6tet mich die Fremdentscheidung.<\/li>\n<li>25.05.1997 &#8211; Ein sch\u00f6ner Tag<br \/>\nSobald du erkennst, ob das, was ist, wirklich scheint, scheint das Leben reicher und leichter zu werden, reicher und leichter Schein. Lebensschein, Reichtum und Leichtsinn. Losigkeit in Schein, Sein, Sinn. Wirklich sinnvoll das Ganze. Sein wir reich. Du kannst alles durchstehen, wenn es wirklich auf dich einwirken kann, Du es dazu kommen l\u00e4\u00dft. Der Krieg wird nie vorbei sein. Und wieder Schein, Widerschein, ein Schein in der Hand, Stand. Krieg und Sinn? Du kannst alles durchstehen, wenn Du verstehen, einstehen, einsehen und durchschauen kannst. Sinnlos, vergiss es. Ein sch\u00f6ner Tag heute Nacht. Ein Wiederaufschein Widerschein Wiederschein, wieder schrein Leute unten an der Ecke.<\/li>\n<li>22.01.1997 &#8211; Bei Kerzenlicht<br \/>\nIm Esszimmer h\u00e4ngt nur eine nackte Birne an der Strippe. Sie verbreitet ein angenehm ehrliches Licht. Die Gesichter wirken, wie sie sind, m\u00fcde oder einfach belanglos. Selbst die gut geschminkten sehen aus, als k\u00f6nne man die Haut unter der Paste erkennen. Schon nach einer Viertelstunde mu\u00df die Lampe gel\u00f6scht werden. Kerzen leisten leise qualmend die schwere Arbeit, das zu verdecken, was keiner sehen soll und will. Ein munterer Ess- und Spielabend von so netten, nat\u00fcrlichen Leuten.<\/li>\n<li>06.01.1997 &#8211; Romantik<br \/>\nDie zwei m\u00f6glichen Seiten sind einerseits Hausfrauenromantisierung von gro\u00dfen K\u00fcnstlern und jenen, die dazu\u00a0 aufgebauscht werden und andererseits kritische Auseinandersetzung. Das Ignorieren sei hier beiseite gestellt.<\/li>\n<li>24.12.1996 &#8211; Vorstellungsgespr\u00e4ch bei meiner Sterbestunde<br \/>\nSie sa\u00df hinter dem Schreibtisch und sagte nichts. Wie eine gro\u00dfe unantastbare Lethargie. \u201eEntschuldigung, sie hatten mich gerufen, kann ich ihnen helfen, was wollen sie?\u201c Ich starrte sie unentwegt an, ohne wirklich etwas Reelles erkennen zu k\u00f6nnen. Begreifen, eine der schwersten \u00dcbungen. Sie schrie mir Schweigen in den Kopf und s\u00e4mtliche Gliederungen.<\/li>\n<li>16.12.1996 &#8211; \u00dcber B\u00fccher<br \/>\nViele sch\u00f6ne Sachen, grandiose Arbeiten sind dabei herausgekommen, aber das wird ihm vorgeworfen, sich selbst zum blo\u00dfen Illustrator zu degradieren. Lieber kein Buch machen, als st\u00e4ndig und immer wieder anderer Leute Texte zu klauen. Der Unterschied zwischen Machen und Sichbedienen ist wie beim Kulturschaffenden und Kulturtr\u00e4ger. Der eine tr\u00e4gt das, was Kultur hervorgebracht hat, er bewahrt, h\u00e4lt instand und sorgt daf\u00fcr, dass etwas nicht in Vergessenheit ger\u00e4t, der andere baut durch seine Sozialisation auf die Kultur seinen Ichmitmirundderwelttempel. Nicht immer begreifbar, aber immer unausstehlich. Das Buch ist nicht so dahingemacht, in die Ecke gepisst, es ist gesponnen, verwebt und nicht vorverdaut, vielleicht aber vorlaut, vorwitzig und nicht gerecht. Kein Illustrator ist er, sondern selbst er.<\/li>\n<li>13.12.1996 &#8211; \u00dcber die Unverst\u00e4ndnisse<br \/>\nDas mu\u00dfte wohl etwas mit h\u00f6herer Mathematik zu tun haben. Oder Physik?<a href=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?attachment_id=206\" rel=\"attachment wp-att-206\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"IMG_9436\" src=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/IMG_9436-400x266.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"266\" \/><\/a>Es waren nat\u00fcrlich f\u00fcr normal unverst\u00e4ndlich ein paar Zahlen. Irgendwelche Zahlen, Reihen und Formeln. Jonglagen f\u00fcr Fachidioten, solche die sich mit Stolz daf\u00fcr halten oder es einfach noch werden wollen. Das Bild, welches entstand, war unverst\u00e4ndlich sch\u00f6n. Nur f\u00fcr solche Bilder w\u00fcrde es sich lohnen Mathematik zu studieren oder zumindest verstehen zu lernen. Es entwickelte eine eigenst\u00e4ndige ganz ungek\u00fcnstelte \u00c4sthetik, einen z\u00e4nkisch liebevollen Widerstreit in sich. Zahlenreihen und Kolonnen, die adrett geordnet, scheint man aus schulisch ekelhaft verbr\u00e4mten Zeiten nicht aus den Kopf und Magen zu verlieren, ein unanst\u00e4ndiger W\u00fcrgereiz. Doch diesmal was anderes. Zeichen und hunderte von Verweispfeilen lassen einem Augen tanzen und beschwirren die Sehnerven, irrer Tango unaussprechlich bl\u00f6dsinnig verflucht noch mal geil. Ein Vergessen, da\u00df es auch noch andere Sachen gibt, die vonzeiten durchaus wichtig, f\u00fcr Momente.<\/li>\n<li>06.11.1996 &#8211; So nicht<br \/>\nUnd sei auf der Hut vor Leuten, die dir von Labyrinthen schw\u00e4rmen, diese mal so hinwerfen, Wegweiser erfinden. Sie haben sicherlich noch nichts begriffen, nicht was sie da tun, nicht was das \u00fcberhaupt ist oder aussagt.Sie haben keine Vorstellung von Mysterium, Meditation, Schrecken und Angst. Sie hocken in ihrem scheinbar sachlichen Kasten, scheinbar antib\u00fcrgerlicher Weltanschauung.Nimmst du einem Choral das letzte Wort, bleibt nichts als f\u00fcrchte dich.