{"id":4206,"date":"2014-10-05T10:59:28","date_gmt":"2014-10-05T08:59:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=4206"},"modified":"2014-10-05T17:05:02","modified_gmt":"2014-10-05T15:05:02","slug":"eckspelunke","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=4206","title":{"rendered":"Eckspelunke"},"content":{"rendered":"<p>Wieder einmal sitzt Herr Nipp in jener kleinen Eckspelunke, welche er vor ein paar Wochen f\u00fcr sich entdeckt hat. Eigentlich kann man ihn ja wirklich nicht gerade als Kneipengeher bezeichnen, selbst in seinem langen, einige sagen, viel zu langen Studium, hatte er sich vielleicht zehn Mal in all den Jahren abends mit ein zwei guten Studienfreunden in ein Lokal gesetzt. Dies war nicht nur seiner Sparsamkeit geschuldet, auch wenn er durchaus zu eben dieser geneigt hatte. Lieber sparsam leben und weniger neben dem Studium arbeiten m\u00fcssen, als einen auf dicke Hose zu machen, dabei aber jede freie Minute arbeiten zu gehen. Wobei ihn hier schon die Frage geplagt h\u00e4tte, was denn Freiheit ist. Auch heute glaubt er, dass die Menschen mit dem Begriff Freiheit vor allem Tr\u00e4gheit verbinden. Nicht tun zu m\u00fcssen. Er selbst war allerdings der Meinung, dass die Freiheit nichts mit Geld zu tun hatte, sondern damit, sie sich selbst t\u00e4tig und vor allem t\u00e4glich erarbeiten zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Aber das soll eigentlich gar nicht thematisiert werden. Jedesmal, wenn ich \u00fcber diesen Herrn nachdenke, komme ich vom H\u00f6lzchen aufs St\u00f6ckchen oder wie meine Mutter immer sagte vom Hundertsten ins Tausendste. Oft ergeht es mir dabei allerdings so, dass die kleinen Begebenheiten v\u00f6llig aus dem Auge zu geraten drohen und zum Schluss wei\u00df ich gar nicht mehr, worum es eigentlich hatte gehen sollen. Vielleicht sollte sich der Erz\u00e4hler aber auch v\u00f6llig zur\u00fcckhalten und seine eigene Meinung oder sein schreibendes Handeln gar nicht kommentieren. Er wird dadurch wahrscheinlich viel zu transparent. Aber da es hier ja schlie\u00dflich nicht um Literatur geht, und das ist kein Fishing for Compliments, sondern durch eine h\u00f6here, hier nicht weiter zu bezeichnende Instanz festgesetzt, darf ich auch mal das bezeigen, was meiner Realit\u00e4t entspricht: Schreiben und Inhalte generieren letztlich den Zufall durch Assoziation und Bisoziation und diese lassen Gedankengeflechte entstehen, die ich gar nicht mehr entwirren kann und will und selbst wenn ich mich nur auf die Notizen konzentrieren w\u00fcrde, immer arbeiten die Texte Krebsgeschw\u00fcren gleich ihre eigenen Sinne und Inhalte, ihre selbstgew\u00e4hlten Bedeutungen und Bedeutungslosigkeiten, heraus. Also entschuldige, lieber Leser, liebe Leserin, und schon dies sollte doch eigentlich umgekehrt zu formulieren sein, dass ich manchmal ausufernden und vor allem halbgaren Bl\u00f6dsinn schreibe, nein, nicht Bl\u00f6dsinn, sondern wie es die S\u00fcddeutschen sagen w\u00fcrden,\u00a0 Schmarrn. Immerhin versuche ich dabei die Stellschraube ein St\u00fcck fester zu ziehen und sei es nur dahin gerichtet, \u00fcberhaupt dem Wort einen Sinn zu geben oder diesen selbst zu entdecken oder noch besser: zu entlarven.\u00a0Nein, Hochwortkunst kommt dabei beileibe nicht zustande und das mag ich ja gerade, diesen Kontrast zwischen dem, was ich selber schreibe und dem, was ich lese. Manchmal aber, das sei gesagt, ist es einfach angenehm, einen Text zu lesen, der nicht Tage des Verstehens in Anspruch nehmen muss, sondern als einfachste Zubettgehunterhaltung funktioniert. Nicht jede Klolekt\u00fcre muss doch schlie\u00dflich anstrengend sein. Aber genug davon, sonst w\u00e4chst es sich noch zu einem theoretischen Essay \u00fcber das Verfassen von Texten aus.