{"id":3019,"date":"2013-09-16T08:58:32","date_gmt":"2013-09-16T06:58:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=3019"},"modified":"2013-09-15T13:32:54","modified_gmt":"2013-09-15T11:32:54","slug":"vorzeichen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=3019","title":{"rendered":"Vorzeichen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial','sans-serif';\">Manche Wanderungen starten zun\u00e4chst unter eher schlechten Vorzeichen. Manche Vorzeichen allerdings werden von den Menschen auch aus Unkenntnis als schlecht bewertet, ohne eingehend gepr\u00fcft oder gar nachgedacht zu haben. So gilt es vielen Menschen tats\u00e4chlich als ung\u00fcnstig, wenn es nachts geregnet hat. Anstatt die Vorteile zu sehen. So ist die Luft morgens danach dann meist frisch und klar und der Blick kann weit schweifen. Die Luft ist k\u00fchl und so wird man zumindest die ersten Stunden nicht gar so arg schwitzen m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?attachment_id=3020\" rel=\"attachment wp-att-3020\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3020 aligncenter\" title=\"Klematis\" src=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/IMG_5168-400x266.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"266\" srcset=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/IMG_5168-400x266.jpg 400w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/IMG_5168-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/IMG_5168-148x98.jpg 148w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/IMG_5168-31x20.jpg 31w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/IMG_5168-38x25.jpg 38w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/IMG_5168-322x215.jpg 322w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial','sans-serif';\">Nachdem es die ganze Nacht gewittert hatte, kam morgens doch die Sonne hinter den umliegenden Bergen hervor und mit den ersten Strahlen fingen die klammen Zelte an zu dampfen. Das ist ein wirklich sch\u00f6nes Schauspiel, als w\u00fcrde der gesamte Platz anfangen zu atmen oder irgendjemand h\u00e4tte vielleicht vergessen die Feuer zu l\u00f6schen und bald schl\u00fcgen aus jedem kleinen Planenhaus die Flammen. Einige feuchte T\u00fccher wurden \u00fcber die W\u00e4scheleine zum Trocknen geh\u00e4ngt, andere im Auto \u00fcber der Speisenkiste ausgebreitet. Immer in der vagen Hoffnung, dies m\u00f6ge einen k\u00fchlenden Effekt haben. Tats\u00e4chlich kann man davon ausgehen, dass die Verdunstung von Wasser oder Alkohol auf die Umgebung einen stark k\u00fchlenden Effekt hat, weil die W\u00e4rme quasi mit jedem aufsteigenden Molek\u00fcl mitgerissen wird (Liebe Physiker unter den Lesern, ihr kennt wahrscheinlich den wahren Grund f\u00fcr den K\u00fchlungseffekt. Wenn irgendwann irgendjemand sich einmal erbarmen k\u00f6nnte und mir eindeutig und in verst\u00e4ndlicher Sprache dieses Ph\u00e4nomen erkl\u00e4rt, w\u00e4re dies wirklich sch\u00f6n. Ich h\u00f6rte jedenfalls, es hat etwas mit Entropie zu tun.). Die erste Strecke des Weges war, Herr Nipp z\u00e4hlte vierzehn, gepr\u00e4gt von diversen Unterbrechungen. War es zuerst ein Steinchen, das sich in den rechten Schuh des einen Mitwanderers verirrt hatte, sa\u00df danach noch die Sohle falsch, au\u00dferdem hingen die Schn\u00fcrb\u00e4nder nicht richtig, so dass Stolpergefahr entstand. Ja, er stolperte sogar tats\u00e4chlich, als er einmal in aller Ruhe ausprobierte, wie das denn wohl am besten ginge. Gerade kurz vor Aufschlag auf dem Wegesplit konnte er sich noch rechtzeitig abfangen. Nein, zu diesem Zeitpunkt