{"id":6838,"date":"2020-07-13T10:42:18","date_gmt":"2020-07-13T08:42:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=6838"},"modified":"2020-07-13T10:42:18","modified_gmt":"2020-07-13T08:42:18","slug":"fruehstuecksfernsehen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=6838","title":{"rendered":"Fr\u00fchst\u00fccksfernsehen"},"content":{"rendered":"\n<p>(An dieser Stelle muss es einfach mal gesagt werden, nicht der erste Satz ist das Problem, es ist das erste Wort. Selbst wenn die ganze Geschichte schon im Kopf beieinander ist, das erste Wort muss gefunden werden, damit alles einen Anfang nehmen kann. Gerne wird dann die List ergriffen irgendetwas Zeitliches zu verwenden, aber auf Dauer langweilt das sicherlich , also besser \u00f6rtlich? So beginnt die Gedankenrotation und wer wei\u00df, wie sich die Geschichte mit einem anderen Wort am Anfang entwickelt h\u00e4tte. 9.24 Uhr)<br>Milch steht schon auf dem Tisch. (Das war ein unerwarteter Anfang und schon kann es losgehen. 9.34 Uhr.) Der Kaffee (der musste jetzt einfach folgen.) wird gerade auf dem Herd in der edelst\u00e4hlernen Bialetti zubereitet. (Bis jetzt ist alles folgerichtig.) Die gro\u00dfe Bialetti nat\u00fcrlich, ein Geschenk von zwei lieben Menschen, die von Zeit zu Zeit selber davon zu profitieren hofften. Was sie nat\u00fcrlich auch tun, immer dann n\u00e4mlich, wenn sie aus ihrer Dachkemenate den Weg nach unten finden, um einen kurzen Besuch abzustatten. Seine Aluminiummaschine hat er irgendwann entsorgt, als er merkte, dass sich im Laufe der Jahre seltsame Mulden in das Material innen gefressen hatten. Bei dem Gedanken \u00fcber die Jahre so viel Alu konsumiert zu haben, war ihm mulmig geworden, wer wei\u00df schon, welche Auswirkungen das hat. (Hier sieht man schon wieder, welche Auswirkungen das erste Wort hatte, denn \u00fcber die Kaffeemaschine auf dem Herd sollte beileibe nicht beschrieben werden. Aber ein Wort ergibt in dieser Art des Schreibens das andere, wird zum Nukleus f\u00fcr eine Gedankenfrucht. Vielleicht kann das an sp\u00e4terer Stelle noch vertieft werden. Man lese dazu vielleicht auch den Essay von A.J. Weigoni zum Verfassen von Gedichten.) Die Toasts entfalteten ebenfalls schon diesen besonderen Sonntagmorgengeruch, der ihn an fr\u00fcher erinnert, als die gesamte Familie beisammen sa\u00df und ganz ohne Probleme zwei Toastbrote verkonsumiert wurden. Man bedenke, dass drei wachsende Jungs am Tisch sa\u00dfen und mal ehrlich, was sind schon acht bis zehn Scheiben, wenn es frische selbstgemachte Marmelade gibt, die nat\u00fcrlich korrekt bezeichnet Konfit\u00fcre war. Und der Rest der Familie konnte schlie\u00dflich auch essen, naja, vielleicht abgesehen von der Schwester, die eigentlich immer schon auf ihre Linie geachtet hatte. In diesem Moment betrachtet Herr Nipp seine eigene Marmelade, die eigentlich (Man beachte die H\u00e4ufung des Wortes eigentlich.) Konfit\u00fcre ist, welche er selber letztE Woche aus s\u00fc\u00dfen Kirschen gezaubert hat. In jedem Glas befindet sich eine Zitronenspalte mit Schale, auf die er sich jedes Mal bei Leeren des Glases besonders freut, da diese immer noch ein Hauch der Bitterkeit und S\u00e4ure bewahrt hat, die sie ausmacht. Aber, stellt sich ein Problem in den Weg, ist diese Konfit\u00fcre nicht doch Marmelade, da sie doch Zitrusfrucht enth\u00e4lt? Fragen \u00fcber Fragen. (Bis hierher ergibt sich alles Geschriebene nur aus dem Wort Milch, die eigentlich Geschichte folgt noch. 9.51 Uhr)<br>Er nimmt sich die gro\u00dfe und schwere Holzplatte aus Eichenholz, stellt alle ben\u00f6tigten Dinge darauf und tr\u00e4gt auf der Terrasse auf. Dort sitzt er dann eine ganze Weile und speist. An der Glasscheibe vorbei, die ein Freund (der Hase &#8211; das ist eine klare Insiderinformation) mit einem Hasen bezeichnet hat, blickt er in den Garten und kann sich gar sattsehen, in der Nachbarschaft wird ein M\u00e4her angeworfen, starke Maschine, da schreien auch fr\u00fch aufgestandene Ferienkinder, die nicht in den Urlaub gefahren sind. Der obligatorische Hund der lauten Nachbarfamilie kl\u00e4fft. (Was nicht stimmt, weder ist die Familie laut, noch kl\u00e4fft der Hund, da alle im Urlaub sind.) Nebenan f\u00fchrt jemand ziemlich erregt ein offenbar gesch\u00e4ftliches Telefonat. Die V\u00f6gel ziehen sich in die Heimlichkeit der Geb\u00fcsche zur\u00fcck, weil sich die Elstern mal wieder anschicken gemeinsam auf Jagd zu gehen und da rette sich, wer kann. So friedlich diese intelligenten Singv\u00f6gel die ganze Wiese entmoosen k\u00f6nnen auf der Suche nach K\u00e4fern und anderen Insekten, so ausgekl\u00fcgelt und pr\u00e4zise sind die Jagdstrategien und wer einmal entdeckt wurde, der hat keine Chance. Und wer sagt, dass k\u00f6nnen doch keine Singv\u00f6gel sein, wenn die so gemein jagen, dann beobachte er doch einmal so eine Meise den ganzen Tag \u00fcber, die macht auch nichts anderes auf anderer Ebene. Und nach und nach versinkt er in seinem Morgengedanken \u00fcber V\u00f6gel, Garten, Nachbarn und \u00fcberhaupt alles. Er hat die ersten Telefonate hinter sich gebracht. Alles ist gut. Als er aufsteht, um noch Kaffee zu holen, merkt er, dass es bereits 10 Uhr ist ( Man bemerke die Parallelit\u00e4t zum tats\u00e4chlichen zeitlichen Geschehen. 9.58Uhr). Anderthalb Stunden vertr\u00f6delt, dabei hat er noch so viel zu tun an diesem Tag. Das ist mal wieder Beweis f\u00fcr ihn, dass das Fr\u00fchst\u00fccksfernsehen einfach zu viel Zeit klaut. So, das war es einfach, nichts Besonderes, das muss zugegeben werden, aber der eigentliche Gedanke ist immerhin festgehalten worden. Dabei unterbrochen von zwei realen Telefonaten. 10.08 Uhr)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(An dieser Stelle muss es einfach mal gesagt werden, nicht der erste Satz ist das Problem, es ist das erste Wort. Selbst wenn die ganze Geschichte schon im Kopf beieinander ist, das erste Wort muss gefunden werden, damit alles einen &hellip; <a href=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=6838\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-6838","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6838","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6838"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6838\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6839,"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6838\/revisions\/6839"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6838"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6838"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6838"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}