<\/li>\n<li>20.08.1996 &#8211; Der letzte Tag.<br \/>\nUnd du hast wie immer gut geschmeckt.<\/li>\n<li>12.07.1996 &#8211; Aushalten<br \/>\nWie k\u00f6nnte ich in meiner egozentrischen Selbstverliebtheit dieses Land hassen, das mich hervorgebracht hat? Ich mag nur seine Geschichte nicht und mu\u00df doch dazu stehen. Diese Vergangenheit hat uns einer Verantwortung ausgesetzt, die scheinbar nicht jeder versucht zu verstehen. Begreifen kann sie keiner. Ich darf uns nicht vergessen.<\/li>\n<li>13.07.1995 &#8211; Bewegung<br \/>\nIn Bewegung. Ich kam in Bewegungen, die nicht voraussehbar waren. Ich hab mich verloren.<\/li>\n<li>11.07.1995 &#8211; wahrnehmen<br \/>\nIm Vorbeigehen gerade noch wahrgenommen. Bevor es aus den Augenwinkeln verschwand.<\/li>\n<li>10.06.1995 &#8211; Striche<br \/>\nAugenblicke absoluter Vertiefung. Wenn Raum und\u00a0 Zeitverh\u00e4ltnisse schwinden. Minuten zu kilometerweiten R\u00e4umen werden. Und jeder Zentimeter Zeit von Generationen mi\u00dft. Jeder Strich birgt tausend Gedanken. Nie l\u00e4sst er sie frei.<\/li>\n<li>03.01.1995 -Vom Gl\u00fcck<br \/>\nDie Texte der L\u00fcgner sind oft besser als die derjenigen, die wirklich etwas f\u00fchlen. Der eine f\u00fchlt und kann es nicht objektiv ausdr\u00fccken oder beschreiben, der andere schreibt f\u00fcr jeden verst\u00e4ndlich, was er gerne f\u00fchlen w\u00fcrde, aber nicht imstande dazu ist. Eine gef\u00fchlvoll-theoretische Abhandlung einer Vorstellung. Zum Gl\u00fcck weigere ich mich zu schreiben.<\/li>\n<li>23.12.1994 &#8211; Sehen h\u00f6ren f\u00fchlen<br \/>\nIch bin ein Blinder, der nachts den Weg besser findet als tags\u00fcber. Nachts ist der Gro\u00dfteil an Leuten im Haus, keiner st\u00f6rt und der Blinde kann seinen Weg straight on gehen.In bin ein Tauber, der seine Musik nicht h\u00f6rt, sie in sich tr\u00e4gt und t\u00e4glich neu gestaltet, komponiert. Kein Ger\u00e4usch kann st\u00f6ren beim Leben der inneren Symphonien.Ich bin ein Lahmer und jede Bewegung ist ein Erlebnis.<\/li>\n<li>10.12.1994 &#8211; Zimmer<br \/>\nBuch, Blatt, Schein, Kiste, Tisch, Flasche, Diskette, Brille, Stift, Tastatur, Glas, Heft, Schublade, Matratze, Adresse, Stuhl, Kasten, Holz, Teppich, Nadel, Schatten, Strich, Blechdose, Klebestreifen, Kupferplatte, Lampe, Monitor, Draht, Dia, Kamera, Scharnier, Deodorant, Schallplatte, Tisch, Drucker, Locher, F\u00fcller, Pfennig, Lineal ideales Schlafzimmer<\/li>\n<li>23.11.1994 &#8211; zeichnen<br \/>\nAuf dem Boden eine Kiste, in der Kiste hunderte von bezeichneten Bl\u00e4ttern fein s\u00e4uberlich \u00fcbereinandergestapelt. Auf dem Boden sechs oder sieben Bl\u00e4tter, daneben ein Bleistift, Tusche und eine Feder, Martin zeichnet wieder<\/li>\n<li>18.11.1994 &#8211; Gasflamme, Freund beobachten<br \/>\nEin schmaler Spalt Fenster gibt Ausblick auf den dunkelgraublauen Nachthimmel und einige \u00c4ste. Er steht auf der Treppe. Der Rausch ist verflogen. Es bleibt ein fahler Geschmack und dieses Gef\u00fchl, da ist etwas gewesen. Er versucht seine H\u00e4nde zu sehen, aber die stecken in seiner Hose. Die Finger legen langsam ihre Taubheit ab. Vorsichtig, kein Knacken soll ihm sich selbst verraten, steigt er Stufe um Schritt zur oberen Etage. Es ist ein wenig kalt. Die Ohren nehmen Ger\u00e4usche in sich auf und verst\u00e4rken sie zu einem unentwirrbaren Summen. Das also sucht er, denkt er, die Stille. Die Haare sind wirrkopfphantastisch in alle Richtungen gedreht. Jedes Haar ist f\u00fchlbar f\u00fcr sich. Der beige Rollkragen Pullover aus Schurwolle kratzt an und in jeder Pore seiner darunter unbedeckten Haut. Da oben sind auch irgendwo Sterne. Ein Wattebausch ist wie ein Stein gegen das was er gef\u00fchlt hat. Die Treppe knarkt doch so vor sich hin und jeder Schritt ein Abenteuer. \u201eVerfluchte Schei\u00dfe\u201c st\u00f6\u00dft er sich den gro\u00dfen Zeh an dem Gel\u00e4nder. Die H\u00e4nde gleiten aus den Taschen seiner braunen Wildlederhose. Er muss ganz pl\u00f6tzlich an diese langweiligen und von den meisten wohl auch \u00fcberschlagenen Landschaftsbeschreibungen aus l\u00e4ngst vergessen geglaubten Karl May Romanen denken. B\u00fccher, eine, seine Welt in die er sich immer wieder berauschend fl\u00fcchtet. Alles, die ganze Welt kann da zu F\u00fc\u00dfen liegen. Oben schaltet er das Licht im Zimmer erst nach Minuten an, um das Fu\u00dfbodenchaos nicht sehen zu m\u00fcssen. Die letztendliche \u00dcberwindung muss ihn dahin f\u00fchren aufzur\u00e4umen. Der Sohn, der Kaminbesitzer und der Geschichtentr\u00e4umer. Jedes Teil hat seinen Platz. Im Regal, im Kleiderschrank, selbst und stolz wie Oskar restauriert, \u201edas ist mein.