{"id":6862,"date":"2020-07-25T07:38:38","date_gmt":"2020-07-25T05:38:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=6862"},"modified":"2020-07-25T07:54:43","modified_gmt":"2020-07-25T05:54:43","slug":"waldstand","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=6862","title":{"rendered":"Waldstand"},"content":{"rendered":"\n<p>Den ganzen Abend hatte Herr Nipp im Netz gesucht. Irgendwer in der N\u00e4he w\u00fcrde ja vielleicht ein St\u00fcck Wald zu verkaufen haben. Nein, nicht in der N\u00e4he. Alle Angebote lagen mehr als 30 Kilometer entfernt. Zu weit zu fahren. Schade. Herr Nipp w\u00fcrde in dieser Zeit des Fichtensterbens, des Kiefernsterbens gerne ein St\u00fcck selber aufstocken. Nicht um daraus Gewinn zu generieren, sondern um selber zu sehen, wie sich ein Wald entwickelt, zumindest \u00fcber die n\u00e4chsten zwei, vielleicht auch drei Jahrzehnte. Eine Idee f\u00fcr die Zukunft nach ihm. Er m\u00f6chte gerne seinen Traum von Wald realisieren. Mischwald. Er wei\u00df wohl, dass das ganz geh\u00f6rig in die Hose gehen kann. Was aber, wenn nicht B\u00e4umchen gepflanzt werden, sondern Samen gelegt? Eicheln der Stiel-, Trauben-, und Roteiche, Bucheckern, Ross- und Edelkastanien, Ahornsamen, sogar Kirschkerne, Apfelsaat. Was w\u00e4re da alles m\u00f6glich? Elsbeeren, Mehlbeerb\u00e4ume, Faulb\u00e4ume, Traubenkirschen, L\u00e4rchen, Tannen, Kiefern, Douglasien, Schwarzn\u00fcsse, Waln\u00fcsse, Ilex, Eschen, an feuchten Stellen Erlen, Linden, vielleicht h\u00e4tten sogar Ulmen dann wieder eine Chance.  Herr Nipp tr\u00e4umt von einem St\u00fcck Natur, mit verschiedenen Pappelarten, verschiedene Weiden, Birken, mit Ginster, Felsenbirnen, Ebereschen, Hainbuchen, Kornelkirschen, Zitterpappeln, Haselnuss, Schneeball, Holunderarten, Schlehe und Berberitzen, Eiben, Heckenkirschen, mit Nahrungslieferanten f\u00fcr das wilde Leben. Herr Nipp m\u00f6chte gerne einen Wald aufbauen, der als echter Mischwald funktioniert und seien es erstmal nur zwei Hektar. Zehn w\u00e4ren sicher besser, da k\u00f6nnte mehr Vielfalt realisiert werden. Sein Gedanke ist, das Laubb\u00e4ume und Nadelb\u00e4ume gemeinsam leben k\u00f6nnen. Er stellt sich vor, dass nicht der wirtschaftliche Ertrag im Vordergrund steht, sondern der \u00f6kologische. Wo viele Arten leben, werden fast automatisch weitere Arten hinzukommen. V\u00f6gel, Reptilien, Amphibien und vor allem jede Form von Kleinsttieren. Wie Insekten und Spinnen, Asseln, und allem anderen, das da kreucht und fleucht. Sicher werden auch gr\u00f6\u00dfere S\u00e4uger auftreten und sicher werden sie Sch\u00e4den anrichten. Aber vielleicht w\u00e4re das Zulassen eben davon ja auch eine Chance f\u00fcr einen sich selbst regelnden Wald. Mit einigen freien Fl\u00e4chen, auf denen diverse Kr\u00e4uter und Gr\u00e4ser ihr Zuhause finden. Nat\u00fcrlich Utopien, das ist ihm klar. Auf die lange Zeit gesehen w\u00fcrden sich wahrscheinlich die starken Arten durchsetzen oder anders gesagt die Buche. Aber wer wei\u00df das schon so genau, schlie\u00dflich werden seit hunderten von Jahren solche W\u00e4lder nicht mehr oder kaum noch angepflanzt. Bisher ging es um den Holzertrag, nicht um Vielfalt. <br>Am Morgen erst war er wieder im Sauerland unterwegs gewesen, war einen gro\u00dfen Teil des sogenannten Rennweges gewandert. Hin und zur\u00fcck. Der neuen Perspektiven wegen, die sich bieten. \u00dcberall mussten in den beiden letzten zwei Jahren die Fichtenbest\u00e4nde gerodet werden, radikal und ohne R\u00fccksicht auf Schlagreife. Die Harvester haben ihre Arbeit radikal gemacht. Da liegen nun brache Fl\u00e4chen auf Kilometer. Wo der Weg einst im Schatten lag, da ist er heute der prallen Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Weit konnte er \u00fcber die Landschaft sehen, erschreckend weit kann von Wald kaum noch gesprochen werden. Nur die wenigen Laubbaumbest\u00e4nde sind noch erhalten, nur dort gibt es Schatten und das neue Gr\u00fcn ist in den alten Monokulturen noch nicht so sehr aktiv. Trockenheit. Herr Nipp hatte genau da die Idee, dass der Wald in Zukunft auf diesen Fl\u00e4chen eh keinen Gewinn abwerfen wird. Was nun, wenn Leute wie er, die sich ein zwei Hektar kaufen, ein neues Waldbild bauen? W\u00e4re das nicht letztlich sogar f\u00fcr den Tourismus gut? <br>Es tut mir wirklich leid. Dieses Mal gibt es keine Pointe, kein Happy Ending, da ist kein Witz in der Sache. Er hat kein Grundst\u00fcck gefunden. Er wird auch in den n\u00e4chsten Tagen und Wochen wahrscheinlich keines finden, das er bezahlen k\u00f6nnte, er wird weiter spazieren gehen oder wandern und sich Gedanken machen. Er wird auch weiterhin sehen, welche Pflanzen sich auf den Brachfl\u00e4chen selbst ansiedeln und wahrscheinlich wird er mit Bedauern vermerken, dass die Flurst\u00fccke nach und nach wieder einmal mit Best\u00e4nden aufgestockt werden, die genauso einf\u00e4ltig sind, wie sie es bisher waren. Die Einfalt der biologischen Einfallslosigkeit der \u00f6ffentlichen und privaten Waldbauern, die sich dann in einigen Jahren wundern, dass es mal wieder nicht funktioniert hat. Und die dann feststellen, das sie wieder einmal einige Jahrzehnte verloren haben. Aber Herr Nipp wei\u00df schon, wenn irgendeiner von seinen Gedanken w\u00fcsste, dann g\u00e4be er den Waldbauern zu lachen, dann w\u00fcrde er sicher ausgelacht. Kindisch. Ja, Utopien sind eben ein St\u00fcck weit naiv.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den ganzen Abend hatte Herr Nipp im Netz gesucht. Irgendwer in der N\u00e4he w\u00fcrde ja vielleicht ein St\u00fcck Wald zu verkaufen haben. 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