{"id":4847,"date":"2016-02-04T07:07:07","date_gmt":"2016-02-04T06:07:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=4847"},"modified":"2016-02-03T22:04:23","modified_gmt":"2016-02-03T21:04:23","slug":"kerzenlicht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=4847","title":{"rendered":"Kerzenlicht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Vor sich hat er eine Tasse mit Kaffee stehen. Nein, er zuckert nicht nach, niemals w\u00fcrde er den Kaffee zuckern, das schmeckt einfach nicht, wohl gibt er einen Schuss Milch dazu. Das mildert den Geschmack etwas, k\u00fchlt das hei\u00dfe Getr\u00e4nk aus der Bialettiherdmaschine aber vor allem auf eine sofort trinkbare Temperatur ab. Keine Kondensmilch, dazu nimmt er die so in der Familie bezeichnete Lange Milch, Frischmilch, die noch gen\u00fcgend Geschmack enth\u00e4lt. Auf dem Tellerchen liegt ein St\u00fcck Butterkuchen, das er sich mittags beim B\u00e4cker besorgt hat. Ein St\u00fcck nur, h\u00e4tte er mehr gekauft, w\u00fcrde er auch mehr essen. Er wei\u00df das genau. Die Kerze hat er angez\u00fcndet, die wirft eine warmes Licht in den Raum, der ausnahmsweise mal richtig muckelig warm ist. Es war ihm kalt gewesen und er hatte den Kaminofen mit der gl\u00e4sernen Sichtscheibe ordentlich &#8222;gestocht&#8220;. Bestes Buchen- und Eichenholz gemischt mit einem Scheit Erle. Die Flammen flackern und verst\u00e4rken an diesem tristen Wolkennachmittag eine heimelige Gem\u00fctlichkeit allein. Ja, allein sitzt er da, h\u00f6rt einige Kl\u00e4nge aus Mozarts Requiem, das ihn immer so gl\u00fccklich macht. Eigentlich unglaublich, dass so traurige Musik gl\u00fccklich machen kann. Aber so ist es bei manchen Bands, manchen Komponisten nun einmal. Erkl\u00e4rbar vielleicht noch mit Erinnerungen oder der Sozialisierung. Die Musik f\u00fcllt den gesamten Raum, nein, eigentlich sogar die Wohnung aus. Ganz in die Betrachtung der Flammen versunken, sozusagen weltvergessen sitzt er da, hat ein St\u00fcckchen Kuchen auf der Gabel und v\u00f6llig vergessen, es in den Mund zu stecken, wozu auch, wenn man vom Licht vereinnahmt ist. Tats\u00e4chlich kann immer wieder beobachtet werden, wie das Licht das Verhalten von Menschen zu steuern vermag. Jedes Mal, wenn er fr\u00fch morgens zum Horizont blickt, dorthin, wo irgendwann abzusehen ist, dass der Morgen aufziehen wird. Jedes Mal, wenn er abends aus einem hochgelegenen Fenster \u00fcber die H\u00e4user seiner kleinen Stadt blickt und das Licht der untergehenden Sonne betrachtet. Jedes Mal, wenn er in den Alpen durch den bl\u00e4ulichgrauen Nebel wandert. Licht ver\u00e4ndert etwas in ihm. Er wei\u00df in diesem Moment wahrscheinlich nicht einmal, was er denn denkt, v\u00f6llig aus der Zeit gerissen schiene er einem neutralen Beobachter. Aber der ist nun einmal nicht anwesend. Alles andere ist ausgeblendet. Die ausnahmsweise vorhandene Ordnung auch.<br \/>\nIn diesem Moment klingelt es an der T\u00fcr und im Erschrecken wird es schwierig, das St\u00fcck Kuchen zu balancieren. Aus der wohltuenden Leere gerissen, schrickt er auf. Wird sich der Situation bewusst, blickt um sich, steht auf. Der magische Moment ist vergangen. Der Kuchen liegt auf dem Boden, nat\u00fcrlich mit der Oberseite zuunters.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor sich hat er eine Tasse mit Kaffee stehen. Nein, er zuckert nicht nach, niemals w\u00fcrde er den Kaffee zuckern, das schmeckt einfach nicht, wohl gibt er einen Schuss Milch dazu. 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