{"id":7398,"date":"2021-03-20T10:11:00","date_gmt":"2021-03-20T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=7398"},"modified":"2021-03-19T10:40:46","modified_gmt":"2021-03-19T09:40:46","slug":"hafermilch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=7398","title":{"rendered":"Hafermilch"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit einiger Zeit verzichtet Herr Nipp auf Milch. Kaffee trinkt er wieder schwarz wie fr\u00fcher einmal, als er noch ins Jugendbegegnungszentrum neben der alten Schule ging. Dort hatte er einmal flockende Milch bekommen und seitdem war er vorsichtig geworden. Wenn er also dort rauchen wollte (Man kann es sich gar nicht vorstellen, aber das war damals in Jugendzentren noch tats\u00e4chlich erlaubt.), Kaffee trank und ein zwei Partien Backgammon, meist gegen seine beste Freundin, gegen die er eigentlich immer verlor, oder Billard spielte (Worin er auch nicht besonders gut war.), trank der den Pott Kaffee f\u00fcr 60 Pfennige (vielleicht war es auch schon eine Mark irgendwann) schwarz. Er sagte damals dann immer: \u201eSchwarz wie die Seele\u201c. Das war durchaus ernst gemeint. Seit einiger Zeit also hat er sich diesen alten Brauch wieder angeeignet, vor allem, um nicht mehr so viel von diesem Bittergebr\u00e4u zu trinken, aber auch, weil er es nicht so toll findet, dass die Milch viel zu billig ist, aber auch aus Mitgef\u00fchl zu allen Lactoseintolleranten, die er pers\u00f6nlich kennt. Letztlich egal warum, f\u00fcr sein morgendliches M\u00fcsli hat er Hafermilch entdeckt, die nicht mehr Hafermilch genannt werden darf, weil es ja schlie\u00dflich keine Milch ist, die stammt schlie\u00dflich von K\u00fchen und nicht vom Hafer. Auch wenn es sicherlich K\u00fche gibt, denen Hafer beigef\u00fcgter wird, deren Milch also auch Hafermilch genannt werden k\u00f6nnte. Er hat also das Hafergetr\u00e4nk f\u00fcr sich entdeckt, welches in vielen Superm\u00e4rkten inzwischen neben Sojadrink und Haselnusstrunk und Mandelgetr\u00e4nk angeboten wird, beachtlicherweise etwas teurer als echte Milch, obwohl die Produktion viel g\u00fcnstiger ist. Aber \u00fcber den Wahnsinn der Lebensmittelproduktion und -bepreisung macht er sich schon lange keine Gedanken mehr. (Macht er schon, aber der Erz\u00e4hler, der die Figur durch die Geschichten f\u00fchrt, versteht davon zu wenig, als dass er das hier in irgendeiner Weise ausf\u00fchren k\u00f6nnte oder m\u00f6chte. Und seien wir einmal ehrlich, der Erz\u00e4hler hat immerhin noch etwas mehr Ahnung als der Autor, aber das zu verstehen, ist auch f\u00fcr den an dieser Stelle eingesetzten Kommentator zu schwierig.)<br>Herr Nipp braucht also dieses Hafergetr\u00e4nk jeden Morgen f\u00fcr sein Obstm\u00fcsli, damit er mit gutem Gef\u00fchl in den schweren Arbeitstag gehen kann. Nur an diesem Morgen muss er feststellen, dass der K\u00fchlschrank leer ist. Der oder das dort abgestellte Tetrapack enth\u00e4lt nichts als Luft und einige Tropfen Restmilch. Er kann nur vermuten, wer diesen Zustand so hinterlassen hat, aber das nutzt schlie\u00dflich auch nicht viel. Also nimmt er den Tipp eines Sohnes auf und stellt sich eigene Hafermilch her. Haferflocken w\u00e4ssern, mit etwas \u00d6l und Sojalecitin mischen und voila, schon ist der gew\u00fcnschte Trunk fertig. Gut, Sojalecitin hat er nicht, dann ist auch das \u00d6l \u00fcberfl\u00fcssig, denn es w\u00fcrde sich nicht mischen lassen. Vielleicht reicht es ja auch aus, wenn man die Haferflocken w\u00e4ssert, gut umr\u00fchrt und das Ganze durch ein Sieb abseiht. Das Ergebnis ist optisch tats\u00e4chlich umwerfend der Milch \u00e4hnlich und schmeckt&#8230;mehlig. Etwas Zucker dazu&#8230;immer noch mehlig. <br>Aber wenn man nicht anderes hat, dann geht es wirklich. Und w\u00e4hrend Herr Nipp sein M\u00fcsli mit selbst gemachter Hafermilch genie\u00dft, denkt er doch bei einigen gel\u00f6ffelten L\u00f6ffeln an die gute alte Bio-Weidevollmilch zur\u00fcck.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einiger Zeit verzichtet Herr Nipp auf Milch. Kaffee trinkt er wieder schwarz wie fr\u00fcher einmal, als er noch ins Jugendbegegnungszentrum neben der alten Schule ging. Dort hatte er einmal flockende Milch bekommen und seitdem war er vorsichtig geworden. 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