\u201cDer Mund widersetzt sich jeder kalkulierten Unterdr\u00fcckung, er rei\u00dft sich sperrangelf\u00fcrchterbar auf und g\u00e4hnt. Schlechter Tabakatem l\u00e4sst den selben stocken, schnell aufs Klo und Z\u00e4hne putzen. Ein Pickel unter der Zunge schmerzt schon seit Tagen. Zur\u00fcck im Zimmer wird der Schreibtisch Arbeitsplatz und Wirkwunder. \u201eSchei\u00dfrechnungen, was hat das schon mit mir zu tun.\u201c Ein paar Hefte werden schnell zerrissen und im M\u00fclleimer sicher verstaut. Diese Peinlichkeiten braucht dann niemand mehr zu sehen. Vom Jederistsichselbstdern\u00e4chste bis zu gescheiterten Projekt der Peinlichkeiten ist es manchmal kein sehr gro\u00dfer Schritt. \u201eMacht nichts, ich bin jung und den meisten ist Freiheit eh ein Fremdwort.\u201c und wenn nicht, glauben sie tats\u00e4chlich, sie realisieren sich ,ha.Seine Augenbrauen ziehen sich beim Gedanken an die Kopfschmerzen zusammen, zumindest das, was \u00fcbrig ist. Der Rest ist gestern aus Versehen mit zu hoher Gasfeuerzeugflamme abgefackelt und der h\u00e4lt sich immer noch dramaturgisch in der Luft. \u201eJa, das wars wohl f\u00fcr heute.\u201c<\/li>\n<li>17.11.1994 -Realitivit\u00e4t<br \/>\nJede Kleinigkeit scheint<br \/>\nBei genauer Betrachtung<br \/>\nRelativ gro\u00df<br \/>\nUnd birgt unendlich viele Formen<br \/>\nUnd Wichtigkeiten<\/li>\n<li>14.11.1994 &#8211; Linien<br \/>\nFl\u00e4chen breiten sich aus<br \/>\nWeit und dunkel<br \/>\nEngen sich zu B\u00e4ndern Linien<br \/>\nGrenzen einander<br \/>\nStellen dar<br \/>\nMal durchsetzt<br \/>\nMal monochrom<br \/>\nUnd sind Punkte<br \/>\nJe nach Relation<\/li>\n<li>13.11.1994 &#8211; Punkte<br \/>\nEben oder beliebig gekr\u00fcmmt<br \/>\nIm Raum<br \/>\nEine Menge von Punkten<br \/>\nMit gen\u00fcgender Beziehung<br \/>\n\u00c4u\u00dferer Gestalt<br \/>\nDer Wahrnehmung dargeboten<br \/>\nDurch Stoff erfasst<br \/>\nDurch Gestalt anschaulich offenbart<\/li>\n<li>01.03.1993 &#8211;<br \/>\nEine Illustrierte gelesen und jetzt mal wieder frustriert; sollte besser Frustrierende hei\u00dfen. N\u00f6tigung, Totschlag, Gewalt an Schulen, h\u00f6here Steuern, Kriege, Umweltkatastrophen. Kein Ende, nur zwischendurch ein paar sarkastische Witze, die so nah sind, dass das Lachen im Halse stecken bleibt. Auf dem Sofa sitzt ich in der Diele. Meine Mutter steht kochendu nd wild rotierend in der K\u00fcche Sie ist mal wieder sauer. Der b\u00f6se Sohn hat nicht katholisch sittsam zu Hause gschlafen, sondern musste die Nacht bei seiner Freundin verbringen. Jetzt wartet er auf die verst\u00e4ndnislose Standpauke (zu diesem Zeitpunkt bin ich 24 Jahre alt wohlgemerkt). Die Zeit zieht, dehnt sich, nur das Rauschen des Rauchabzugs \u00fcber dem Herd ist zu vernehmen, zwischendurch das Klappern ihrer halbzerfetzten Schuhe, die aufgetragen werden m\u00fcssen, man ist schlie\u00dflich arm. Und in Saus und Braus zu leben w\u00e4re gegen den Glauben; und der beherrscht mehr als alles andere das Denken einer Familie Ende des 20. Jahrhunderts. Ein Glaube voll Mysterien, der Marienanbetung und der Heiligenverehrung. so denkend, sitze ich auf dem Sofa und h\u00f6re dem Prasseln oder zumindest zeitweiligen Knistern des Kamins zu. Er stellt sich vor, die Flammen, die glut zu sehen wie fr\u00fcher, aber der neue Kamin hat Stahlklappen. Das lebendige ist ausgeschlossen. Wenn es wenigstens Glast\u00fcren w\u00e4ren, hatte ich schon so manches Mal gedacht.Aber was half es. Er musste wieder an seinen Glauben, besser den der Familie, denken und wie weit sich auch seine Geschwister davon entfernt hatten. Konnte man an einen Papst glauben, der in Hungergebieten rief &#8222;Wachset und mehret euch&#8220; oder in Kenia die Aidskranken zu M\u00e4rtyrern machte. Konnte man an die Jungfrau Maria glauben, die nach Jesus noch f\u00fcnf oder sechs Kinder in die Welt gesetzt hatte? War der katholische Heiligenkult nicht G\u00f6tzendienst?Wann noch gleich hatte Jesus gesagt, dass vorehelicher Geschlechtsverkehr verboten sei? Er, der sich mit Wohlbehagen die F\u00fc\u00dfe von einer (sch\u00f6nen) Frau salben lie\u00df und dem Wein nicht abgeneigt war!<br \/>\nInzwischen hatte seine Mutter die Flimmerkiste in Gang gesetzt und begann mit der meisten Leute Lieblingsspiel: Channelswitchting. Sehr schnell bei Pro 7 angekommenund wieder zur\u00fcck zum Gl\u00fccksrad, Sat 1. Sie wartet auf den Familienvater. Rentner, jetzt freier Mitarbeiter seines ehemaligen B\u00fcros. Es ging ihnen wirklich nicht schlecht.<br \/>\nEin Wagen kam vorgefahren und brachte tiefgefrorenes und sie hatte dem ungezogenen Sohn gesagt, er solle es in die True bringen. Was dieser nat\u00fcrlich auch folgsam gemacht hatte.<br \/>\nJetzt sitzt er wieder auf dem sofa und wartet auch; was wohl geschehen w\u00fcrde. An der Terrassent\u00fcr klopft es, Ewigkeiten bis sich seine Mutter aus dem bequemen Sessel erhoben hat und die T\u00fcr ge\u00f6ffnet wird. Seit Jahren immer wieder das gleiche Ger\u00e4usch. Unbeschreiblich, unverkennbar. Er kommt rein. &#8222;Mahlzeit&#8220; &#8222;Mahlzeit&#8220;. Essen. Fritierte Kartoffeln und Erbsen mit M\u00f6hren. Die Eltern essen au\u00dferdem Fleisch. Er, der sohn, nicht, seit Jahren nicht mehr. Auch das war lange Zeit nicht verstanden worden. Fleisch bekommt er immer noch angeboten. &#8222;Ach, du isst ja keins.