{"id":6965,"date":"2020-09-04T11:47:00","date_gmt":"2020-09-04T09:47:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=6965"},"modified":"2020-09-03T12:10:34","modified_gmt":"2020-09-03T10:10:34","slug":"notizbuch-oder-ii","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=6965","title":{"rendered":"Notizbuch oder &#8230; II"},"content":{"rendered":"\n<p>Es war einfach nicht zu erkl\u00e4ren, was war damit los. Da gab es Seiten mit nur wenigen Worten, und wenn ich wenige sage, dann meine ich wenige, also im Sinne von kaum welche, die aber ungez\u00e4hlt waren, vielleicht sogar unz\u00e4hlbar, trotz allem taten sich da Welten auf, in denen er sich verstricken konnte und manchmal nur durch Zufall wieder herausfand. Dann ganz entr\u00fcckt von seinem Zuhause, in dem er doch sa\u00df. Herr Nipp hatte sogar den roten Ohrensessel weg gegeben, weil er zun\u00e4chst daran glaubte, an dem liege es, dass er immer beim Lesen alles um sich herum verga\u00df. Es ging um unglaubliche Ereignisse, die ihn auch im Nachhinein besch\u00e4ftigten. Tage lang. Einmal hatte er an einer solchen Seite, die eigentlich nach nichts aussah, eine ganze Woche lang gelesen und war gef\u00fchlt nicht zum Ende gekommen. Ungew\u00f6hnlich und ihm selber unerkl\u00e4rlich sicher. Er hatte ein oder mehrmals erlebt, dass er geradezu in eine Geschichte gerutscht war, dabei konnte das doch nun wirklich nicht sein sein. Zwischen den Worten und Zeilen schienen sich Abgr\u00fcnde und ganze Landschaften aufzutun, ganze Generationenkonflikte und immer wieder die Reise in andere Zeiten und Weltteile. So etwas, und das wei\u00df nat\u00fcrlich jeder regelm\u00e4\u00dfige Leser, gibt es normalerweise nur in Fantasygeschichten und mit denen will Herr Nipp gar nicht zu tun haben. Wenn er schon an die kitschigen Bilder auf solchen B\u00fcchern denkt, k\u00f6nnte jedes Mal ein W\u00fcrgereiz seinen Hals zusammenziehen. Auch wenn er in seiner Jugend mit diesem Genre durchaus vertraut war und ganze Berge davon verschlungen hat, hat er das als gestandener Realist doch weit hinter sich gebracht, sehr weit. <br>Auch diesen Abend hat Herr Nipp sich das Notizbuch aus dem Regal im Tresor genommen, ja, im Tresor, denn den Wert eines solchen Schatzes hat er wohl erkannt. Eigentlich, scheint es ihm immer wieder, ist dieses Buch wirklich unbezahlbar wertvoll, zumindest w\u00fcrde er sich selber niemals wieder freiwillig davon trennen wollen, auch wenn ihm riesige Summen geboten w\u00fcrden. Da aber hoffentlich niemand um diese Inkunabel des Geheimnisvollen in seinen H\u00e4nden wei\u00df, wird ihm auch niemand etwas daf\u00fcr bieten. Er hofft zumindest immer, dass niemand darum wei\u00df, denn was k\u00f6nnten nicht alles f\u00fcr Verwicklungen um die paar Seiten im gebundenen Pappdeckel entstehen. Daf\u00fcr ist er nun wirklich nicht geschaffen. Diesen Abend hat er sogar das Gef\u00fchl gehabt, das Buch habe ihn gerufen, auch wenn er das selber ins Reich einer innereen \u00dcberspanntheit zur\u00fcckweist. Ja, er hat in den letzten Tagen einigen Stress und sogar unangenehme Auseinandersetzungen gehabt, aber soweit, hatte er zumindest bis zu diesem Moment gedacht, sei es noch nicht gekommen. Ein Buch, welches doch Tats\u00e4chlich aktiv kontakt aufnimmt, als sei das selbstverst\u00e4ndlichste von der Welt. Ganz ruhig bleiben und sich treiben lassen. Ein Buch kann nicht rufen, bei seinen Untersuchungen des Einbandes hat Herr Nipp zumindest noch nicht einmal das kleinste Zeichen f\u00fcr eine eventuell verborgene Technik entdeckt, die daf\u00fcr sorgen k\u00f6nnte, man habe das Gef\u00fchl gerufen zu werden. Und das Handy hat er seit Tagen abgeschaltet. Ganz ruhig bleiben, wirklich. &#8222;Isso,&#8220; denkt er.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war einfach nicht zu erkl\u00e4ren, was war damit los. 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