{"id":843,"date":"2012-07-22T09:08:14","date_gmt":"2012-07-22T07:08:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=843"},"modified":"2012-07-22T09:13:09","modified_gmt":"2012-07-22T07:13:09","slug":"herbstwind","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=843","title":{"rendered":"Herbstwind"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?attachment_id=844\" rel=\"attachment wp-att-844\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-844\" title=\"Mohn\" src=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/IMG_0025-400x266.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"266\" srcset=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/IMG_0025-400x266.jpg 400w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/IMG_0025-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/IMG_0025-148x98.jpg 148w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/IMG_0025-31x20.jpg 31w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/IMG_0025-38x25.jpg 38w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/IMG_0025-322x215.jpg 322w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>Ein herber Sommerwind bringt das Laub, die B\u00e4ume in rhythmische Bewegung, l\u00e4sst die Bl\u00e4tter nach oben klappen und pl\u00f6tzlich erscheint die Natur silbrig. Einiges Gr\u00fcn wirbelt durch die Luft, erst einige Monate alt, wurden die kleinen Sauerstofffabriken bereits vom Baum ihrer Aufgabe entbunden, abgesto\u00dfen. In der modernen Arbeitswelt hie\u00dfe es dann wohl geoutsourced, fr\u00fcher hie\u00df es abgesto\u00dfen.\u00a0 Sie haben ihren Job getan, werden in Tagesfrist verwelken und schnell wieder zersetzt. Als Herr Nipp aus dem Fenster schaut, sieht er gerade noch das Rotschw\u00e4nzchen in die Tiefe st\u00fcrzen, den Schnabel voll Futter. Eigentlich ein Fr\u00fchlingsanblick, Futter f\u00fcr die Brut. Im Nachbarhaus bewegt sich noch nichts, die Rolll\u00e4den befinden sich noch im Heruntergezogenmodus. Als m\u00fcssten sie das Haus vor dem Tag sch\u00fctzen, als schliefe das gesamte Geb\u00e4ude. Lediglich die Toilettenfensterchen auf den Treppenabs\u00e4tzen haben keine Verschlussm\u00f6glichkeiten. Diese anachronistischen R\u00e4umchen f\u00fcr Einzeltopf, eventuell mit wahnwitzig winzigen Waschbeckchen haben einfach keinen Platz f\u00fcr einen Schlie\u00dfmechanismus. Ganz spartanisch, T\u00fcr, Sitz, Becken, Fenster und Rollenhalterung f\u00fcr das hoffentlich weiche Papier. Nicht wie ganz fr\u00fcher fein s\u00e4uberlich gerissene Zeitung oder dieses harte graue Zeug, auch Schmirgelpapier geschimpft, mit dem man sich einen Wolf rieb. Erst gegen zehn werden die Verdunklungen automatisch bet\u00e4tigt. Was die Bewohner wohl in der Zwischenzeit machen? Irren sie in tastenden Bewegungen fast blind durch die R\u00e4ume, schlafen sie gar?<\/p>\n<p>Bis dahin ist der Beobachter, unser kleiner Held des Alltags bereits l\u00e4ngst mit seiner selbst auferlegten Arbeit fertig. Dann hat er bereits gefr\u00fchst\u00fcckt und steht bereit f\u00fcr die anfallenden Outdoor &#8211; Aufgaben. Der Garten muss dringend gemacht werden, die mit Kompost ged\u00fcngten Beete haben die etwas unangenehme Eigenschaft innerhalb weniger Tage Unmengen an Biomasse zu produzieren. Was f\u00fcr Gem\u00fcse und gepflanzte Stauden ja sicherlich w\u00fcnschenswert w\u00e4re, kann in Bezug auf die verschiedensten Wildkr\u00e4uter allerdings nur bedingt gutgehei\u00dfen werden.<a href=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?attachment_id=851\" rel=\"attachment wp-att-851\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-851\" title=\"Ansitz\" src=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/IMG_0057-400x266.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"266\" srcset=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/IMG_0057-400x266.jpg 400w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/IMG_0057-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/IMG_0057-148x98.jpg 148w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/IMG_0057-31x20.jpg 31w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/IMG_0057-38x25.jpg 38w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/IMG_0057-322x215.jpg 322w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ein Jahr lang hat Herr Nipp eine gewissenhafte Statistik gef\u00fchrt, jeden Eimer, jedem Gartensack mit (Un-\/ Wild-)Kr\u00e4utern, Gartenschnitt, Laub und Grasr\u00fcckschnitt auf die Waage gestellt und hatte ermittelt, dass insgesamt mehr als 2 Tonnen j\u00e4hrlicher Biomasse im Garten zusammenkamen. Daraus wurde dann jedes Jahr zwischen 200 und 300 kg feinster, weil gesiebter Kompostd\u00fcnger. Durch Verdunstung und biologische Verwertung durch Kleinstlebewesen, durch Zersetzung und Verwesung baute sich wohl ein geh\u00f6riger Teil der Biomasse ab. Letztlich zu Kohlendioxid und seinem liebsten Gartendung. Nein, das war keine wissenschaftliche Studie im strengen Sinne gewesen, er wollte sich einfach einmal Sicherheit \u00fcber geleistete Arbeit verschaffen. Einfach Beobachtung eines dilettierenden Hobbyg\u00e4rtner, der mehr \u00fcber seinen Garten wissen wollte, als in den einschl\u00e4gigen Fachzeitschriften stand. Woraus andere vielleicht ihre Dissertation gemacht h\u00e4tten, war f\u00fcr ihn nur Sache des eigenen Ehrgeizes &#8211; sich selbst gegen\u00fcber &#8211; ohne jegliche akademische Konsequenz.