{"id":5514,"date":"2017-03-06T08:10:00","date_gmt":"2017-03-06T07:10:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=5514"},"modified":"2017-02-07T18:51:25","modified_gmt":"2017-02-07T17:51:25","slug":"traumhaft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=5514","title":{"rendered":"Traumhaft"},"content":{"rendered":"<p>Diese Nacht hat er gar nicht geschlafen. Er hat sie verbracht. Na, wenn er ehrlich w\u00e4re, dann m\u00fcsste er zugeben, dass er viel geschlafen hat, aber die Traumzeiten sind so derma\u00dfen in Zeiten des Aufwachens, des Wachdaliegens \u00fcbergegangen, dass er gef\u00fchlt wenig geschlafen hatte. All die Sorgen, die er irgendwann beschlossen hatte, niemals mit nach Hause zu nehmen. All die Erlebnisse und Gedanken haben sich also vermischt zu einem dystopisch vision\u00e4ren Strudel, der ihn mitgezogen hatte. In die Tiefe der Seele k\u00f6nnte man sagen. In die Tiefe der H\u00f6lle, w\u00fcrde er sagen, w\u00e4re die H\u00f6lle nicht eine Erfindung der Christen \u00fcber hundert Jahre nach Christus. Wo Jesus selber nur einen Ort der D\u00fcsternis benennt, machen die Apokalypse des Johannes (welcher ist hier gemeint?) und jener apokryphe Texte angeblich nach Petrus, der auch Petrus-Evangelium genannt wird, daraus dann einen Ort unbeschreiblicher Qualen: &#8222;27 Dann werden M\u00e4nner und Weiber an den Ort gehen, f\u00fcr den sie bestimmt sind. Die gegen den Weg der Gerechtigkeit gel\u00e4stert haben, wird man an ihren Zungen aufh\u00e4ngen. Man bereitet ihnen ein nie verl\u00f6schendes Feuer. Ein anderer Strafort ist eine gro\u00dfe mit brennendem Schlamm gef\u00fcllte Grube. Darin sind Menschen, welche die Gerechtigkeit verleugnet haben. Strafengel foltern sie und z\u00fcnden das Feuer ihrer Strafe an.<br \/>\n28 Zwei Weiber sind an Nacken und Haaren aufgeh\u00e4ngt und in die Grube wirft man sie. Sie hatten sich pr\u00e4chtige Frisuren gemacht, nicht weil das gut aussieht, sondern weil sie so M\u00e4nner fangen und verderben wollten, indem sie Hurerei mit ihnen trieben. Die M\u00e4nner, die sich mit ihnen zur Hurerei niedergelegt haben, werden an den Schenkeln aufgeh\u00e4ngt in diesem brennenden Ort und sie sagen zueinander: Wir haben nicht gewusst, dass wir in die ewige Qual kommen m\u00fcssten!&#8220; Und so weiter und so fort. (Nachzulesen auf suspekten Seiten im Netz. Viel Spa\u00df dabei.)<br \/>\nUnd nichts zu tun hatten in dieser Nacht die Tr\u00e4ume mit den \u00fcblichen Kategorien von Fliegen und Fallen, von Verfolgtwerden und Nichtfliehenk\u00f6nnen. Es waren Bilder, kurze Einblendungen, die farblich durchas mit seinem sonstigen Wahrnehmen in Verbindung zu bringen w\u00e4ren, w\u00e4hrend er seine Clusterfarben hat. Diese Durchdringung von Realit\u00e4t und syn\u00e4sthetischer Wahrnehmung, die er immer wieder erlebt, wenn die W\u00f6rter Kl\u00e4nge sind und Farben, die Ber\u00fchrungen alles ausl\u00f6sen k\u00f6nnen und er sich treiben lassen kann, bis dann endlich der Schmerz kommt. Ebenso in diesen Tr\u00e4umen, er erwartete geradezu den Schmerz des Clusteranfalls und allles verdichtete sich auch dahin, aber die Erl\u00f6sung sollte sich jedesmal als Erwachen herausstellen. Nat\u00fcrlich musste er dann aus dem Fenster schauen, die Sterne funkeln sehen und darauf warten, dass der Schlaf ihn wieder \u00fcbermannen w\u00fcrde. Letztlich hatte er dieses Spiel eines Hinundher abgebrochen, war trotz Dunkelheit aufgestanden, hatte sich frisch gemacht und gefr\u00fchst\u00fcckt. Er hatte am Fenster gesessen, dem Morgengrauen zugeschaut und diesen Fr\u00fchmorgenhimmel mit seinen Farbspielen als traumhaft wahrgenommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Nacht hat er gar nicht geschlafen. Er hat sie verbracht. 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