wollte auch dieser Mitstreiter noch keine Schrammen, Sch\u00fcrfwunden oder sonstige Verletzungen riskieren. Solche Nichtmitmehrmitgehstrategien muss man sich f\u00fcr den Fall aufsparen, wenn es wirklich zu viel wird. Weitere Verz\u00f6gerungen im Marsch \u00fcber die Berge waren eine offensichtlich verdrehte Zunge im Schuh (was allerdings wegen der dreiseitigen Befestigung am Schuh eigentlich schon wieder fast unm\u00f6glich war), ein unbestimmbares Zwicken in der Kniekehle, ein vermutetes Insekt, welches sich in die Kleidung verirrt haben mochte und an eine hier nicht n\u00e4her zu beschreibende Stelle gekrochen sein konnte. Es kamen hinzu weitere in den Schuh verirrte Steine und Dinge, deren M\u00f6glichkeit im Bereich der Unm\u00f6glichkeitstheorien eines Anhalters der Galaxis diskutiert werden k\u00f6nnte. Jedes Mal wurden bei einem so entstehenden Stopp die Schuhe ge\u00f6ffnet, eingehend untersucht und mit leidendem Gesicht sowie dazu passendem Schmollmund wieder langsam, geradezu aufreizend lahm wieder angezogen. Hatte Herr Nipp die demonstrativ v\u00f6llig lustlose Haltung dem Wandern gegen\u00fcber schon an der leicht in sich gesunkenen K\u00f6rperhaltung festmachen k\u00f6nnen, so sprachen die genannten und wahlweise auswechselbaren Stoppgr\u00fcnde nun ihre allzu deutliche Sprache: Ich will nicht, kann ich nicht am Zelt bleiben und schlafen, nichts tun oder vielleicht ein paar Stunden im Bad verbringen? <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial','sans-serif';\">Man h\u00e4tte es nach diesem Start schon fast gar nicht mehr erwarten k\u00f6nnen, aber die nach zwei Stunden Wanderung darauffolgende Fahrt mit der Seilbahn und Blick durch das Panoramafenster wurde sogar mit fast lobenden Worten als angenehm deklariert. Vor allem aber die lange Mittagspause auf der Alm, obere Wiese, die ausgedehnte Jause mit Vinschgauer Br\u00f6tchen und Kaminwurzen und heimischem K\u00e4se fand allgemeine Zustimmung. Die drei legten sich dazu im Schatten einer L\u00e4rche ab, a\u00dfen die \u00c4pfel und anderen Leckereien, eine T\u00fcte Studentenfutters wurde auch geleert. W\u00e4hrend der eine sich eine Zeit lang mit den Pflanzen und Blumen der Umgebung besch\u00e4ftigte, kramten die beiden anderen ihre Romane aus den Taschen und legten sich zum Lesen in die Wiese. Als Unterlage dienten die Jacken, die bei jedem Wetter mitgef\u00fchrt werden sollten. Lieber an dieser Stelle zu viel tragen und die Kleidungsst\u00fccke ungenutzt lassen, als sp\u00e4ter wegen eines Wettersturzes vor K\u00e4lte umkommen. Irgendwann hatte Herr Nipp genug neue Pfl\u00e4nzchen entdeckt und abgelichtet, die er abends dann noch bestimmen wollte. Er legte sich kurz hin, schloss kurz die Augen und war angesichts der Ruhe und der Herbheit des Almwiesenduftes augenblicklich eingeschlafen, f\u00fchlte er sich doch von der zur\u00fcckliegenden Gewitternacht etwas \u00fcbern\u00e4chtigt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial','sans-serif';\">Der weitere Weg dieses Tages verlief sp\u00e4ter noch ganz nett, bei wirklich guter Wanderstimmung und ohne weitere Unterbrechung wegen Scheinproblemen. Bis die drei sich aus Unachtsamkeit f\u00fcr die falsche Wegabzweigung entschieden. Das sollte letztlich drei Stunden Umweg kosten. Und wieder einmal musste Herr Nipp daran denken, das n\u00e4chste Mal auf die schlechten Vorzeichen doch einmal zu achten.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manche Wanderungen starten zun\u00e4chst unter eher schlechten Vorzeichen. 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