{"id":4538,"date":"2015-04-06T09:12:43","date_gmt":"2015-04-06T07:12:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=4538"},"modified":"2015-04-07T23:01:20","modified_gmt":"2015-04-07T21:01:20","slug":"futter-und-fuetterer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=4538","title":{"rendered":"Futter und F\u00fctterer"},"content":{"rendered":"<p>Fast jeden der anstehenden oder kommenden, der verlebten und verbrachten \u00a0Sonn- und Feiertage nutzt Herr Nipp, um in die Natur zu gehen oder mit dem Fahrrad zu fahren. Dabei gibt es ein Ziel, das seit Kindertagen schon immer wieder einmal angesteuert wird, der Park mit Tieren an einem der nahen Stauseen. Dort gibt es neben diversen H\u00fchnern und Fasanenv\u00f6geln, Ziegen und verschiedensten Schafen auch ein riesiges Areal, auf dem sich drei Hirscharten tummeln. Dam-, Sika und Rothirsche teilen sich das teilweise grasige, teilweise bewaldete Gel\u00e4nde. Alle Tiere sind den nahen Kontakt mit Menschen gewohnt. Nein, sie k\u00f6nnen den nervigen Zweibeinern, die sich am Zaun tummeln und ihre H\u00e4nde dadurch stecken, \u00a0gar nicht gro\u00dfartig aus dem Weg gehen.<\/p>\n<p>Er nimmt dann immer einiges an v\u00f6llig vertrocknetem Brot f\u00fcr die Schafe und Ziegen, im Herbst nat\u00fcrlich gesammelte Kastanien und Eicheln oder wie jetzt im Fr\u00fchling auch mal Gem\u00fcse mit, welches er im K\u00fchlschrank liegen hatte und das zum Selbstverspeisen vielleicht nicht mehr ganz so sch\u00f6n ausschaut. (An dieser Stelle muss der Autor, der ja bekanntlich den Erz\u00e4hler als Figur einsetzt und eigentlich im Text gar nicht vorhanden ist, weil es ihn nur auf dem Buchdeckel gibt, kurz mal eben aufstehen und in den K\u00fchlschrank sehen, ob denn noch Gem\u00fcse f\u00fcr den n\u00e4chsten Besuch des nahegelegenen Tiergeheges vorhanden ist oder er eventuell noch schnell auf den heimatlichen Markt muss, einige K\u00f6stlichkeiten k\u00e4uflich zu erwerben. \u2013 Hm, jetzt stehen wir allerdings vor einem Dilemma, denn wenn der Autor vom Erz\u00e4hler als Figur eingesetzt wird, kann er dann \u00fcberhaupt noch Autor sein oder ist seine Existenz etwa auch fiktiv? Wer schreibt dann die Geschichte? Gibt es einen Autor und einen Figurautor? Was, wenn jener in das Leben des anderen eingreift und umgekehrt?)<\/p>\n<p>Dann steht er, (nicht der Autor, sondern unser Protagonist) am Zaun, f\u00fcttert die gro\u00dfen Tiere, dabei am liebsten die Rothirsche und versucht sie durch den Zaun ganz heldenhaft auch zu streicheln.<\/p>\n<p>An diesem Feiertag, der irgendwas Altert\u00fcmliches abbildet, sich alte \u00c4ngste zunutze macht, \u00a0hat er sich mit seiner Begleitung gut vorbereitet, so einiges eingesteckt, auch M\u00f6hren und Wei\u00dfkohl. Die Hirsche kommen sehr schnell, bemerken, dass es endlich mal was anderes gibt als das eklig trockene Brot, welches sowieso immer Darmkoliken ausl\u00f6st.<\/p>\n<p>Sie f\u00fcttern, sie futtern in aller Ruhe, v\u00f6llig in sich versunken, streicheln die imposant gro\u00dfen Tiere, lassen sich von den noch gr\u00f6\u00dferen Tieren streicheln,\u00a0 welche so fr\u00fch im Jahr ein ziemlich struppiges Fell haben, welche so sp\u00e4t in ihrem Leben kaum noch Fell haben. Die einj\u00e4hrigen Tiere stehen immer in zweiter Reihe, ob zum Schutz oder weil die Alten gieriger sind und keine Hemmungen haben, kann Herr Nipp selber nicht sagen. So gut sind seine Beobachtungsf\u00e4higkeiten einfach nicht, aus den