{"id":4454,"date":"2015-03-09T10:41:30","date_gmt":"2015-03-09T09:41:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=4454"},"modified":"2015-02-01T10:42:26","modified_gmt":"2015-02-01T09:42:26","slug":"gezeitengespraech-xxxiii","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=4454","title":{"rendered":"Gezeitengespr\u00e4ch XXXIII"},"content":{"rendered":"<p><b><i>Zeitfern:<\/i><\/b> Fragen wollen wir beantworten. Ja. Nicht jetzt. Da dr\u00e4ngen andere \u201eSachen\u201c. Heute ein Gespr\u00e4ch gehabt mit einem gesch\u00e4tzten Menschen. Sie hat vor Wochen ihren Mann verloren. Tot. Ja. Pl\u00f6tzlich ist alles anders. Kein Arm in der Nacht. Keine Worte mehr. Kein wehendes Nachtlicht. Wir mittendrin in der Erinnerung. Die Zeichen auf ihrem Gesicht: Keine Blume oder Taube. Erinnerungen der Winde. Alles kehrt wieder. \u201eDer Tod f\u00e4nde sich reiner zurecht\u201c, sagt Rilke. Wir sezieren das Leben. Alles ist Vergangenheit. Alles beginnt jetzt neu. Sch\u00f6n gesagt. Der Kopf will nicht. Vergiss, vergiss es und stehle dich fort. Doch das Schwarz ist in den Ohren: \u201eDer Sterbetag\u201c. Das Dunkle gebe ich dir. Sein feinster Fl\u00fcgel: Ist Atmen, ist Rede, sind W\u00f6rter. Erinnerung &#8212; gleich Ger\u00e4usch, sagt Sartorius. Wie soll man so viele Jahre in drei Stunden besprechen? Doch die Zeit danach ist lang. Und nach vielen W\u00f6rtern singt die Geige wieder. Mein lieber Zeitnah, bin etwas traurig. Doch eine Frage w\u00e4re beantwortet von dir: Warum k\u00f6nnen wir uns freuen? Es gibt nur diese Antwort im Kontrast.<\/p>\n<p><b><i>Zeitnah (hiesig):<\/i><\/b> Einfach gesagt, k\u00f6nnte ich jetzt schlie\u00dfen, hier an dieser Stelle einen Schlussstrich ziehen, weil sich aus deiner Betrachtung ein Rekurs auf den Anfang unseres Gespr\u00e4ches einfach herstellen lie\u00dfe. Die Betrachtung der Vergangenheit, jene Beton- und Strohrollen, auf denen wir hin und her gesprungen sind. Ganz selbstverliebt und der Gefahren nicht bewusst, die uns das Leben, die Jahrzehnte, die Bekannt- und Liebschaften bringen sollten. Aber das w\u00e4re wohl nur ein billiger Trick. Schnell einen Rahmen setzen, damit alles eine Wohlordnung hat: Ja sicher, das w\u00e4re m\u00f6glich, und du, mein Lieber, wirst das wohl einkalkuliert haben. Aber dann drehst du diese in sich kreisende Sehnsuchtsmusik auf, die nach Bildern verlangt und ich sehe, wir sind lange nicht am Ende. Tod. Ja, auch damit k\u00f6nnen wir leben, denn \u201eEs sterben immer nur die anderen.\u201c (Montaigne) Und wir haben die Aufgabe, die Erinnerung nicht der Geschichte preiszugeben, sondern Schl\u00fcsse zu ziehen und diese weiter zu reichen. Es gibt keine Antwort, da es keine Frage gibt, da bei\u00dft sich der Hund oder die Katze, die verteufelte Schlange in den Schwanz. Was wir n\u00e4mlich immer noch nicht verstehen, das Leben an sich.<\/p>\n<p><b><i>Zeitfern:<\/i><\/b> Doch so wollen \u201ewir\u201c nicht enden in unserem Gespr\u00e4ch. Diese vielen Varianten im Leben, sch\u00f6n, h\u00e4sslich, da kann ich die Wellen wahrnehmen. Deine Frage. Gibt es ein Flattern der Wellen? Im Zwinkern der Augen ja. Doch die Schatten sind gespr\u00e4chiger. Das Licht hat andere W\u00f6rter. Einen blauen Glanz. K\u00fchle im Blinzeln am Strand. Urlaub, ich laufe in das Wasser, bewundere die Fu\u00dfspuren. In den Bergen ist das anders. Man muss genau hinsehen auf den Wegen. Da ist dieser glatte Felsstein. Geschliffen von vielen, ganz vielen Schuhen. Man wei\u00df: Hier sind Menschen gelaufen. Nach oben. Der Rest vor dem Himmel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeitfern: Fragen wollen wir beantworten. Ja. Nicht jetzt. Da dr\u00e4ngen andere \u201eSachen\u201c. Heute ein Gespr\u00e4ch gehabt mit einem gesch\u00e4tzten Menschen. 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