{"id":9071,"date":"2023-07-13T08:31:00","date_gmt":"2023-07-13T06:31:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=9071"},"modified":"2023-07-10T09:31:18","modified_gmt":"2023-07-10T07:31:18","slug":"zeiten-einer-ausstellung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=9071","title":{"rendered":"Zeiten einer Ausstellung"},"content":{"rendered":"\n<p>Normalerweise werden in der Provinz Ausstellungen entweder sontagmorgens um 11 Uhr oder sontagnachmittags um 17 Uhr er\u00f6ffnet. Erstes haben die Ausstellungsmacher in den sechziger Jahren begonnen, um zu zeigen, dass auch ein anderes Leben als der sonnt\u00e4gliche Gottesdienstbesuch m\u00f6glich war. Damals vielleicht ungeheuer provokant, in der heutigen Zeit jedoch, in der nur noch wenige Menschen in die Kirche gehen, kann so ein Termin kaum noch jemanden schockieren. Die Provinzbewohner nehmen diese Zeit als vom Kunstverein oder der \u00f6rtlichen \u00f6ffentlichen Galerie gesetzt hin und machen sich keine weiteren Gedanken dar\u00fcber. Ja, es ist schon verdammt schade, dass man als Kulturbeflissener so fr\u00fch aufstehen muss oder gar ohne Fr\u00fchst\u00fcck aus dem Haus geht, um wahrscheinlich mal wieder eher mediokre Kunst zu sehen. Einige Veranstalter haben also in den achtziger Jahren erkannt, dass es f\u00fcr die Besuchermengen, die es in den meisten Galerien nie gegeben hat, doch wesentlich attraktiver ist, nachmittags zwischen dem Kaffeetrinken und der Tagesschau eine Vernissage zu besuchen. Seien wir ehrlich, zu den weiteren Terminen von der Er\u00f6ffnung bis zum Ende der Ausstellung kommt kaum einmal jemand. Das ist dann schon eher ein Versehen oder ein wirklich Interessierter, der sich in eines der Bilder verliebt hat und \u00fcberlegt, es k\u00e4uflich zu erwerben. Wobei die meisten Verk\u00e4ufe am Vernissageabend get\u00e4tigt werden. Kunsterwerb ist nicht allt\u00e4glich. Es geht schlie\u00dflich darum, von den anderen Mitb\u00fcrgern gesehen zu werden. Auch um zu zeigen, dass diese besondere Form der Kunstbeflissenheit besteht. Der wohlsituierte B\u00fcrger hat gef\u00e4lligst auch kulturgebildet zu erscheinen. Und das ist nur auf der Vernissage m\u00f6glich. Wenn in der Presse Artikel auftauchen, die behaupten, wegen des gro\u00dfen Erfolges einer Ausstellung bleibe sie einige Wochen l\u00e4nger ge\u00f6ffnet, hat das meistens nichts mit Besuchermassen zu tun, sondern damit, dass der K\u00fcnstler einfach noch keine Zeit hatte, sie abzuh\u00e4ngen. Kunst ist nur als Event betrachtet von Interesse. Neuerdings scheint sich allerdings bei einigen Kulturschaffenden ein neues Denken breitzumachen. Sie veranstalten ihre Vernissagen samstagabends um 19 oder 21 Uhr, dann direkt mit einem knallenden Konzert, nicht diesem halbgaren Herumgefiedel zehn Minuten lang nach der Einf\u00fchrungsrede, dem die Besucher dann ach so interessiert zu lauschen gezwungen werden bis sie endlich ihren verdienten Rotwein bekommen. An solchen Abenden entwickelt sich durchaus Spannendes. Eine kurze wie lockere Einf\u00fchrung, die nicht so bieder tr\u00e4ge daherkommt und glaubt, Bilder erkl\u00e4ren zu m\u00fcssen oder gar zu k\u00f6nnen, einige Bier oder Wein und dann richtig gute Musik auf die Ohren. Sich dabei Kunst anzuschauen ist ein echtes sinnliches Vergn\u00fcgen. Dann redet die oder der Besucher auch sp\u00e4ter \u00fcber das Event und wer wei\u00df, vielleicht kommen die n\u00e4chsten Wochen auch mal Besucher herein. Und sei es nur, um sich an den sch\u00f6nen Abend zu erinnern oder die Person wiederzutreffen, mit der man nach der Veranstaltung sp\u00e4t nachts noch einen Onenightstand hatte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Normalerweise werden in der Provinz Ausstellungen entweder sontagmorgens um 11 Uhr oder sontagnachmittags um 17 Uhr er\u00f6ffnet. 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