<\/p>\n<p>Herr Nipp hatte mit einigen seiner Freunde eine Art Spiel gespielt: Sie hatten sich Kriterien f\u00fcr die Bewertung von Eckspelunken zusammengeschustert und waren dann wochenlang durch s\u00e4mtliche Kneipen des Ortes gezogen, jeden Abend eine neue kennen gelernt. Als Nichtausgeher, sondern lieber zu Hause Trinker und Feierer war das eine durchaus neue Erfahrung, pl\u00f6tzlich mit fremden Gesichtern konfrontiert zu sein. Mit Menschen, die offen h\u00f6rbar innerhalb der eigenen Sprache eine v\u00f6llig andere Sprache sprachen, eine von Floskeln und Spr\u00fcchen durchsetzte,von Witzchen und\u00a0 voraussehbaren Bonmots. Vor allem die Themen stellten sich f\u00fcr ihn als v\u00f6lliges Neuland heraus. Nicht nur Fu\u00dfball wurde dort ausdiskutiert, so das \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist, sondern auch Autos, nat\u00fcrlich auch die Trivialmythen unserer Gesellschaft. Gestandene M\u00e4nner unterhielten sich dort tats\u00e4chlich \u00fcber typische Frauenthemen, wie zum Beispiel das englische K\u00f6nigshaus und Krampfadern und alle anderen Wehwehchen. Wehe aber, wenn dort irgendwelche Frauen hinzukamen, dann wurde sofort auf Machothemen umgeswitcht. Umgeschaltet, schlie\u00dflich braucht es doch keiner Anglizismen, wenn es gute andere Worte daf\u00fcr gibt. Jedenfalls sind aus dem Spiel regelm\u00e4\u00dfige, wenn auch nicht h\u00e4ufige Besuche in eben dieser Kneipe geworden. Sie war einfach die beste.<\/p>\n<p>Sie wird von einer alten Frau gef\u00fchrt, die sicher schon vor Jahren oder Jahrzehnten in den Ruhestand h\u00e4tte gehen k\u00f6nnen. Eine freundliche kleine Frau mit verst\u00e4ndnisvollen Augen und einer Mimik, die zeigt, dass sie schon viel erlebt hat. Diesen Menschen kann so schnell keine Geschichte ersch\u00fctternd aus der Bahn werfen, kein Erlebnis kann sie von Sockel hauen.<\/p>\n<p>Er wartet also auf eben jene Freunde, die heute allerdings wohl nicht mehr kommen werden. So k\u00f6nnen die anderen G\u00e4ste mit ihren kleinen netten Ritualen beobachtet werden, mit ihren W\u00fcrfeln und Trinkspielchen und den Verschw\u00f6rungstheorien, die von ganz Kleinen bis zur gro\u00dfen Politik gehen und durchaus teilweise hellsichtig erscheinen. Da wird gerade \u00fcber einen Dokumentationsfilm auf youtube gesprochen, der die Anschl\u00e4ge am 11.09.2001 zum Thema hat. \u00dcber Filmsequenzen, auf denen \u00fcberhaupt keine Flugzeuge zu sehen sind, auf denen bewiesen wird, dass alles dies eher einer kontrollieren Sprengung gleichkommt, in denen gezeigt wird, dass ein Jumbojet nun einmal nicht in ein 6 Meter gro\u00dfes Loch im Pentagon passt. Aber all dies bekommt doch irgendwie ein Geschm\u00e4ckle genau dann, wenn die Zungen ihren Dienst nicht mehr pflichtbewusst erf\u00fcllen wollen. Ach ja, und dann wird nat\u00fcrlich wieder alles ausgeweitet auf die Mondlandung, den Pr\u00e4sidentenmord und nat\u00fcrlich die Vorg\u00e4nge in Area , &#8222;\u00e4h, wei\u00df gerade die Zahl nicht, 51 oder so&#8220;. Wer jetzt b\u00f6se w\u00e4re, w\u00fcrde auch noch die Antwort 42 auf die Frage aller Fragen einbringen, denkt Herr Nipp und bestellt sich sein drittes gro\u00dfes Blondes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder einmal sitzt Herr Nipp in jener kleinen Eckspelunke, welche er vor ein paar Wochen f\u00fcr sich entdeckt hat. 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