&#8220; Auch die kleinen, wie unbeabsichtigt wirkenden Vergesslichkeiten wareb in der letzten Zeit immer h\u00e4ufiger zu Anl\u00e4ssen von Aggressionen zwischen Mutter und Sohn. Nach dem Essen , esgab\u00a0 zum Nachtisch eingemachte Sauerkirschen und Apfelmus, sitzt er wieder auf dem Sofa vor dem Kamin. Die in einer roten Jeanshose steckenden Beine mit schwarzen Lederschuhen\u00fcber einander geschlagen schaut er in das Buch. Nebenan entsteht Bewegung bis zum sofa, Sessel. Das Ger\u00e4usch des sich auf das Mobiliar fallen Lassens. Klick. Der Fernseher ist wieder angeschaltet. Er h\u00f6rt nun die Kaminger\u00e4usche, da die Abl\u00fcftung abgeschaltet wurde. Das Rauschen hatte alle hohen T\u00f6ne, den Wind und feines Knistern \u00fcbert\u00f6nt. Jetzt ist es richtig gem\u00fctlich, denkt er. Nur das ewige Geblubber des Fernsehens st\u00f6rt ihn. Messerstechereinen, Bomben, aber auch Hilfsg\u00fcter f\u00fcr Bosnien. an den Krieg haben wir uns jetzt gew\u00f6hnt, er geh\u00f6rt zum Alltag. Die Meldungen rufen keine emotionalen Regungen mehr hervor, denkt er, der sohn. sitzt auf dem sofa, neben sich eine von der mutter geh\u00e4kelte bunte Decke aus wollresten, links zwei Kissen \u00fcbereinander gelegt. Als Lesepult. Von Zeit zu Zeit schaut er aus dem Fenster. Die K\u00e4tzchen der Haselnuss bewegen sich gleichm\u00e4\u00dfig im Wind. Wenn sie zu einem bestimmten Punkt gebogen sind springen sie zur\u00fcck, um erneut gebogen zu werden. So bleiben sie elastisch und bieten doch einen gewissen Widerstand.<br \/>\nEr greift mit der Hand zur Nase und junkt sich. Die Haare darin sind wohl mal wieder zulang. Er, der Sohn, \u00fcberlegt, ob sie mal wieder geschnitten werden m\u00fcssen, bleibt dann aber doch sitzen. Und wartet, ob irgendwann etwas passiert.<br \/>\nAm Mittagstisch war kein wort dar\u00fcber verloren worden, dass er die Nacht bei seiner Freundin verbracht hatte. Der Vater hatte vom Morgen im B\u00fcro erz\u00e4hlt, den \u00c4rger, und dass er einges im B\u00fcro anders regeln w\u00fcrde, aber der Junior-Chef habe nunmal alles in der Hand. &#8222;Der hat eine ganze Woche am Treppenhaus eines Forsthauses gezeichnet und die Entw\u00fcrfe schon drei mal verworfen. So etwas darf h\u00f6chstens einwen Tag dauern, sonst wird es viel zu teuer. Heute hat er mich gerufen, damit ich ihm einen Rat gebe. Nach einer Woche an einem Detail zu arbeiten, da sag ich nichts mehr zu. Und bin wieder an meinen Tisch an meine eigene Arbeit gegangen. Wer soll denn sowas bezahlen?&#8220; Der Neue ist seit gerade mal acht wochen da und schon jetzt im Urlaub. &#8222;Der w\u00e4r schon lange gefeuert bei mir. Der Alte regt sich zwar auf, traut sich aber nicht, was zu sagen, da der Junior mit dem Neuen befreundet ist und die Hand dr\u00fcber h\u00e4lt. &#8220; an solche oder \u00e4hnliche Gespr\u00e4chs &#8211; Monologfetzen kann sich der sohn erinnern, aber keine hatte etwas zu gestern Nacht gesagt. Und das ist bitter, wenn man sich eine tolle Verteidigungsrede ausgedacht hat.<br \/>\nDie Mitte des Sofas bildet eine ziemlich tiefe, angenehm weiche Mulde, wenn man sich niederl\u00e4sst. Es ist nicht sch\u00f6n, aber daf\u00fcr bequem und vor dem Kamin sitzt der Sohn von einer molligen W\u00e4rme umh\u00fcllt. von Zeit zu Zeit reibt er knatschend das Ledes der Halbschuhe aneinander vorbei. Der eine ist offen, die Schn\u00fcrb\u00e4nder h\u00e4ngen, als sei nichts besseres zu tun, in der Weltgeschichte herum. Als ihm ein Bein einschl\u00e4ft, bewegt er sich zum ersten Mal seit l\u00e4ngerem gro\u00dfartig, h\u00e4lt das linke Bein hoch und st\u00fctzt sich mit dem Ellenbogen auf die bunte H\u00e4keldecke. Wenn man so auf alle Ger\u00e4usche achtet, muss man pl\u00f6tzlich feststellen, dass es gar nicht so still im Haus ist. Die Briefkastenkl\u00e4ppchen schlagen, immer wieder unregelm\u00e4ig bewegen sich die Fassungen, der Kamin heult und die K\u00fcchenuhr tickt unentwegt. Nur manchmal hat er das Gef\u00fchl absoluter Stille, aber das kommt wohl eher von innen. Der Wind scheint st\u00e4rker zu werden. Der sohn wird jetzt langsam m\u00fcde und m\u00fcsste eigentlich zur Toilette, aber die Tr\u00e4gheit lie\u00df ihn bis jetzt sitzen bleiben. Dann pl\u00f6tzlich und unerwartet steht er auf, schmei\u00dft ein paar St\u00fccke Holz auf dem Kamin und geht zur Toilette wo er sich sich gen\u00fcsslich hinsetzt und das Gesch\u00e4ft erledigt. Immer wieder befreiend , denkt er, und daran, was Jens, ein Bekannter aus der gro\u00dfen Hauptstadt, mitte der woche gesagt hatte: &#8222;Etwas Hunger zu haben ist letztendlich angenehmer als so \u00fcberfressen wie im Moment zu sein.