{"id":7669,"date":"2021-09-19T20:13:00","date_gmt":"2021-09-19T18:13:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=7669"},"modified":"2021-09-06T21:00:01","modified_gmt":"2021-09-06T19:00:01","slug":"nicht-gesucht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=7669","title":{"rendered":"Nicht gesucht"},"content":{"rendered":"\n<p>Schon klar, man sollte eine Geschichte und sei sie noch so klein, nicht mit einer negativen \u00dcberschrift beginnen, niemand w\u00fcrde sie lesen. Und schon gar nicht geht es etwa, den Text selbst in irgendeiner Weise mit Verneinungen zu beginnen. Der geneigte Leser k\u00f6nnte ja zu einem ungeneigten Nichtleser werden. In so kurzer Zeit so viele Negationen einzubauen ist andererseits auch wieder ganz lustig. Herr Nipp sieht das nat\u00fcrlich ganz anders. Er w\u00fcrde die Geschichte selbst mit der \u00dcberschrift &#8222;Gefunden&#8220; versehen und alles w\u00e4re schon ein wenig sch\u00f6ner, das Positive seines Denkens und Handelns, sein sauerl\u00e4ndisch pragmatisches N\u00f6rgeln h\u00e4tte dann den Impetus des Progressiven. Gut, versuchen wir es anders.<\/p>\n\n\n\n<p>Gefunden<\/p>\n\n\n\n<p>Sonntags geht Herr Nipp mit einem seiner Freunde nach dem Fr\u00fchst\u00fcck (das etwa um halb neun beginnt (nach einem Bachkonzert, welches der Freund nunmal h\u00f6ren m\u00f6chte), immer mit Br\u00f6tchen von einer B\u00e4ckerei , die mit Dinkelmehl backt und Eiern vom Biostand des hiesigen Marktes), so das Wetter es zul\u00e4sst oder keine anderen Termine dazwischen kommen und das kann nat\u00fcrlich immer mal auf der anderen wie der einen Seite passieren, eine Runde spazieren. Ein St\u00fcndchen k\u00f6nnte man sagen, denn alles zwischen einer und drei Stunden ist ein St\u00fcndchen Spazierengehen. Da das Wandern ja erst nach drei Stunden beginnt, ist es bisher erst ein oder zwei Male vorgekommen, dass die beiden gewandert sind, aber das ist nat\u00fcrlich Wortklauberei und mit Wortklauberei wollen wir uns hier gef\u00e4lligst nicht befassen. Auch wenn beide eine riesengro\u00dfe Freude an allen Spielen haben, die sprachlicher Natur sind, manchmal auch der ausgiebigen Rabulistik fr\u00f6hnen und sie sich gegenseitig ihre sorgsam abgewogenen Aussagen sozusagen im Mund verdrehen und dem jeweils Anderen gen\u00fcsslich als Denkfehler pr\u00e4sentieren, alles ist wirklich im tiefsten Sinne freundlich freundschaftlich gemeint. Letztlich l\u00e4chelt der eine oder der andere \u00fcber den einen oder den anderen  Freund. Ja, manchmal geht der Eine oder der Andere als waschechter Trottel aus dem Tag, aber auch das ist nicht b\u00f6se gemeint. Jeder Niederlage des Einen, soviel ist mal sicher, folgt ein geg\u00f6nnter Sieg des Anderen, aber das ist sicherlich ein Denkfehler. <br>An diesem Sonntag wollen die beiden auf Wunsch von Herrn Nipp noch kurz \u00fcber den ortsnahen Tr\u00f6delmarkt schlendern, nicht um etwas zu suchen, sondern um ganz \u00fcberrascht etwas zu finden, was man eigentlich nicht erwartet h\u00e4tte oder immer schon im Leben vermisst hat, ohne es jemals gewusst zu haben. Das Sch\u00f6ne an diesen M\u00e4rkten, die neben neuem, ach so g\u00fcnstigen M\u00fcll, meist aus Plastik oder Kunststoff, auch alten M\u00fcll als Rarit\u00e4ten versammeln, ist die zumindest gedachte M\u00f6glichkeit, in irgendeiner Kiste eine wahre Rarit\u00e4t zu finden und diese auch noch nach einem anstrengenden Handel um in der Regel zehn bis zwanzig Prozent zu kaufen. Freut sich Herr Nipp nicht heute noch \u00fcber die wirklich sch\u00f6ne Farbradierung von Johhny Friedl\u00e4nder, die er samt Rahmen f\u00fcr zw\u00f6lf Euro erwerben konnte, oder die  Grafiken eines Soester Expressionisten von 1919, bei denen er bis heute nicht wei\u00df, ob es sich nicht doch vielleicht um Nachdrucke oder F\u00e4lschungen handelt. Dieses Mal findet er an einem Stand einen angeblich funktionierenden Dimmer in Originalverpackung f\u00fcr vier Euro, einen achtziger Jahre Silberring, der ihn an seine eigene Jugend erinnert, als er selber noch mit mindestens vier Ringen an jeder Hand herumgelaufen ist. Das Radio aus den sechziger Jahren kauft er dann doch nicht, obwohl es ihm wirklich gef\u00e4llt, aber er wei\u00df eigentlich gar nicht, wohin er das denn wohl stellen sollte. Der Freund ist wirklich skeptisch, schaut mal hier, mal da, alles auf einer ironischen Metaebene. Irgendwie aber scheint ihm das ganze Treiben doch zu gefallen. Alle Besucher und Verk\u00e4ufer tragen Masken und so kann man sich schon sicher f\u00fchlen, weil niemand dem anderen nahe kommt. Anders als fr\u00fcher einmal auf solchen M\u00e4rkten, wird tats\u00e4chlich Abstand gewahrt. Diese pandemischen Zeiten scheinen etwas ver\u00e4ndert zu haben. Pl\u00f6tzlich bleibt der Freund wie gebannt stehen. &#8222;Was kostet das?&#8220; Die Frau schaut ihn unsicher an, als er das Portemonaie z\u00fcckt sagt sie ganz ruhig: &#8222;Zehn, eigentlich f\u00fcnfzehn.&#8220; &#8222;Gut.&#8220; So schnell hat sie wahrscheinlich noch nie etwas verkauft. Sie mag sich vielleicht auch denken, was gewesen w\u00e4re, wenn sie zwanzig oder gar drei\u00dfig gesagt h\u00e4tte. Egal, Chance vertan, der Kauf ist get\u00e4tigt und Herr Nipps Freund wiegt ihn in den H\u00e4nden, gl\u00fccklich. Seit Monaten schon hatte er sich gew\u00fcnscht, genau dies zu bekommen und jetzt und hier? Beide wissen, das macht den Reiz eines mittelm\u00e4\u00dfig schlechten Tr\u00f6delmarktes aus. &#8222;Man k\u00f6nnte sagen, -Nicht gesucht und doch gefunden!&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon klar, man sollte eine Geschichte und sei sie noch so klein, nicht mit einer negativen \u00dcberschrift beginnen, niemand w\u00fcrde sie lesen. Und schon gar nicht geht es etwa, den Text selbst in irgendeiner Weise mit Verneinungen zu beginnen. 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