{"id":1998,"date":"2013-03-26T15:29:40","date_gmt":"2013-03-26T14:29:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=1998"},"modified":"2013-02-24T15:32:07","modified_gmt":"2013-02-24T14:32:07","slug":"der-stau-xii-iv","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=1998","title":{"rendered":"Der Stau XII \/ IV"},"content":{"rendered":"<p>Es kann kein Optimum f\u00fcr alle gleichzeitig geben, dachte er bei sich, noch die Chemikalien des fleischlichen Gl\u00fccks im Blut. Wenn die fr\u00fchlingshafte Gartenidylle, das hormongesteuerte Vogelgezwitscher, das nun von au\u00dfen wieder an seine Ohren drang, als stetiger Verdr\u00e4ngungskampf der Individuen zu sehen ist. Fressen und Gefressen als Notwendigkeit des \u00dcberlebens und wandelhaften Fortbestehens. Was ihn hier und jetzt gl\u00fccklich machte, war letztlich das Ungl\u00fcck eines verdr\u00e4ngten Nebenbuhlers, den er sogar pers\u00f6nlich mochte. Eines Mannes, den er vom Beziehungssockel gesto\u00dfen hatte, der sich unter Umst\u00e4nden etwas dabei gebrochen hatte, die Verletzungen bleiben unsichtbar, die Narben allerdings werden irgendwann sichtbar zutage treten und anklagen. Zerbrochen war die Zuversicht des Anderen, seine innere St\u00e4rke vielleicht auch, nur selten ist davon auszugehen, dass die Situation in beiderseitigem Einverst\u00e4ndnis zustande kommt. Gerechtigkeit oder nat\u00fcrliches Recht kann es in dieser Gesellschaft der Unsteten nicht geben. Und ideale Gesellschaften absoluten Friedens der Individuen ist eine Schelmerei weltfremder Utopisten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?attachment_id=1999\" rel=\"attachment wp-att-1999\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-large wp-image-1999\" title=\"gluten\" src=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_1956-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_1956-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_1956-400x266.jpg 400w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_1956-148x98.jpg 148w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_1956-31x20.jpg 31w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_1956-38x25.jpg 38w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_1956-322x215.jpg 322w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Noch Tage zuvor hatte er mit einem solchen Weltverbesserwisser gesprochen, der sich das Jean-Luc-Picardsche Ideal eines umfassend gerechten Menschen zum Vorbild genommen hatte, ohne die Abgr\u00fcnde auch nur ansatzweise erschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Ohne zu begreifen, dass dies reine Fiktion war, Genauso wie niemals in den Serien die wahren Wahrheiten, gezeigt wurden, etwa welche Lekt\u00fcren auf den Toiletten der Weltraumfahrer liegen. Unvorstellbar weitsichtige Wesen, die s\u00e4mtliche Untiefen des sozialen Zusammenlebens erkannt und durchdrungenhaben, existieren nicht. Jeden Tag jedoch eine neue Erfahrung zu machen, selber Schw\u00e4chen zu haben und in bestimmten Momenten auch zu zeigen jedoch erscheint schon wesentlich realistischer. Sein Gegen\u00fcber hatte einfach nicht verstehen wollen, dass Gl\u00fcck und Frieden, dass Gerechtigkeit, Freiheit und Moral nun mal keine feststellbaren, keine absoluten Werte sind, sondern immer wieder neu definiert werden m\u00fcssen. Auch die Moralphilosophie kommt nicht zu eindeutigen Schlussfolgerungen, sieht man vielleicht vom kategorischen Imperativ Kants einmal ab. Aber auch dieser ist in seinen diversen Ausformulierungen als\u00a0 durchaus befragbar zu kennzeichnen.<\/p>\n<p>Sie hatten den ganzen Abend ihre Argumente hin und her geschoben und dieser Disput hatte letztlich bei keinem einer \u00c4nderung der Position herbeigef\u00fchrt. Ein Ergebnis konnte nicht einmal ansatzweise erkannt werden, so wurde vertagt, was keiner Entscheidung anheischig werden w\u00fcrde. Man war letztlich \u00fcbereingekommen, nicht \u00fcbereinkommen zu k\u00f6nnen. Immer erfordert die Einsicht des eines auch ein gewisses einlenken des Anderen. Die Erkenntnis aber ist und bleibt in seinen Augen der sozialkulturellen Herkunft wie \u00dcbereinkunft \u00fcberlassen. Wer heute noch das unumst\u00f6\u00dflich g\u00f6ttliche Recht aus dem Leviticus ernstnimmt, kann entweder nur einige Jahrtausende menschlicher Entwicklung vergessen haben oder sich in altgl\u00e4ubiger Prinzipienreiterei verstrickt zu haben, die keine menschliche Entwicklung erw\u00fcnscht. Beides aber weist auf intellektuelle Degeneration hin. Er hat vergessen, dass zumindest ein Teil der Menschheit gelernt hat, dass jeder grunds\u00e4tzlich gleich ist und mit seinen Macken und T\u00fccken, mit seinen Lieben und Vorlieben akzeptiert werden muss, solange es andere nicht sch\u00e4digt. Wer seine Antipathie gegen homosexuelles Leben mit dem Leviticus begr\u00fcndet, der wird auch nichts dagegen haben, wenn man Sklaven aus Nachbarl\u00e4ndern kauft oder die eigene Schwester beim Menschenhandel vermarktet, der wird es auch zu sch\u00e4tzen wissen, wenn Leute aus fadenscheinigen Motiven vor den Toren der Stadt gesteinigt werden. Immer werden sich einige etwas gleicher als die anderen f\u00fchlen, die Begr\u00fcndungen sollte allerdings keine Religion liefern oder eine Ideologie, sondern das bessere Handeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es kann kein Optimum f\u00fcr alle gleichzeitig geben, dachte er bei sich, noch die Chemikalien des fleischlichen Gl\u00fccks im Blut. 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