&#8220; Recht hat er, denkt der Sohn und bleibt noch ein Weilchen auf der Brille sitzen, obwohl es ziemlich frisch ist. Er hat einfach keine Lust aufzustehen, sieht sich aus Langewiele im Badezimmer um. Ein viertelrunde Wannein der Ecke, beherrscht den Raum, der aus zwei ehemals kleinen R\u00e4uemen zusammengelegt wurde. Gro\u00dfz\u00fcgig und angenehm. Ein moderner Designerschrank, eine Heizung als Handtuchhalter. Zwei violette Teppiche. Katholisch bis aufs Klo, denkt er und fragt sich , ob solch ein Gedanke an sich schon Blasphemie w\u00e4re. Er entscheidet sich aber f\u00fcr naheliegende Assoziation und ruht mit Gedanken und augen schon an der kleinen Feigenbirke neben der Wanne, die letzte Zeit wieder neue Bl\u00e4tter bekommen hatte, nachdem es lange Zeit so aussah, als w\u00fcrde sie eingehen. Schlie\u00dflich wird es dem sohn zu dumm, in der K\u00e4lte zu sitzen, putzt sich, w\u00e4scht die H\u00e4nde, putzt sich noch die Z\u00e4hne, die er nach dem Mittagessen vergessen hatte und setzte sich wieder auf den Platz vor dem Kamin. Der wind hat nachgelassen, die K\u00fcchenuhr und der K\u00fchlschrank nicht. sogar die sonne zeigt sich und erzeugt eine angenehme G\u00e4nsehaut. Langsam, aber sicher, wird der der junge Manbn unruhig. Ein entt\u00e4uschender Tag. Er geht wieder zum Kamin, \u00f6ffnet die t\u00fcren und schaut in die flammen. Der Fernseher ist schon lange wieder aus, der Vater im B\u00fcro. Der Sohn h\u00f6rt dann und wann leise Schnarchger\u00e4usche der Mutter aus dem Wohnzimmer. einfreidliches Haus zeigt sich ihm, aggressionlos. Aber er wei\u00df, dass dieser Zustand sich auch wieder \u00e4ndern kann. Innerhalb weniger Minuten.<\/li>\n<li>10.02.1993 &#8211; Kost\u00fcme<br \/>\nKost\u00fcmpartie, viele Tote und Vampire. Foto von K\u00f6nigs. Abgang betrunken.<\/li>\n<li>09.02.1993 &#8211; Wahl<br \/>\nWieder ein Tag vorbei. Die letzten Anw\u00e4rter auf die Professorenstelle haben vorgesprochen. Vier der neun sind ausgew\u00e4hlt. Nun m\u00fcssen Sachverst\u00e4ndige das Endg\u00fcltige entscheiden. Abendessen, einige Studierende und zwei Dozenten am Tisch sitzend quasseln. Wer ist es den eigentlich geworden? Das sollte nicht so laut gesagt werden, so etwas nach dem Motto: \u00c4tsch, du bist raus, k\u00f6nnte das ganze Verfahren gef\u00e4hrden. Dann sagen sie es leise. Nein, au\u00dferdem ist auch schon raus, wer raus ist. Sie m\u00fcssten es doch eigentlich wissen. Bin gerade erst ins Brauhaus gekommen, kann ergo nichts wissen. Wei\u00dft du, wer es geworden ist? Ja, Dann schreib es auf den Tisch. Wird dr\u00fcber gegangen, man wendet sich anderen Dingen zu. Und Abgang.<br \/>\nDer Schreibtisch ist mit fremden Sachen belagert. Ach ja, hatte Anja gesagt, den Schreibtisch heute nicht zu gebrauchen. Beiseite ger\u00e4umt, auf den Tisch gesetzt und etwas notiert. Anja n\u00e4hert sich von hinten rechts. &#8222;Ich dachte schon, du h\u00e4ttest auf meinen Konzepten herumgekritzelt.&#8220; &#8222;Nein.&#8220; &#8220; H\u00e4tte dich in Grund und Boden gerammt.&#8220; &#8222;Glaube dir nicht.&#8220; &#8222;Doch, wirklich.&#8220; Und Abgang.<br \/>\nSchreibe weiter. &#8222;Muss die Lampe noch abbauen!&#8220; Von hinten ins Ohr gebr\u00fcllt. &#8222;Wei\u00dft du? Ach vergiss es einfach.&#8220; Wird ignoriert. Und Abgang.<br \/>\nDie Gesellschaft l\u00f6st sich auf, Susannes Gequassel verstummt, flammt dann und wann wieder auf. Fast beschw\u00f6rend, irgendwas \u00fcber die \u00dcberdehnung von B\u00e4ndern. &#8222;Tsch\u00fc\u00fchh\u00fc\u00fcss&#8220; Mehrmals von allen Seiten. Der Fahrstuhl schnellt herauf. Das Klackende des T\u00fcr\u00f6ffnens und Wiederverschlie\u00dfens und weg sind sie. Die Stimmen von dr\u00fcben sind weg, sind verstummt, die L\u00fcftung der S\u00e4urekammer bl\u00e4st unabl\u00e4ssig monozon. Man sollte nicht drauf h\u00f6ren, macht nerv\u00f6s.<br \/>\nAuf dem Tisch steht die Charakterblume, eine Kaktee, stachlig, haarig, mit Wunderkerze und rosa Topf. Gespr\u00e4che, jetzt unerfreulich wieder laut, drehen sich um die morgige Kost\u00fcmfete. Das Geschirr wird abgesp\u00fclt. Blatt in die Schublade zu legen. Und Abgang.<\/li>\n<li>07.02.1993 &#8211; Sehen<br \/>\nAusstellungser\u00f6ffnung zum Semsterende. Wenn \u00fcberall sogenannt neue Bilder h\u00e4ngen, ein paar Skulpturen \u00fcber die Fl\u00e4che verstreut. Hier und da Sekt trinkend vornehm einige Gr\u00fcppchen Besuchern in intensiver Unterhaltung. Feinheiten und L\u00c4stern hinter vorgehaltener Hand. Ist das ganz sch\u00f6n mies dies. Nach einer Stunde verlieren sich die nie dagewesenen Massen massenhaft und bleibt g\u00e4henende Leere.<\/li>\n<li>02.01.1993 &#8211; Rausch<br \/>\nSt\u00e4ndiger Bewegung verpflichtet, sich anstrengen und nicht ins Bett gehen, noch nicht, muss das Ma\u00df an Realit\u00e4t voll werden. Was willst du ? Solange deine Gef\u00fchle nicht klar sind, kann auch niemand helfen. Spring vom Dach, aber bringt es dich weiter? tausend kleine Lichtreflexe spiegeln sich auf deiner Haut und zeigen Leben. Eingefettet in des Schwei\u00dfes Bad. Drei oder vier wei\u00df keiner sogar.