jahrlangen Beobachtungen auch noch irgendwelche Schlussfolgerungen zu ziehen und Vermutungen sind einfach nicht sein Ding. Bei den Zweibeinern ist es genau umgekehrt, die kleinsten stehen am dichtesten mit ihren gro\u00dfen Kulleraugen und verz\u00fcckten Blicken am Zaun. Die m\u00e4nnlichen Tiere (also die Vierbeiner, nicht die Zweibeiner &#8211; nur damit das auch jeder versteht) haben ihr Geweih im Gegensatz zu den Dam- und Sikahirschen schon vor einiger Zeit abgeworfen, l\u00e4ngst beginnt unter dem weichwarmen Bast ein neues zu wachsen. Mit unglaublicher Geschwindigkeit.<\/p>\n<p>Zwei sehr gut mit buntgl\u00e4nzenden Modest\u00fccken der erd\u00f6labh\u00e4ngigen Kunsttextilindustrie gekleidete Frauen kommen mit ihren puppenhaften Kindern n\u00e4her, \u00fcberlassen jenen kleinen zarten Wesen die Vorr\u00e4te, damit diese den Tieren ihre Speisen zukommen lassen sollen. Pl\u00f6tzlich schnappt sich die etwas \u00e4ltere der beiden eines der Kinder und zieht es ruckhaft vom Zaun zur\u00fcck. Lautes Emp\u00f6rungsgebr\u00fcll des s\u00fc\u00dfen Balges folgt. Verwundert schauen Herr Nipp und seine Begleitung zur\u00fcck und verfolgen den folgenden Dialog. (Jegliche Kritik an dieser Stelle, die Einleitung sei zu lang gewesen, m\u00f6chte ich unterbinden. Sehen wir diese Geschichte der Einfachheit als kleinen Teil eines \u00fcber tausendseitigen Romans, dann ist es doch fast schon freundlich, solcherart Erl\u00e4uterungen so kurz zu fassen. Es soll ja sogar Romane geben, welche die gleiche Geschichte mehrfach wiederholen und gerade daf\u00fcr von Leserinnen geliebt werden, gerade wenn es sich um detailreiche Schilderungen bestimmter Praktiken geht, bei denen auch Peitschen und Stricke verwendet werden. Und ich meine hier ausdr\u00fccklich nicht Rodeos in Amerika.)<\/p>\n<p>\u201eGlaube de Dinger sin krank oda so, besser, wenn de Kinder se nich anpacken tun.\u201c \u201eWarum\u00a0 solln se denn krank?\u00a0 H\u00e4tte da aufem Schild gestanden oder se h\u00e4ttn n Park gesperrt.\u201c \u201eDen k\u00f6nnse nich sperren, weil diss is n \u00f6ffentlicher Weg.\u201c \u201eWie kommste denn daarauf?\u201c \u201eNa, Ding da hat n paar Mal geniest und de andern haben scheel geguckt, als w\u00fcssten se ganz genau, dass alle bald tot sin. Apropos geweiht, haste bemerkt, dass die Hirsche alle kein Geweih haben? Die ham schwere Grippe, dass den de Dinger vom Kopf gefallen sin.\u201c \u201e Ach so, das meinste. Nee, da brauchste keine Angst. De werfen de Dinger immer zwei drei Mal im Jahr ab. Ich glaube im Fr\u00fchling und im Herbst und manchma im Sommer.\u201c \u201eWei\u00dfte noch letztes Jahr, da hattense im Herbst auch son Keuchhusten. Aber haste die ekligen Geschw\u00fcre am Kopf gesehen, da komm sogar schon Beulen raus. Nee, das is gef\u00e4hrlich.\u201c<\/p>\n<p>Es gibt Tage, da w\u00fcrde sich gerne Herr Nipp \u00a0in fremde Gespr\u00e4che einmischen, inzwischen wei\u00df er allerdings, dass genau das nicht so gut ankommt. Ein weiteres P\u00e4rchen kommt dazu und moniert, dass die Hirsche kein Brot bekommen sollen. Er sieht seiner Begleitung tief in die Augen und beide wissen, dass es genau jetzt besser ist, schnell zu gehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fast jeden der anstehenden oder kommenden, der verlebten und verbrachten \u00a0Sonn- und Feiertage nutzt Herr Nipp, um in die Natur zu gehen oder mit dem Fahrrad zu fahren. 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