{"id":5554,"date":"2017-11-21T09:26:39","date_gmt":"2017-11-21T08:26:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=5554"},"modified":"2017-02-07T19:42:43","modified_gmt":"2017-02-07T18:42:43","slug":"gemuese","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=5554","title":{"rendered":"Gem\u00fcse"},"content":{"rendered":"<p>Sie hatte ihm einen Gem\u00fcsekuchen gebacken, mit viel Liebe versteht sich. Salz und Pfeffer auch. Mit Zucchini und M\u00f6hren, mit Lauch und Zwiebeln, etwas Steckr\u00fcbe. Leider hatte sie am vorigen Tag die M\u00f6hren drau\u00dfen liegen lassen. &#8222;Die waren kn\u00fcppelhart, ganz gefroren.&#8220;\u00a0 Also nicht so viel davon, zu anstrengend sie sorgf\u00e4ltig zu sch\u00e4len. Au\u00dferdem kriegt man kalte Finger davon. Abgerundet mit etwas Sellerieknolle. Eine K\u00e4se-Ei-Sauce dar\u00fcber gegossen und unten drunter Hefeteig. Man kann sich diese mit Muskat und Gem\u00fcsebr\u00fche abgeschmeckte K\u00f6stlichkeit schon vorstellen. Ein Bild, um hier nicht die abgestandene und ausgelaugte Metapher des Gedichtes bem\u00fchen zu m\u00fcssen. Wer liest noch diese sprachlichen Verdichtungen freiwillig? Ausmalen geht mit Bildern auch viel besser\u00a0 &#8211; als mit Lyrik versteht sich.<\/p>\n<p>Der Tisch war wundersch\u00f6n gedeckt, zwischen den Tellern romantisch anmutende Blumendekorationen und Kerzen aus duftendem Bienenwachs. Auch das gute Silberbesteck ihrer Gro\u00dfmutter hatte sie gedeckt und tats\u00e4chlich Stoffservietten gefunden, die man sonst nur noch aus gehobener Gastronomie kennt. Wer um das B\u00fcgeln wei\u00df, der hat eine Ahnung, warum im privaten Kreis die Papierserviette genutzt wird, die inzwischen ja auch zu verschiedenen Anl\u00e4ssen entsprechend dekoriert ist. Im Dekantierer leuchtete der geatmete Wein rubinrot &#8211; es w\u00fcrde Dunkelfelder von der Nahe geben. Ein nicht so h\u00e4ufig getrunkener Tropfen, der von einem erfahrenen Winzer stammte, welcher die ganz eigenen Geschmacksnoten dieser Traube herauszukitzeln verstand. Nicht zu verwechseln mit dem allseits zu habenden Dornfelder, der diese geschmackliche Tiefe und Vielfalt nat\u00fcrlich nicht ann\u00e4hernd erreicht. Schon immer hatte Herr Nipp es gesch\u00e4tzt, wenn er solche Weine entdeckte, die es nicht an jeder Ecke gab. Die sich manchmal als Neuz\u00fcchtungen herausstellten, meist aber als alte wiederentdeckte Sorten. In S\u00fcdtirol war es der Blatterle gewesen, der ihn mit seiner frechen Note sofort begeistert hatte. Echte Wei\u00dfweinspritzigkeit, vielleicht vergleichbar mit dem Elbling. Aber nat\u00fcrlich ging es nicht darum, es reichte einfach, wenn es guten Wein zu trinken gab oder manchmal auch sehr guten. Dieses Gef\u00fchl, einen guten Tropfen zu genie\u00dfen. Dann war es letztlich auch egal, wie der hie\u00df. Das Atmen des Weines lie\u00df auch dieses Mal den verf\u00fchrerischen Duft von Beeren und vielleicht sogar Vanille \u00fcber den Tisch wehen. Aber letztlich versuchte er sich lediglich an Vergleichen, um sp\u00e4ter besser beschrieben zu k\u00f6nnen, was er da getrunken hatte. Es lief ihm im Mund zusammen. Probeweise schenkte er sich auf das Essen wartend zweieinhalb Finger breit ein.<\/p>\n<p>Dann der gro\u00dfe Moment, der Kuchen wurde aus dem hei\u00dfen Backofen geholt, mit zwei dicken Handschuhen zum fast feierlich zum Tisch getragen. Der Raum wurde unter der n\u00e4chsten Duftwolke fast erdr\u00fcckt. Sie z\u00fcckte das gro\u00dfe K\u00fcchenmesser mit dem schwarzen Griff, dem Stahl aus Solingen. Sie schnitt das erste, das zweite St\u00fcck heraus und platzierte sie auf die Teller, die mit \u00d6l, Balsamessig, frischen Sprossen und einigen Sesamk\u00f6rner verziert waren. Erst sehr reserviert, dann forscher, schlie\u00dflich mit Hei\u00dfhunger fielen die beiden \u00fcber den Kuchen her. Zwischendurch gl\u00e4serweise Wein. &#8222;Hm.&#8220; &#8222;Lecker.&#8220; &#8230;und manchmal auch leichtes Schmatzen. Vergessen all die romantische Kultur.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie hatte ihm einen Gem\u00fcsekuchen gebacken, mit viel Liebe versteht sich. Salz und Pfeffer auch. Mit Zucchini und M\u00f6hren, mit Lauch und Zwiebeln, etwas Steckr\u00fcbe. 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