{"id":2693,"date":"2013-08-05T00:32:18","date_gmt":"2013-08-04T22:32:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=2693"},"modified":"2013-08-25T08:42:55","modified_gmt":"2013-08-25T06:42:55","slug":"urlaube","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=2693","title":{"rendered":"Urlaube"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Auch Herr Nipp war in den letzten Jahren immer dekadenter geworden. Hatte er zun\u00e4chst seine zwei Wochen Urlaub in kleinen zum Teil auch ziemlich verschrobenen Pensionen gen\u00e4chtigt, in denen er nachts die T\u00fcren von innen abschloss, nicht nur wegen der doch eher suspekten Vermieter (man kennt schlie\u00dflich genug mit Sicherheit echte Geschichten, die von einem Bekannten des Vetters erz\u00e4hlt wurden, dessen Cousines Freundin das mit Sicherheit und mit Gefahr f\u00fcr Leib und Leben erlebt hatte, kein Scherz), sondern weil er sich doch vor dem Hofhund m\u00e4chtig \u00e4ngstigte. Diese Absteigen hatten eher den Charme der drei\u00dfiger, M\u00f6bel der 1890er und Komfort der f\u00fcnfziger Jahre verspr\u00fcht, wie eine Brise Pitralon.<a href=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?attachment_id=2694\" rel=\"attachment wp-att-2694\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-large wp-image-2694\" title=\"ins Blaue\" src=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/IMG_5467-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/IMG_5467-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/IMG_5467-400x266.jpg 400w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/IMG_5467-148x98.jpg 148w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/IMG_5467-31x20.jpg 31w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/IMG_5467-38x25.jpg 38w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/IMG_5467-322x215.jpg 322w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a> Die Toiletten fanden sich dann irgendwo auf dem Flur, die t\u00e4gliche Dusche konnte er in der Badewanne in unbequemer Haltung durchf\u00fchren, eine Hand immer auf dem T\u00fcrknauf, weil dieser Raum aus unerfindlichen Gr\u00fcnden nicht abschlie\u00dfbar war. Warum auch immer, eine Erkl\u00e4rung konnte er nicht erwarten. Dann musste er laut singen oder pfeifen, damit auch jeder, der in zehn Metern Weite im Anflug auf dieses fragw\u00fcrdige Sanit\u00e4rparadies war, auch wusste, hier ist die n\u00e4chste viertel Stunde nichts zu machen, weil besetzt. \u00dcbernachtung mit Fr\u00fchst\u00fcck, durchaus liebevoll zubereitet, aber irgendwie doch sehr einfach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Irgendwann war er zu denjenigen \u00fcbergelaufen, die eine Ferienwohnung mieten, auch hier erst recht bescheiden, dann immer \u00fcppiger geratend. Mit dem Einkommen wachsen auch die Anspr\u00fcche. Zuletzt hatte er tats\u00e4chlich in so einer Nobelabsteige den Urlaub verbracht. Da konnte in zehn Tagen durchaus auch mal ein Monatsgehalt verbraucht werden. Er war sich selber irgendwie pervers vorgekommen. Was hatte das denn noch mit dem urspr\u00fcnglichen Urlaubsgedanken zu tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend er sich zu Hause doch mit einem recht bescheidenen, ja vielleicht auch manchmal kargen Lebensstil bescheidete (oder hei\u00dft es beschied?), musste dann im Urlaub alles verprasst werden. Machte dieses hirn- und sinnlose Verpulvern von Geld eventuell sogar den Urlaub aus? Da einem die Erlaubnis zum Ausspannen nun einmal erteilt wurde, wurde alles herausgeschaufelt. \u00c4hnlich den jungen Damen hatte er sich schon gef\u00fchlt, die den ganzen Tag in einer zentralen und \u00fcberdachten Einkaufspassage , die heute wohl Mall genannt w\u00fcrde, verbringen konnten, von einem Laden in den n\u00e4chsten wanderten und hinterher mit f\u00fcnf T\u00fcten an jeder Hand zufrieden l\u00e4chelnd nach Hause dackeln. Shopping ist manchen Damen inzwischen zum Hobby geworden. Nein, es musste schon schick stolzieren hei\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8230;so konnte und sollte es nicht weiter gehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also hatte er dieses Jahr sein Zelt auf eventuelle Sch\u00e4den untersucht. Schlie\u00dflich kann man bei Discounterprodukten doch nie wissen, ob sie auch l\u00e4nger als ein zwei Saisons (Saisen, Saisonien, Saisone, Saisi) halten. Schlie\u00dflich wollen die Besitzerfamilien doch jedes Jahr wieder etwas verkaufen und ihre Milliardeneurokonten weiter f\u00fcllen. Daraufhin war er zu einem riesigen Ausr\u00fcster gefahren. So einer, der sich in der Peripherie der St\u00e4dte ansiedelt, weil seine Produkte nicht Innenstadt relevant sind. Kochgeschirr f\u00fcr unterwegs, praktisch verpackt, ein Gaskocher, und einige Kartuschen Gas, Luftmatratzen wegen des wehleidigen R\u00fcckens, endlich ein eigener Schlafsack, der nicht aus den siebziger Jahren stammte und ihm damals zur Erstkommunion geschenkt worden war, der ihm schon viele Jahre als Steppdecke gedient hatte. Vor allem damals im Studium, wenn er Besuch von Freunden bekam, die dann auch meist bei ihm n\u00e4chtigten, entweder weil sie von weit her kamen oder weil sie hinterher nicht mehr fahren konnten oder wollten, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer. H\u00e4tten nur die Rei\u00dfverschl\u00fcsse nicht so gest\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der heutige Schlafsack musste eine Rolle bleiben und vor allem vor allen Unbilden der n\u00e4chtlichen Natur sch\u00fctzen. Das sollte schon so sein, Dekadenzkritik hin oder her.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch Herr Nipp war in den letzten Jahren immer dekadenter geworden. 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