<\/li>\n<li>11.11.1992\u00a0 &#8211; Realit\u00e4ten<a href=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?attachment_id=197\" rel=\"attachment wp-att-197\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"IMG_9432\" src=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/IMG_9432-400x266.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"266\" \/><\/a>Irgendwelche Dinge werden uns als Realit\u00e4ten vorgestellt. Statistiken und Untersuchungen. Aber uns bleibt im Grunde verschlossen, was sie aussagen. Da sie, die Realit\u00e4ten, nur Ausschnitte sein k\u00f6nnen, ist ihr Anspruch auf Allumfassendes zu hoch gesteckt. Glaube ist in der Wissenschaft ganz einfach fehl am Platz, ist Teil von Religionen.Vor dem Spiegel stehen und das eigene Gesicht betrachten kann so faszinierend sein, dass man minutenlang die Zahnb\u00fcrste in der eigenen Hand vergisst. Man macht sich zum Schauspieler und Illusionisten. Entwerfen wir also Grimassen und Furchen gegen die Tristesse des Alltags? Ein kleines Zwischenspiel, das, kaum der Beachtung wert, an uns vor\u00fcberziehen wird, wie alles andere auch. So sieht es aus, scheint zumindest so, oder k\u00f6nnte es auch&#8230;Was hat dieses Gesichtchen in tausend Falten gelegt? Die Stirn kraust sich und das Kinn verschwindet unter dem Oberkiefer, die rechte Augenbraue zuckt anwidernd und doch so verlockend peinlich. Langsam aber stetig tropft der Speichel aus der gierenden Lippe. Eine Ecke dieser immer leicht ge\u00f6ffnet. Freiheit, eine Traumwelt voller Abenteuer schleimt es durch die Windungen der Oberstube, gleitet von Zeit zu Zeit im Gedankenschlick aus und droht im Nebel des Alkohols zu ertrinken. Die Schreibmaschine ist so weit entfernt.\u201eIch bin so froh, hab als erstes geguckt, ob auch dein Bild in der Mappe war, ist wirklich das Beste.\u201c Hat mich stolz gemacht. Aber getraut zu zeigen hab ich mich das nicht. Eigentlich schade und ein Augenblick. Und immer um eins. Und halb zwei nachts rauscht unten im Tal der verfluchte Zug um nutz- und fast wertlose Eisenbarren wegzubringen. Der Oberarm hat einfach keine Lust mehr, also schreit er \u201eH\u00f6r auf, ist ja unertr\u00e4glich.\u201c Glaube aber keineswegs daran, au\u00dferdem klopft die Turmuhr halb.Jetzt die Tortur. Sich aufraffen, das Licht l\u00f6schen, den Weg zur\u00fcckfinden und versuchen die drei Tropfen Schlaf zu finden, die es morgen, gleich m\u00f6glich machen werden aufzustehen. Zehn vor acht schaltet sich das Radio ein und l\u00e4rmt. Was die Ohren gerade noch verkraften k\u00f6nnen, irgendwelche Worte und Musikfetzen.Andere schreiben seltsame B\u00fccher, wohl auch Bestseller, wie ich h\u00f6rte. Gerrits Heuschreck gef\u00e4llt mir wirklich, wenn es auch manchmal in der Wortwahl zu bieder, geradezu statisch aufgebaut ist. \u00dcberlegen sollte er sich, ob ein Mensch auch wirklich im Extremfall so reden w\u00fcrde. Moralisch alles wasserdicht. Aber man kennt die andere Seite Gerrits, die andere Seite aus Ich singe vom Menschen und seinen sch\u00f6nen, so gemeinen Gedichten.Gern s\u00e4he ich jetzt die Wasserpfeife frisch gestopft. Der Rauch schichtete sich durch das Zimmer auf mich zu. Irgendwann dann wegraffen und voll Genugtuung auf der Seite einschlafen. Was also ist Realit\u00e4t? Ein Leben inklusive Hoffnungen und dubiose Tr\u00e4ume oder gelangweiltes Nachgeforsche irgendwelcher gutdotierter Herren?\u00a0 Und dreihundert Seiten fertig, aber keinen, der es vielleicht drucken w\u00fcrde.Die Frage betrifft mich und dich, mein Selbstverst\u00e4ndnis des Lebens und Aus\u00fcbung einer wie auch immer freien Vorstellung von Kunst. Ein Gedanke ist oft nicht vielmehr als eine abgestumpfte Statistik?Warum m\u00fcssen au\u00dferdem in der darunterliegenden Wohnung Fernseher so laut dr\u00f6hnen?Nur die H\u00e4lfte des F\u00fcllraums ist \u00fcbrig geblieben. Der Lehrer sagte, du schreibst so lange, bis alles, aber auch wirklich alles restlos aufgebraucht ist. Aber ich bin so unendlich m\u00fcde antwortete der ungehorsame Sch\u00fcler und handelte sich damit eine schallende Ohrfeige ein, die er auch sicherlich vortrefflich verdient hatte. Der Erwachsene bestimmt. Was ist lehrenswert, was nicht? Enth\u00e4lt etwas, etwas oder nicht? Armer Sch\u00fcler, Kreatur, du mu\u00dft dich f\u00fcgen. Irgendwelche Leute kommen rein und bestimmen \u00fcber dich. Aber la\u00df dir bitte deine Gedanken und die W\u00fcrde nicht nehmen. Autos rauschen auch vorbei.