{"id":1983,"date":"2013-03-20T10:38:20","date_gmt":"2013-03-20T09:38:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=1983"},"modified":"2013-02-24T10:40:43","modified_gmt":"2013-02-24T09:40:43","slug":"der-stau-xii-ii","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=1983","title":{"rendered":"Der Stau XII \/ II"},"content":{"rendered":"<p>Zur Himmelskonstellation der ver\u00e4nderbaren Wasserwerte war die Flasche auf der Fensterbank ein mehr als deutlicher und vor allem klarer Kontrast gewesen. Silberne Plastikflasche. Gemahnte hin, den Tag mit einem kr\u00e4ftigen Schluck Fl\u00fcssigkeit zu beginnen, das verga\u00df er immer wieder, sich mit Wasser zu versorgen, dabei wusste er doch, welche Folgen es haben w\u00fcrde, wenn zu wenig getrunken wird. Eine Freundin hatte einmal in ausged\u00f6rrter Situation an seiner Haut gezogen und als sich diese erst ganz langsam an die urspr\u00fcngliche Stelle zur\u00fcck zog, hatte sie ihm mahnend gesagt, dass man so sehen k\u00f6nne, wer zu wenig getrunken hat. Er. Auch den Altersheimen w\u00fcrde so getestet, ob die Leute tats\u00e4chlich getrunken haben oder ihren Becher wieder mal in das Becken entleert haben, weil sie zu faul sind, zur Toilette zu gehen. Zieht sich also die Haut z\u00fcgig zur\u00fcck, dann sehe man, dass gen\u00fcgend getrunken worden war. Er hatte das nicht glauben wollen und den langsamen R\u00fcckzug mit dem Erschlaffen der der Haut im Alter begr\u00fcndet, allerdings grundlegend falsch gelegen; hatte sich doch im folgenden Selbsttest dann herausgestellt, dass die junge Frau tats\u00e4chlich Recht hatte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?attachment_id=1984\" rel=\"attachment wp-att-1984\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-large wp-image-1984\" title=\"Spirale\" src=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_0500-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_0500-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_0500-400x266.jpg 400w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_0500-148x98.jpg 148w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_0500-31x20.jpg 31w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_0500-38x25.jpg 38w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_0500-322x215.jpg 322w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Er erhob sich, aufzustehen und die Flasche zu ergreifen, zu trinken und dann vielleicht ein langes Fr\u00fchst\u00fcck zu nehmen. Erst in diesem Moment gewahrte er neben sich die Frau im Bett, jene, die er seit Monaten schon angehimmelt hatte, ohne Aussicht auf eine Reaktion ihrerseits. Er hatte sich einfach nicht getraut ein klares Wort zu finden, dieses gar auszusprechen oder einfach mit einer Ber\u00fchrung anzudeuten, hatte nicht geglaubt, an seine echte Chance und nat\u00fcrlich die Ausstrahlung, die man nur haben kann, wenn man eigene Zuversicht hat. Ja, er hatte Angst gehabt vor ihr, vor den erkennenden Blicken, die ihn tiefer trafen, als er sich zuzugeben getraute.<\/p>\n<p>Sie machte im leichten Morgenschlaf ein mehr als zufriedenes Gesicht, fast hatte es den Anschein, als w\u00fcrde ein leichtes und permanentes L\u00e4cheln auf ihren Z\u00fcgen liegen, auf den wunderbar krausen Lippen, die eine Gebirgslandschaft in seiner Vorstellung bildeten und so weich die wei\u00dfen Z\u00e4hne umspielten. Monatelang war er in ihrer Gegenwart, jedes Mal bei ihrem Auftauchen nerv\u00f6s und fahrig gewesen, hatte in den schlimmsten Phasen seiner sehns\u00fcchtigen Selbstverfransung eine Zigarette nach der n\u00e4chsten geraucht. Eine an der n\u00e4chsten gez\u00fcndet. Hatte nicht erkannt, dass auch sie ganz unruhig gewesen war. Lieber in sicherer Distanz bleiben, als sich dem Wagnis auszusetzen, dem Wagnis eines unvermeidlichen Korbes, einer br\u00fcsken Abweisung. Ein Erlebnis, welches das m\u00fchsam \u00fcber Jahre aufgebaute Selbstvertrauen nachhaltig zerr\u00fctten w\u00fcrde. Sie hatten sich also lieber fast t\u00e4glich, daf\u00fcr mehrfach oft\u00a0 Nachrichten zukommen lassen, SMS und Mails mit einer immer verzwickter werdenden Sprache, die in ihrer doppeldeutigen Funktion bald nur noch vom jeweils anderen entschl\u00fcsselt werden konnte. Jedes Wort, jedes eingesetzte Zeichen konnte eine unerwartete und doch erwartete Konnotation in sich tragen. Sie hatten beide erkannt, welche semantischen M\u00f6glichkeiten in der Sprache lagen. Welche Ausdrucksm\u00f6glichkeiten und Eindrucksvariationen wurden durch die Codierungssysteme einer verliebten Sprache er\u00f6ffnet. Jeder f\u00fcr sich erkannte es, vielmehr erhofften sie wohl die Absicht des jeweiligen Gegen\u00fcbers und wollte sich die genannte, die langsam keimende und wachsende Verliebtheit selber nicht eingestehen. Das Gef\u00fchl, welches sich im Bauch einstellte, wenn einmal einen Tag keine Nachricht zukam. Wenn die Gedanken Purzelb\u00e4ume schlugen, weil man sich Sorgen machte. Weil man glaubte, ein Wort habe verstimmt, habe vielleicht eine unbeabsichtigte Wunde geschlagen. Ja, sie waren \u00fcber die Monate zu wahren Liebenden geworden, nicht solchen, welche nach durchzechter Nacht zu einem Onenightstand zusammenfinden, sich gegenseitig die Lust und Erf\u00fcllung besorgen und dann auseinandergehen mit dem flauen Gef\u00fchl lediglich ein k\u00f6rperliches Bed\u00fcrfnis f\u00fcr einige Zeit gestillt zu haben. Mit dem flauen Gef\u00fchl etwas Falsches, vielleicht sogar Verwerfliches getan zu haben. Den Anderen f\u00fcr niedere Ziele ausgenutzt zu haben. Nat\u00fcrlich hat auch das seine Notwendigkeit, manchmal m\u00fcssen die Endorphine Samba tanzen , den Tango ins Bettfinden lassen und dort in artistischen Moderndance wechseln, mit ekstatischen Verrenkungen, und in einen unstillbaren Rausch zwingen, m\u00fcssen s\u00e4mtliche Gl\u00fcckshormone auf rein k\u00f6rperlicher Ebene ausgelebt werden. Der Kopf kann sich selbst berauschen, wenn man den K\u00f6rper die Vorarbeit nur machen l\u00e4sst. Die Zuckungen zum H\u00f6hepunkte zwischen Lustaussch\u00fcttung und Schmerz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Himmelskonstellation der ver\u00e4nderbaren Wasserwerte war die Flasche auf der Fensterbank ein mehr als deutlicher und vor allem klarer Kontrast gewesen. Silberne Plastikflasche. 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