{"id":544,"date":"2012-05-20T18:57:21","date_gmt":"2012-05-20T16:57:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=544"},"modified":"2012-05-20T18:58:10","modified_gmt":"2012-05-20T16:58:10","slug":"jager-und-sammler","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=544","title":{"rendered":"J\u00e4ger und Sammler"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?attachment_id=545\" rel=\"attachment wp-att-545\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-545\" title=\"drei Viegener Grafiken\" src=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/IMG_0823-400x266.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"266\" srcset=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/IMG_0823-400x266.jpg 400w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/IMG_0823-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/IMG_0823-148x98.jpg 148w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/IMG_0823-31x20.jpg 31w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/IMG_0823-38x25.jpg 38w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/IMG_0823-322x215.jpg 322w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>Noch langweiliger als das Angeln ist wohl nur noch, beim Angeln zuzuschauen, lautet ein weit verbreiteter Gemeinplatz. Dies ist nat\u00fcrlich nur gemein gemeint, eine blasphemische Torheit der Unwissenden, denn jeder, der nur einmal\u00a0 geangelt hat, einen ganzen Tag am Ufer sa\u00df und nichts fing, der wei\u00df, dass Angeln mehr gibt, als das Wort zu versprechen in der Lage ist. Tats\u00e4chlich verbindet dieser Sport verschiedene Bereiche, die eigentlich nicht zu vermuten sind. Bereiche, die sich fast als Paradoxie auszuschlie\u00dfen scheinen. Das Jagen als grunds\u00e4tzliche und existentielle Funktion wie T\u00e4tigkeit\u00a0 des Menschen (Mannes) einerseits, die v\u00f6llige Kontemplation und in sich ruhende Selbsterkundung auf der anderen Seite. Der Angler ist mit sich und der Welt in diskursivem zufriedenen Selbstgespr\u00e4ch. Herr Nipp wusste dies seit Jahren, hatte irgendwann f\u00fcr sich beschlossen, dass es tats\u00e4chlich drei weitere T\u00e4tigkeiten gibt, die echte Langeweile erzeugen, das Fernsehen, das Fu\u00dfballgucken und letztlich der Tr\u00f6delmarktbummel.<\/p>\n<p>Obwohl er selber in seiner Studienzeit manchen Nachmittag auf diversen dieser Trubelpl\u00e4tze des Nutzlosen verbracht, ja einen Teil des Studium damit finanziert hatte (Jeder Verwandte hat irgendwo eine Kiste mit Tr\u00f6del stehen, die er unbedingt loswerden will, das hatte er abgegriffen, sogar recht erfolgreich.). Damals war er als \u00e4u\u00dferst aktiver Verk\u00e4ufer bekannt gewesen, der es sogar geschafft hatte, einem \u00e4lteren Herrn einen alten Teppichklopfer zu verscherbeln &#8211; als antike Schmetterlingsklatsche. Nach f\u00fcnfzehn Jahren absolut anstrengungsloser Abstinenz war er nun von zwei jungen Verwandten \u00fcberredet worden. Ja, da konnte er nicht nein sagen, w\u00fcrde diese traurigen Augen nicht ertragen.<\/p>\n<p>Man hatte also schnell den Wagen bis zum Bersten beladen, B\u00fccher, betagte Badet\u00fccher, bl\u00e4tternde Bilderrahmen, br\u00f6ckelnde Blumenvasen und Nippes, eben alles, was nicht zu gebrauchen ist. Die beiden Tapeziertische dazu und schon ging es in die Altstadt ins bunte Treiben der N\u00f6rgler, nerdigen Spezialsammler f\u00fcr Zinnkr\u00fcge und zweifelnden Herunterh\u00e4ndler, der Wahnsinnigen und wahnsinnigen Sucher. Die Kinder hatten es sich auf ihren Kindergartenst\u00fchlen, die selbst auch zum Verkauf standen, bequem gemacht, verhandelten durchaus geschickt mit den ersten Kunden und freuten sich \u00fcber jede Einnahme, sprudelndes Taschengeld.<\/p>\n<p>So konnte Herr Nipp sich in Langeweile ergehen und \u00fcber den Markt streifen, um sich \u00fcber den M\u00fcll zu am\u00fcsieren, der dort angeboten sein w\u00fcrde. Man mag ja gar nicht beschrieben, was sich alles findet. Immer gut gehen nat\u00fcrlich Militaria und Orden mit Hakenkreuzen, solches Zeug wurde nat\u00fcrlich nur aus rein dokumentarischen Gr\u00fcnden gesammelt. Mit der Ideologie hatte man wirklich nichts zu tun. Allerdings kann man solche Sammler immer sehr schnell erkennen.<\/p>\n<p>An einem Stand fanden sich zwischen unertr\u00e4glichem Ramsch drei Bilderr\u00e4hmchen im Stil der 50er oder 60er Jahre mit bunten Bildchen, die ihn zum Stehen brachten, er schaute genau hin, sah die Insignien, die Kirchen Soests, die durchaus prickelnde Farbgebung und nat\u00fcrlich den sehr expressivem Schnitt dieser Grafiken. Herr Nipp schaute genauer hin und tats\u00e4chlich handelte es sich um drei Holzschnitte von Eberhard Viegener. Sch\u00f6n signiert von 1918 unf 1919. Er musste sich die Verwicklung der netten alten Hansestadt der B\u00f6rde ins Geda\u00e4chtnis rufen, all jene K\u00fcnstler, die dort Halt gemacht, die K\u00fcnstlerfreundschaften, die diese Kleinstadt historisch sogar im 20. Jahrhundert durchaus wichtig gemacht hatten. Durch Freundschaften zu Arnold Topp und Wilhelm Morgner beispielsweise. Durch die Wertung als entartet im Jahre 1933. Erst k\u00fcrzlich hatte Herr Nipp einen Abstecher durch Bilme gemacht, wo der K\u00fcnstler wohl gewohnt hatte.<\/p>\n<p>&#8222;Wieviel sollen die Bilder kosten?&#8220; &#8211; &#8222;\u00c4h, na, frag ma die Frau &#8211; \u00e4h 15, aber jedes. Ham wa au\u00dfm Kella, sin n bi\u00dfchen staubich.&#8220; &#8220; Gut, nehm ich.&#8220;\u00a0 &#8211; &#8222;\u00c4h , is das nich n bi\u00dfchen viel &#8211; ich mein, se ham nich gehandelt.&#8220; &#8222;Nein, mit dem Preis bin ich ganz zufrieden&#8220;, schloss Herr Nipp das Gespr\u00e4ch ab, musste unwillk\u00fcrlich an die Maerkszene bei &#8222;Das Leben des Brian&#8220; denken und l\u00e4chelte freundlich, packte die Bilder unter den Arm und verabschiedete sich \u00e4u\u00dferst h\u00f6flich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch langweiliger als das Angeln ist wohl nur noch, beim Angeln zuzuschauen, lautet ein weit verbreiteter Gemeinplatz. 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