<\/li>\n<li>21.04.1992 &#8211; Witz<br \/>\nn Witz; n Witz; n Witz &#8211; Nein, das ist kein witz, kein Witz. Aber du glaubst mir nicht und schaust mich belustigt an, kein Witz. Je mehr lachst du. Hysterisch, ver\u00e4chtlich mich auslachend. DAS IST KEIN WITZ. Halt die Klappe, h\u00f6r auf zu lachen und sieh der Realit\u00e4t ins Auge. Ich mache gerade keinen Witz. H\u00f6r also auf. DAS IST KEIN WITZ: Aber du lachst in einem krankhaft fort. Zeigst mir deine Z\u00e4hne und sch\u00fcchterst mich mit der Visage ein. Verzerrte Gesichtsz\u00fcge im Widerschein der roten Ampel. Es gibt nichts mehr zu lachen.<\/li>\n<li>25.12.1992 &#8211; komische Leute<br \/>\nNette Leute mit verbeulten K\u00f6pfen; Schleim aus der Nase und im Mundwinkel Spuckef\u00e4den. Seit Tagen ungewaschen, unrasiert, im Schritt ein dunkelfrischer Urinfleck.Weihnachtsidylle vor einem Krankenhaus. Kleinstadt. Dann wieder g\u00e4hnende Leere. Der Blick f\u00e4llt auf eine kr\u00e4nklich dahinsiechende Eschein ihrer blattlosen Unpracht. Die wurzeln sind bedr\u00e4ngt vom Asphalt des Bordsteins. L\u00f6chrig, wie wund gerieben. Der daneben stehende Stumpf zeugt von einem fr\u00fcheren wohl genauso ungl\u00fccklichen Nachbarn, der allerdings aufgegeben hat. Inzwischen l\u00e4ngstwahrscheinlich im Kamin verbrannt, eine Wohnung geheizt.<\/li>\n<li>Irgendwann im Herbst 1992 &#8211; Formen<br \/>\nFormen in der Natur gefunden. Ich gehe von kleinen Formen der Natur aus, die gro\u00dfe Strukturen aufbauen. Das Prinzip ist der fraktalen Geometrie bekannt: Gro\u00dfe Zusammenh\u00e4nge setzen sich aus immer wiederholenden kleinen gleichen oder \u00e4hnlichen Strukturen zusammen. Misst man zum Beispiel die englische K\u00fcste, so ist zu fragen, wo man anf\u00e4ngt, denn je n\u00e4her man sie sieht, desto kleinere buchten und zum Schluss Ecken und Vorspr\u00fcnge k\u00f6nnen wahrgenommen werden. Das Faszinierende ist die Tatsache, dass ein K\u00fcstenausschnitt von wenigen Metern die gleiche Struktur aufweist, wie einer von mehreren Kilometern. Das gleiche Ph\u00e4nomen findet sich \u00fcberall in der Natur wieder. Die Verkleinerung bzw Vergr\u00f6\u00dferung setzt sich bis ins Beliebige bzw Unendliche fort, bis, wie es scheint, nat\u00fcrliche Grenzen gesetzt sind. Weitere einfach nachvollziehbare Beispiele sind die Spirale, die sich vom Atom \u00fcber die Schnecke bis hin zu ganzen Galaxien zieht, das Farnblatt, das sich immer gleichbleibend bis zu einer physiologischen Grenze verj\u00fcngt, oder der Blumenkohl, welcher aus winzigen Kn\u00f6llchen besteht, die die gleiche Form aufweisen, wie der Gesamtkopf. So greife ich mir winzige Strukturen aus der Natur und zeichne sie. aus der entstandenen Zeichnung &#8222;zoome&#8220; ich wieder winzige Strukturen und zeichne erneut. Dieses wiederholt sich einige Male. bis ich nach diesen Zeichnungen Zinkplatten zu Einzelformen zer\u00e4tze und diese sowohl als Hoch- als auch als tiefdruck \u00fcbereinander drucke. Auf den Drucken entstehen durch \u00dcberlappungen der Einzelformen neue Kleinformen, die starke \u00c4hnlichkeiten aufweisen. Nach diesen werden neue zinkplatten ge\u00e4tzt. Der Vergleich mit dem Original aus der Natur zeigt meist starke strukturelle \u00dcbereinstimmungen. Der zweite, nicht weniger wichtige Aspekt der Arbeiten ist die rhythmische Bewegung. Meist arbeite ich zu Musik von Micheal Nyman, der die Musik zu s\u00e4mtlichen Peter Greenaway\u00a0 geschrieben hat. Jede Komposition wird durch diese Kl\u00e4nge beeinflusst. Wer sich wirklich auf diese Musik einlassen kann oder es getan hat, wird sicher einen relativ schnellen Zugang zu den Graphiken finden oder sie verstehen oder sie nachvollziehen k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>irgendwann im Sommer 1992 &#8211; Exkursion nach Frankreich<br \/>\nScheinen sich besonders gut auf mit Flechten bedeckten Kalksteinen zu vermehren. Die Luft wimmelt von Gewitterw\u00fcrmchen. Das wei\u00dfe Hemd Bennos an mir ist \u00fcberdeckt davon, und wenn das schon nicht, dann sicher befinden sich ca. 1000 darauf. Die sonne stach besonders heute. Oberwohl der Wind ungewohnte K\u00fchlung brachte. Die Haut f\u00fchlt sich teilweise ziemlich verbrannt an, trotz Lichtschutzfaktor 17. Das war wieder ziemlich ungesund. Diese Idiotie, schimpfe ich, sonst akute Hautkrebssucht. Daf\u00fcr bekommt man eine ziemlich gesunde Hautfarbe. Auf jeden Fall sieht man nicht mehr allzu blass aus. Habe aber nach wie vor keine Lust, das Oberteil auszuziehen. Kommt vielleicht noch. Fahren gleich nach Hause. Beginne im \u00fcbrigen auch Hunger zu bekommen. Benno ruft schon. Sollen wir fahren. Tanje will noch bleiben<\/li>\n<li>13.07.1992 &#8211; Sommerabend<br \/>\nLeiernd f\u00fcllt das Band die Luft mit wabernden Kl\u00e4ngen l\u00e4ngst vergangener Zeiten; ich komm mir vor, als ob halb gefressen, halb verwest im Autositz verrottend; also ob nicht mehr hier schon lang und die Batterie immer schw\u00e4cher wird. Vertraute Melodien werden getreten, gepeitscht und klingen seltsam kreischig klagend.