{"id":6963,"date":"2020-09-03T07:06:46","date_gmt":"2020-09-03T05:06:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=6963"},"modified":"2020-09-03T07:06:46","modified_gmt":"2020-09-03T05:06:46","slug":"notizbuch-oder-manchmal-verliert-man-sich-im-fantastischen-i","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=6963","title":{"rendered":"Notizbuch oder manchmal verliert man sich im Fantastischen     I"},"content":{"rendered":"\n<p>Regelm\u00e4\u00dfig abends schaut Herr Nipp in dieses schwarz gebundene Buch mit dem sch\u00f6nen Papier. Ganz feines weiches B\u00fctten mit gerissenen Seiten. Wer dieses Buch \u00f6ffnet, wird von einem warmen Duft empfangen, wie ihn nur dieses Buch haben kann. Der ganze Raum scheint dann aufzubl\u00fchen. Das leicht gelbliche Papier muss dabei schon uralt sein, denn es ist kaum vorstellbar, dass es heute noch Papiermacher und Buchbinder gibt, welche die Kunst beherrschen, aus solchen Fasern etwas so Sch\u00f6nes herzustellen. Obwohl der Einband weitgehend ohne Schn\u00f6rkel gestaltet ist, scheint es, als sei eine besonders ausgewogene und sch\u00f6ne Komposition erreicht worden. Der Raum ist erf\u00fcllt von einem beruhigenden Duft, bei dem Herr Nipp sich an so vieles aus seiner Vergangenheit erinnert f\u00fchlt, obwohl er ihn vorher wissentlich noch niemals wahrgenommen hat. Seltsam scheint ihm dabei, dass jede Seite anders riecht, angenehm und umh\u00fcllend. Nicht wie irgendwelche Aromen, die einem aus Parf\u00fcmerien oder Kerzengesch\u00e4ften entgegen schlagen, solchen, vor denen man eher ersch\u00fcttert weglaufen m\u00f6chte, weil sie einfach, klatschig und massiv alles um sich herum okkupieren. R\u00fccksichtslos und gnadenlos. Er erinnert eher an leise Spuren von angenehmen Gedanken, sie durch das Zimmer fluten und wabern, die die Sensorik h\u00f6flich streicheln. Manchmal scheint es ihm beim Aufschlagen, als seien es gar nicht seine eigenen Erinnerungen, sondern die von irgendwelchen anderen Leben, die vielleicht schon vor langer Zeit gelebt wurden. Die im Buch befindlichen Schriften unterst\u00fctzen diese These. Viele verschiedene Handschriften finden sich auf den Seiten, kleine zackige und gro\u00dfe weit geschwungene, da gibt es die alte Frakturschrift und sogar kyrillische Texte hat er bereits entdeckt. Gl\u00fccklicherweise scheinen die allesamt \u00fcbersetzt worden zu sein, so dass er alles lesen kann. Oder sind sie gar nicht \u00fcbersetzt und Herr Nipp glaubt nur, dass er alles lesen kann? Letztlich egal, er liest und f\u00fchlt sich wohl dabei. Die Textauswahl reicht von W\u00fcnschen bis zu Erinnerungen, nat\u00fcrlich auch waschechten Abenteuern, die mit kleiner, feiner oder krakeliger Schrift notiert sind. Niemals ist ein Name zu finden, weder vom Schreiber, noch von den Figuren. Jedes Mal, wenn er in diese etwas befremdliche Welt eintaucht und manchmal auch die gesamte Nacht darin liest, wundert er sich, das dieses Werk nur so wenige Seiten besitzt. Schon als er es damals in einer verstaubten Kiste auf einem Tr\u00f6delmarkt entdeckt hatte, f\u00fchlte er sich angezogen und angesprochen beim ersten Bl\u00e4ttern. Er musste es haben und hatte den geforderten Preis, ohne auch nur irgendwelche Anstalten, handeln zu wollen, gerne bezahlt. B\u00fccher sind in der heutigen Zeit sehr g\u00fcnstig zu haben. Oft werden sie f\u00fcr wenige Euro abgegeben. Niemand m\u00f6chte sich mehr mit einer Bibliothek belasten. Das gebundene Schriftst\u00fcck mit Pappdeckel ist zur Wegwerfware geworden, seit die sogenannten Reader mehr und mehr den Literaturmarkt erobern, ja, sein man Geschichten im Netz kostenfrei lesen kann. Ex und Hopp. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Regelm\u00e4\u00dfig abends schaut Herr Nipp in dieses schwarz gebundene Buch mit dem sch\u00f6nen Papier. Ganz feines weiches B\u00fctten mit gerissenen Seiten. Wer dieses Buch \u00f6ffnet, wird von einem warmen Duft empfangen, wie ihn nur dieses Buch haben kann. 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