<\/p>\n<p>Drau\u00dfen wurde also gerupft und geschnitten, was das Zeug hielt, die Beete mussten frei werden f\u00fcr neu besorgte Stauden. Dazu ging man \u00fcbrigens niemals in ein Gesch\u00e4ft, das w\u00e4re gegen die Ehre, sondern man lie\u00df sich solches von anderen Kleing\u00e4rtnern schenken. Inzwischen wurde also einer der drei derben Komposter beschickt. Sch\u00f6n in Schichten, damit es zu einer guten Durchmengung kam. Immer mal wieder wurde eine Schaufel aus dem \u00e4ltesten Haufen dazwischen geworfen, zur Impfung. Die Kleinstlebewesen \u00a0sollten sich m\u00f6glichst schnell verbreiten. Einer der drei Haufen musste immer ein ganzes Jahr lang ruhen, wurde dazu mit etwas Mutterboden abgedeckt und mit Kartoffeln und K\u00fcrbis bepflanzt.\u00a0 \u00dcber den Sommer sackte dieser dann um ein Drittel bis zur H\u00e4lfte in sich zusammen, wor\u00fcber sich die Ranke des Hokkaido freute, denn sie konnte sicher in die freigelegten Holzstreben greifen und sich festhalten. Einer wurde aktuell best\u00fcckt und den \u00e4ltesten von vorletztem Jahr trug er im Laufe der Zeit ab. Zum D\u00fcngen oder Impfen genutzt, eine Wohltat f\u00fcr jeden Garten. In bis zu drei Zentimeter Dicke konnte der D\u00fcnger auf die Beete aufgetragen werden. Hervorragender Humus und N\u00e4hrstofflieferant, vor allem auch sch\u00f6n, wenn ordentlich gesiebt war.<a href=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?attachment_id=852\" rel=\"attachment wp-att-852\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-852\" title=\"gegen Abend Auflockerungen\" src=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/IMG_0056-400x266.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"266\" srcset=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/IMG_0056-400x266.jpg 400w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/IMG_0056-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/IMG_0056-148x98.jpg 148w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/IMG_0056-31x20.jpg 31w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/IMG_0056-38x25.jpg 38w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/IMG_0056-322x215.jpg 322w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p>\u00dcber den Winter wurden s\u00e4mtlich alle drei mit flachen Steinen abgedeckt, das hielt die entstehende W\u00e4rme besser und sorgte daf\u00fcr, dass eine konstante Feuchtigkeit vorherrschte. Damit konnten die Kleinlebewesen, wie Schimmel, Pilze, Asseln, und Springschw\u00e4nze, W\u00fcrmer, Schnecken, Scheinskorpione und Tausendf\u00fc\u00dfler ziemlich lange arbeiten und sorgten f\u00fcr eine schnelle und vor allem radikale Zersetzung. Au\u00dferdem hatten die M\u00e4use auf diese Art ein sicheres und warmes Zuhause f\u00fcr die kalte Jahreszeit. Wer glaubt, dass letztere nur sch\u00e4dlich seien, der t\u00e4uscht sich gewaltig. Herr Nipp hatte irgendwann eingesehen, dass M\u00e4use wichtig waren, sogar n\u00fctzlich, denn sie zerlegten die harten Schalen von Pflaumen- und Kirschkernen. Wer im Garten M\u00e4use jagte, war f\u00fcr ihn ein Umwelts\u00fcnder, genauso wie jeder Vogelf\u00e4nger. Das hatte die Natur zu besorgen, daf\u00fcr gab es schlie\u00dflich Katzen, Wiesel, Marder und Elstern.<\/p>\n<p>Die Reste vom Sieben, die dicken Zweige, die Steinchen und Wurzeln, wurden einfach auf den n\u00e4chsten Haufen geworfen und hatten ein weiteres Jahr Zeit sich zu entwickeln.<\/p>\n<p>Herr Nipp war wieder einmal ins Gr\u00fcbeln geraten, hatte das Gartenjahr Revue passieren lassen und vergessen weiter zu arbeiten. Er stand auf den Sch\u00fcppenstiel gest\u00fctzt und starrte in das Gr\u00fcn. Von au\u00dfen betrachtet gab er das Paradebeispiel f\u00fcr ein Arbeiterdenkmal. Wie oft kann man solche Skulpturen auf Autobahnbaustellen sehen. Da stehen dann ganze Gruppen auf den Stiel gest\u00fctzter Arbeiterdenkmale (oder hei\u00dft es Denkm\u00e4ler?) zusammen, als h\u00e4tte ein K\u00fcnstler seine Arbeiten dorthin geschafft. Hyperrealismus a\u00b4 la Duane Hanson.<\/p>\n<p>Als er gerade wieder anfangen wollte zu j\u00e4ten, wurde ihm bewusst, dass es angefangen hatte wie aus Eimern zu regnen. Das w\u00fcrde ihm heute zumindest das Gie\u00dfen ersparen. Er trabte gem\u00e4chlich zur \u00fcberdachten Terrasse, setzte sich zufrieden in einen der wei\u00dfen Holzsessel und freute sich \u00fcber die Perspektive, die sich ihm bot. Zwischen den Regenschauern leuchteten zuweilen fast vorsichtig die Strahlen der Sommersonne. Vielleicht w\u00fcrde es diesen Tag irgendwann aufh\u00f6ren zu regnen, dann w\u00e4re er sicherlich bereit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein herber Sommerwind bringt das Laub, die B\u00e4ume in rhythmische Bewegung, l\u00e4sst die Bl\u00e4tter nach oben klappen und pl\u00f6tzlich erscheint die Natur silbrig. 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