{"id":6560,"date":"2018-07-15T20:10:17","date_gmt":"2018-07-15T18:10:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=6560"},"modified":"2018-06-27T20:48:38","modified_gmt":"2018-06-27T18:48:38","slug":"die-geschichte-vom-sandkorn-1993","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=6560","title":{"rendered":"Die Geschichte vom Sandkorn (1993)"},"content":{"rendered":"<p>Er konnte sich noch ganz gut erinnern &#8211; als er im Bett lag &#8211; was einst gewesen war, zwar nicht an die ersten Anf\u00e4nge, denn die lagen schon so lange zur\u00fcck, aber doch an das, was wichtig war. Damals noch als Teil des Ganzen, als Teil dieser Muschel. Sie lebte Jahre lang in zirka 15 Metern Tiefe an der Holl\u00e4ndischen K\u00fcste.<br \/>\nEines Tages wurde sie gefressen, er wusste es nicht genau, war es ein Krebs gewesen oder ein Fisch? Jedenfalls blieb nur die Schale zur\u00fcck, ohne Leben, dazu verurteilt, langsam zersetzt zu werden. Irgendwann, nicht lange lange nach jenem tragischen Ungl\u00fcck lagerten sich Algen an belebten das Ganze noch mal, aber auch das war nicht von langer Dauer. W\u00e4hrend einer st\u00fcrmischen Novembernacht, das ganze Mehr war aufgew\u00fchlt, wurde die Muschel an Land gesp\u00fclt. Nun lag sie da, zwischen tausenden anderen Schalen, Quallen und anderen Tier- und Pflanzenresten im Schaum des verschmutzten Strandes von Petten. Am n\u00e4chsten Tag verdorrten auch schon die Algen. Es war wohl nur ein dummer Zufall, dass eines der Pferde, die t\u00e4glich am Strand spazieren geritten wurden, auf eben jene kleine geb\u00e4nderte Muschel trat und diese in hunderte kleiner Teile zerbrach. So wie wohl alles im Dasein aus mehr oder weniger dummer Zuf\u00e4lligkeit bestand. Nun war er aus der Mitte gerissen, an des Rand eines der Bruchst\u00fccke gekommen. Jeden Tag kamen Flut und Ebbe, Flut und Ebbe. Und scheuerten die St\u00fcckchen \u00fcber den sandigen Boden, an anderen Muscheln, an kleinen Steinchen. Irgendetwas, es war schon Fr\u00fchling, denn drau\u00dfen wurde es w\u00e4rmer, war auch er abgescheuert und lag da zwischen abermillionen anderer Sandk\u00f6rner, ganz alleine.<br \/>\nEin kleiner Junge mit Plastikeimer und ebensolchem Sch\u00fcppchen machten zu Ostern mit seinen Eltern Ferien. Oft war er am Strand, schaffte Sand in das Eimerchen und entlud diesen einige Meter entfernt auf Sandhaufen, um Burgen zu bauen. Das kleine Sandkorn war auch dabei und kam so zirka 20 Meter vom Meer weg auf einer Sandburg erstmal zur Ruhe.<br \/>\nSolche Burgen jedoch sind nicht von Dauer und verfallen bekanntlich schnell wieder. Nur wenige Tage sp\u00e4ter war die wirklich gro\u00dfe burg, vor der Flut zwar gesch\u00fctzt, schon zu einem kleinen Haufen zerfallen. Aber die Stelle, in der N\u00e4he der D\u00fcnen blieb ver\u00e4ndert, es war ein wenig windgesch\u00fctzt dort. Andere Leute schaufelten sich eine Mulde., um sich dort an den Strand zu legen. Selbst zu Pfingsten und eine Woche sp\u00e4ter war die Kulhe dort noch vorhanden und wurde von Strandbesuchern gerne benutzt. Das Sandkorn interessierte\u00a0 sowas \u00fcberhaupt nicht, gedachte es doch f\u00fcr immer am Strand liegen zu bleiben. Aber daraus wurde auch nichts.<br \/>\nwieder einmal der Zufall wollte es, dass es mit vielen seiner Kollgen, es m\u00f6gen einige hundert gewesen sein, in den mittellangen Haaren eines jungen Mannes h\u00e4ngen blieb. Es wanderte so bis zur Kopfhaut, ohne etwas selbst dazu zu tun, und setzte sich in einer Pore fest. Beim Duschen wurde es so nicht wie viele seiner Genossen in die Kanalisation gesp\u00fclt und machte stattdessen eine \u00fcber 200 Kilometer lange Reise nach Siegen mit. dort jedoch, im Bett des Studenten, fiel es herunter und lag da einen Tag so.<br \/>\nEs dachte gerade \u00fcber seinen Werdegang nach, als es das surrende Ger\u00e4usch eines uralten Staubsaugers wahrnahm. Aber woher soll so ein Sandkorn schon wissen, was f\u00fcr eine Aufgabe dieser hatte, als er auf dem Bett hin und her gef\u00fchrt wurde&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er konnte sich noch ganz gut erinnern &#8211; als er im Bett lag &#8211; was einst gewesen war, zwar nicht an die ersten Anf\u00e4nge, denn die lagen schon so lange zur\u00fcck, aber doch an das, was wichtig war. 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