<\/li>\n<li>20.04.1992 &#8211; Ostern<br \/>\nParkplatz abwarten; zehn vor zehn im Auto sitzen; leute mit Hund spazieren sehen; dicke Schuhe &#8211; Leine los; ab &#8211; er rennt; Kleintierhatz, gewartet, fahrlos<\/li>\n<li>irgendwann Ende 1991 oder Anfang 1992 &#8211; Cult<br \/>\nW\u00fcrde es je wieder so sein wie fr\u00fcher, die gewohnte Enge, anf\u00e4ngliches Nichtssehen, die Musik, die vielen bekannten und unbekannten, langweiligen. gelangweilten,heftigen, grellen, schwarzen und weniger dunklen Leute? Heute war es f\u00fcr mich das letzte Mal im Werl. Das alte Cult stirbt. Kommt bald nach Neheim, auf zwei Etagen und Hiphop Zeromusik kommt stante pede. Steffi halb am heulen, betrunken, ein paar Abschiedsfotos noch heimlich geschossen und dann?<br \/>\nN\u00e4chste Woche kommt endlich die Murdersplatte raus, auch das Videofanzine von Carsten, beide mit meinen Covers. Well. Muss ich doch jetzt erstmal schlafen.<\/li>\n<li>19.11.1991 &#8211; Schnabeltier<br \/>\nDie T\u00fcr auf schl\u00e4gt mir kalte Luft entgegen auf nassem Pflaster feucht gewelktes Laub steil herab vorsichtig nicht ins Rutschen kommen am dunklen Haus voraus Asphaltst\u00fccke voll mattem Glanz wie aneinander gesetzt eigene Landschaften sich erschlie\u00dfen die Dreizackkirche vor grellem Licht im Nebel steil herauf B\u00fcrgersteigsteine zerbrochen f\u00fchren die Katze unterm Dach das Stahlgel\u00e4nder schillernd Schimmer\u00a0\u00a0 Widerschein am Auto vor\u00fcber das Licht springt an zur Haust\u00fcr herein der Tag ist vorbei im Bett das Telephon schlaf ich das Schnabeltier unterm Arm ein<\/li>\n<li>18.11.1991 &#8211; Nebel<br \/>\nNebelwand l\u00e4sst nicht durch<br \/>\nbleibe stehen<br \/>\nMist will weiter<br \/>\nla\u00df durch<br \/>\nla\u00df mich doch durch schei\u00df Nebel<br \/>\nwas soll das<br \/>\nla\u00df mich durch<br \/>\ner las mich durch langsam<br \/>\nSeite f\u00fcr Seite<br \/>\nst\u00fcckchenweise geht\u2019s voran<br \/>\nwof\u00fcr ist so ein Nebel gut<br \/>\ndringt ein<br \/>\nf\u00fcllt aus langsam<br \/>\nRaum f\u00fcr Raum<br \/>\nmerkt er nicht da\u00df ich ertrinke<\/li>\n<li>17.11.1991 &#8211; Gefahren<br \/>\nGefahren kilometerweit<br \/>\nBaum um Baum<br \/>\nPfosten um Pfosten<br \/>\nD\u00f6rfer rasten vorbei<br \/>\nund Musik dr\u00f6hnte in den Ohren<br \/>\nbin gefahren kilometerweit so weit<br \/>\nkanns kaum glauben<br \/>\njetzt hier zu sein<br \/>\nsoweit<\/li>\n<li>16.11.1991 &#8211; Laub<br \/>\npflasterfeucht welkes Laub<br \/>\nbaumleerend gefallene Herbstpracht<br \/>\nunter tausend F\u00fcssen malmend<br \/>\nzu fr\u00fchwinterlichem Wegschmutz<br \/>\nuneinheitlich braunschwarzer Modder<br \/>\njede Ritze sich erobernd<br \/>\nausf\u00fcllt<br \/>\nHundekot abdeckend<br \/>\nsich an Schuhe klebt<\/li>\n<li>15.11.1991 -Fallen<br \/>\nFalten t\u00fcrmen sich auf<br \/>\nfallen<br \/>\nfalten sich neu ins Auge<br \/>\nden Verstand verzagen<br \/>\nfallen<br \/>\ndie T\u00fcr f\u00e4llt langsam ins Schlo\u00df<br \/>\nich in die Tiefe<br \/>\ndes Glases Rotwein<\/li>\n<li>14.11.1991 &#8211; Freiheit<br \/>\nVogelfrei. Wie ein Vogel zu sein, w\u00fcnschte ich oft, so frei.<br \/>\nJetzt ist es kalt und ich bin froh, keiner zu sein,<br \/>\nso sch\u00f6n warm hier im Bett.<\/li>\n<li>13.11.1991 -Herbst<br \/>\nLange Schatten n\u00e4chtens im Licht der Scheinwerfer<br \/>\ndas Auto kommt n\u00e4her<br \/>\nimmer n\u00e4her<br \/>\nkurz jetzt die Schatten der Bl\u00e4tter<br \/>\nauf feuchter Stra\u00dfe<\/li>\n<li>12.11.1991 &#8211; nach Hause gehen<br \/>\nganz klein zu Fetzen gerissen<br \/>\nin der Manteltasche des Wegs<br \/>\nein gelb blaues Bonbonpapier<br \/>\nwird es immer kleiner<br \/>\nauf anderer Seite der Schl\u00fcsselbund<br \/>\nklimpernd die Walnu\u00df schl\u00e4gt<br \/>\nauf der Stra\u00dfe Metalldeckel<br \/>\nGas<br \/>\nvon hinten Motorenger\u00e4usch<br \/>\nrauscht ein dickes Auto vorbei<\/li>\n<li>11.11.1991 -Schon geschlagen<br \/>\nwieder gehe ich die steile Stra\u00dfe herauf<br \/>\nsehe Asphalt<br \/>\nSteine<br \/>\nW\u00e4nde<br \/>\nf\u00fchle Mattheit<br \/>\nschon geschlagen<br \/>\nwieder gehe ich die steile Treppe herauf<br \/>\nrieche Kaffe<br \/>\nZigaretten<br \/>\nWein<br \/>\nf\u00fchle M\u00fcdigkeit<br \/>\nwieder ein geschlagener Tag<br \/>\nnichts ereignet<br \/>\nman ergraut<\/li>\n<li>10.11.1991 &#8211; Park<br \/>\nVor mir ein Paar mit Hund<br \/>\ngehe ich durch den Park<br \/>\nlangsam ohne Zeit<br \/>\nohne Zeit in mir<br \/>\nkalt ist es<br \/>\nglaub ich auch<br \/>\nso richtig zum Setzen<br \/>\neine Bank<br \/>\nwelch angenehme N\u00e4sse<br \/>\ndas Paar mit Hund schon weg<br \/>\nwie\u00b4s scheint dunkelt\u00b4s<br \/>\nsch\u00f6n hier und so herrlich kalt<br \/>\nmorgen mu\u00df ich weg<br \/>\nob ich heute noch aufstehen soll<br \/>\naber dunkle Parks sind so wirklich.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>23.12.2000 &#8211; Idiot Mach mich nicht zum Idioten, auch ich hab Gedanken und Gef\u00fchle, eine Geschichte, die durchzuw\u00fchlen war. 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