{"id":6209,"date":"2017-05-12T09:15:27","date_gmt":"2017-05-12T07:15:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=6209"},"modified":"2017-04-17T09:56:53","modified_gmt":"2017-04-17T07:56:53","slug":"jener","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=6209","title":{"rendered":"jener"},"content":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrlich wei\u00df er selber, dass er sich kaum einmal \u00fcber zwei oder drei Stunden am St\u00fcck konzentrieren kann, zumindest dann, wenn es darum geht zu schreiben. So setzt er sich meist morgens sehr fr\u00fch an seinen mit dem Netz gekoppelten Rechner. Kurz schaut er auf die Seite des Deutschlandfunks, da finden sich meist die wichtigsten aktuellen Nachrichten. Dort findet sich meist der Schrecken, ohne dass es Bilder gebraucht, in Worten. Das Versagen der Menschen in Bezug auf das Denken und Handeln. Die demokratischen und autokratischen Katastrophen, die unser Denken besetzen, die Realit\u00e4t ver\u00e4ndern und das Tun beeinflussen. Jedesmal wei\u00df er dann, dass letztlich ein Grundzustand hergef\u00fchrt werden muss. Es geht in der Weltpolitik darum, eine Grundangst zu sch\u00fcren, als Dauerzustand, damit die Menschen still bleiben, dann, nur dann vielleicht, werden sie auch mit Brot und Spielen belohnt. Jedes Aufmucken bringt die Eliten in Gefahr, bringt das angesammelte Verm\u00f6gen in Gefahr, welches \u00fcber Generationen weitervererbt wurde. Blasierte Bengel, die sich nun als Unternehmer bezeichnen, erben Wahnsinnssummen, die sich automatisch durch Dividenden weitervermehren. Wahnsinnssummen, f\u00fcr die andere geschaffen haben. Gerechtigkeit ist anders; wer allerdings Angst hat, wird dagegen nichts unternehmen. Eine Gesellschaft wird Akkumulatoren und der Katalysatoren bed\u00fcrfen, um Ver\u00e4nderungen anzustreben und von diesen gab es bisher in der Weltgeschichte nur wenige. Und diese haben dann auch nur kurz aufgeblitzt und sind letztlich doch gescheitert. Wer hell brennt, vergl\u00fcht schneller.<\/p>\n<p>Zwischendurch setzt er seinen Kaffee auf, der aus einer gro\u00dfen, einer breitrandigen Tasse mit viel Milch getrunken wird. Nicht weil dies etwa besser schmeckt als schwarz, aber so kommt er schnell an seinen Suchtstoff, ohne sich den Mund zu verbrennen. Den letzten Schluck aus der Bialetti trinkt er nat\u00fcrlich pur. Schwarz, w\u00fcrzig mit einem Hauch Lakritzgeschmack.<\/p>\n<p>Dann beginnt er zu schreiben. Wort f\u00fcr Wort, erst langsam, darauf immer rauschhafter. Ausgehend von seinen Notizen, die er \u00fcber den Tag gemacht hat, von den Erinnerungen an eine ferne Vergangenheit, von der er glaubt, es sei besser, sie nicht zu vergessen. Ausgehend auch von seinem wenigen Wissen, der ihm eingepflanzten Bildung, den gelesenen B\u00fcchern. Er wei\u00df, dass er irgendwann beginnen wird zu vergessen, wie sein Vater, Demenz, dann will er zumindest diese wenigen Erinnerungen schriftlich erhalten haben, damit er sie sich vielleicht lesend noch einmal erschlie\u00dfen kann. Damit andere Menschen diese Gedankenfragmente, diese erlebte Geschichte lesen k\u00f6nnen und dann herzlich dar\u00fcber lachen. Ja, dieses herzliche Lachen \u00fcber das Absurde der Perspektive ist ihm wichtig. Das Leben, das wei\u00df er inzwischen, ist ein l\u00e4cherlicher Zustand, der von Zuf\u00e4llen bestimmt ist und an diesen h\u00e4ngt. Gl\u00fcck und Schicksal sind eins, Ungl\u00fcck und Schicksal auch. Wenn nun Zufall Gl\u00fcck ist, ist er auch Schicksal und gleichzeitig Ungl\u00fcck. Jenseits der gesch\u00fcrten Angst werden die Dinge absurd. Denn versuchen wir doch einmal die Normen abzulegen, die Gepflogenheiten beseite geschoben, die Moral tabularasa. Dann betrachten wir doch einmal unser Handeln als Abstrakt. Jedes Handeln ist Auspr\u00e4gung unserer Kultur. Jedes Reden eine Verschleierung. Und genau darum schreibt er, er hat unsere L\u00e4cherlichkeit im Streben erkannt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrlich wei\u00df er selber, dass er sich kaum einmal \u00fcber zwei oder drei Stunden am St\u00fcck konzentrieren kann, zumindest dann, wenn es darum geht zu schreiben. So setzt er sich meist morgens sehr fr\u00fch an seinen mit dem Netz gekoppelten &hellip; <a href=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=6209\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-6209","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6209","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6209"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6209\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6212,"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6209\/revisions\/6212"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6209"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6209"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6209"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}