{"id":6028,"date":"2017-04-10T09:59:10","date_gmt":"2017-04-10T07:59:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=6028"},"modified":"2017-04-10T09:59:10","modified_gmt":"2017-04-10T07:59:10","slug":"idyll","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=6028","title":{"rendered":"Idyll"},"content":{"rendered":"<p>Die meisten Menschen glauben wahrscheinlich, ein Idyll m\u00fcsse aufger\u00e4umt sein, so sieht man es in den neuen Stadtteilen, wo die Vorg\u00e4rten nach geradezu milit\u00e4rischem Ma\u00dfstab gedrillt werden (Bitte denken sie sich jedes Wort dieses Satzes mit einem gerollten r). Da stehen dann centimetrisch genau kalkulierte Buchsbaumk\u00fcgelchen in exakter Reihe oder alexandrinischem Rhythmus und scheinen dem Besucher zu salutieren wie klarzumachen; hier ist alles geregelt, verh\u00e4ltst du dich anders, st\u00f6rst du dieses Idyll und wirst verwiesen. Diese Vorg\u00e4rten werden von aufstrebenden jungen Familien angelegt, die damit dokumentieren, dass es sich lohnt zu arbeiten, dass es sich lohnt, in allem diszipliniert zu sein. Ja, auch der Vorgarten ist \u00e4hnlich wie das Auto immer tadellos sauber zu halten. Gut, das erinnert an eine dieser freudschen Phasen kindlicher Entwicklung, aber das soll hier nicht weiter vertieft werden. Meist kann man dann beobachten; diese G\u00e4rten werden sich die n\u00e4chsten zwanzig bis drei\u00dfig Jahre nicht ver\u00e4ndern, es sei denn, es kommt eine Scheidung dazwischen und das ist in den besten, \u00e4u\u00dferlich geradezu heiligen Familien ja nicht ausgeschlossen. Ein solches Idyll n\u00e4mlich sch\u00fctzt vor Langeweile nicht. Dann aber, also in beiden F\u00e4llen, r\u00fcckt pl\u00f6tzlich ein Bautrupp an. Inzwischen sind die Schulden bezahlt, man kann wieder investieren. Nach dem Plan des Gartenbaumeisters, der sich hochtrabend Landschaftsgestalter nennt oder besser noch Landschaftsarchitekt, wird dann die n\u00e4chste Katastrophe gebaut. Weniger Gr\u00fcn, mehr Stellfl\u00e4che, noch betonierter, kaschiert mit einigen echten Plastersteinen aus Granit, Porphyr oder Basalt. Der braune Boden muss nun nicht mehr gej\u00e4tet werden, denn \u00fcber diesem befindet sich ein atmungsaktiver Filz und eine noch dickere Lage Rindenmulch, jeglicher F\u00e4rbung. Auch gerne verwendet werden f\u00fcr solche Kleinodien der brutalistisch feinf\u00fchligen Gartenbaukunst dann ganze Fl\u00e4chen hellgrauer gebrochener und in einer Tonne abgerundeter Steine, dazwischen stehen allerdings wieder einige Buchsb\u00e4ume und zu skulpturalen Erlebnissen, \u00e4sthetischen H\u00f6hepunkten geschnittene Nadelgeh\u00f6lze, manchmal auch eine dieser unglaublich gut in die hiesige Landschaft passenden Araukarien, die eine Ahnung von der inneren Verbundenheit der Besitzer mit der japanischen oder asiatischen Kultur geben. Sehr schnell verucht Herr Nipp solchen geleckten Wohngebieten zu entkommen, immer wieder von Sch\u00fcttelfrost geplagt, wei\u00df er doch um die Ehrlichkeitsvermeidungsstrategien der dort lebenden Menschen. Wei\u00df er doch um deren &#8222;Wir haben es geschafft&#8220; &#8211; Gef\u00fchl. Gl\u00fccklicherweise hat er das lange hinter sich gelassen. Nie wieder wird er den Fehler begehen, einen solchen Verunstalter, nein, Gestalter in seinen Garten zu lassen. Dann soll es lieber h\u00e4sslich aussehen mit den vielen Gebrauchtsteinm\u00e4uerchen, die er selber gesetzt hat, den Hochbeeten und den \u00fcberall sprie\u00dfenden Pfl\u00e4nzchen, die \u00fcber die Jahre mit anderen Naturgartenenthusiasten getauscht wurden, f\u00fcr welche er restlose Begeisterung aufbringen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die meisten Menschen glauben wahrscheinlich, ein Idyll m\u00fcsse aufger\u00e4umt sein, so sieht man es in den neuen Stadtteilen, wo die Vorg\u00e4rten nach geradezu milit\u00e4rischem Ma\u00dfstab gedrillt werden (Bitte denken sie sich jedes Wort dieses Satzes mit einem gerollten r). 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