{"id":6403,"date":"2017-07-10T08:55:49","date_gmt":"2017-07-10T06:55:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=6403"},"modified":"2017-07-10T08:56:27","modified_gmt":"2017-07-10T06:56:27","slug":"6403","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=6403","title":{"rendered":"Gesangstunde"},"content":{"rendered":"<p>Als er die T\u00fcr \u00f6ffnet, stehen im Flur f\u00fcnf junge M\u00e4nner. Dem ersten Enidruck nach eine sehr internationale Runde. Europ\u00e4ische und Nordafrikanische, Asiatische Gesichter blicken ihm freundlich entgegen. Sie scheinen etwas erstaunt, haben nicht erwartet, dass noch jemand auftaucht. Herr Nipp fragt, ob es in Ordnung sei, wenn er bleibe. Dem Wunsch wird offensichtlich gern entsprochen. Er nimmt sich also einen der herumstehenden Stapelst\u00fchle und wartet ab. Eigentlich wei\u00df er gar nicht, was hier passieren wird, er wurde einfach eingeladen, mal reinzuschauen, einfach so, vielleicht irgendwann mal R\u00fcckmeldung zu geben. Die f\u00fcnf, einer spielt eine akustische Gitarre, wollen ein spanisches Lieb einstudieren. Vier von ihnen treffen schnell die T\u00f6ne, einer haut jeweils um einer halbe Note oder mehr daneben. Aber sie haben alle ihren Spa\u00df dabei. Lachen, singen, sprechen. Die Sprache des Liedes ist allen, abgesehen von Gitarristen, der das Lied geschrieben und komponiert hat, v\u00f6llig unbekannt, aber so ging es ihnen wohl vor einem Jahr auch mit der deutschen Sprache und sie lernen schnell. Unverst\u00e4ndnis macht nichts, solange es Menschen gibt, die irgendwie teilnehmen oder sogar helfen. Weiche Kl\u00e4nge in verschiedenen Tonlagen, vom Bass bis zum Tenor. Offenbar keine Gelernten, keine S\u00e4ngerprofis. Aber sie machen schnelle Fortschritte, denn sie wollen und haben daran ihre offenbare Freude. Herr Nipp ist begeistert, wie schnell aus dem seltsamen Stimmengemisch eine gemeinsame Chorstimme, ein Klangk\u00f6rper wird. Der Leiter spricht \u00fcber das richtige Atmene und Pausen, \u00fcber bops und Bridges. Weiche Stimme, wohlwollendes Lehren. Schnell wird der Besucher gar nicht mehr wahrgenommen, Finger schnipsen und die schlanken K\u00f6rper geraten in Bewegung. Das Lied wird immer wieder begonnen, unterbrochen von Gel\u00e4chter, selten zu Ende gesungen. Irgendwann beginnt auch der Eindringling mitzusingen oder zumindest zu summen. Zufrieden sitzt er da, hat den Blick verschlossen, die augen geschlossen und will nicht st\u00f6ren, einch genie\u00dfen. Die Klangbilder kann er v\u00f6llig in sich aufbauen. Die wechselnden Farben und Formen, welche sich langsam w\u00e4lzend durch seinen inneren Raum bewegen. So etwas erlebt man viel zu selten, denkt er. Er muss an ein Gespr\u00e4ch mit einem jungen Bekannten denken, der ihm sagte, dass die Menschen viel zu h\u00e4ufig ihre Augen beim H\u00f6ren nicht geschlossen haben. Menschen m\u00fcssten die inneren Bilder der Musik erst sehen lernen, um die Musik auch nur halbwegs verstehen zu k\u00f6nnen. Aber Herr Nipp wei\u00df, dass der gr\u00f6\u00dfte Teil der Menschheit \u00fcber diese Gabe des inneren Sehens nur rudiment\u00e4r verf\u00fcgt. Die meisten Menschen haben strickte Barrieren zwischen ihren Sinnen errichtet. Sie k\u00f6nnen keine Farben in den T\u00f6nen erkennen und keine Formen in den Rhythmen, sie leben strikter. Vielleicht sollte Herr Nipp auch musik machen? Doch dann muss er wieder daran denken, wie kl\u00e4glich bisher alle Versuche gescheitert sind. Selbst aus dem nicht gerade hochkar\u00e4tigen Schulchor wurde er damals ausgeschlossen. &#8222;Du hast eine Stimme wie rostiges Blech. Ich halte auch nichts von der These, dass jeder singen lernen kann!&#8220; In den fr\u00fchen achtziger Jahren gab es auf dem Land noch keine Kuschelp\u00e4dagogik.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als er die T\u00fcr \u00f6ffnet, stehen im Flur f\u00fcnf junge M\u00e4nner. Dem ersten Enidruck nach eine sehr internationale Runde. Europ\u00e4ische und Nordafrikanische, Asiatische Gesichter blicken ihm freundlich entgegen. Sie scheinen etwas erstaunt, haben nicht erwartet, dass noch jemand auftaucht. 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