{"id":1840,"date":"2013-02-14T09:37:34","date_gmt":"2013-02-14T08:37:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=1840"},"modified":"2013-02-14T21:24:33","modified_gmt":"2013-02-14T20:24:33","slug":"der-stau-vi-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=1840","title":{"rendered":"Der Stau (VI \/ 2)"},"content":{"rendered":"<p>Sein Mitfahrer hat es sich hinten bequem gemacht, neben sich ein Laptop, die Zeitung ist ausgebreitet und alles so eingerichtet, als w\u00e4re es ein B\u00fcro. Er hat sein Handy am Ohr und macht das, was er am besten kann, organisieren. \u201eJa, ich bin es, stehe im Stau auf der A45 und komme seit geraumer Zeit kein St\u00fcck vom Fleck. Haben die Herrschaften schon angefangen?\u201c \u201eDer vom Ministerium ist auch noch nicht anwesend, hat sich eben gemeldet, auch er steht im Stau. Jetzt ist die ganze Veranstaltung um zwei Stunden nach hinten verschoben worden. Auch einige andere Herrschaften haben es noch geschafft sich p\u00fcnktlich hier einzufinden.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?attachment_id=1890\" rel=\"attachment wp-att-1890\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-large wp-image-1890\" title=\"ausblickend\" src=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_1885-1024x681.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"425\" srcset=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_1885-1024x681.jpg 1024w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_1885-400x266.jpg 400w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_1885-148x98.jpg 148w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_1885-31x20.jpg 31w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_1885-38x25.jpg 38w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_1885-322x215.jpg 322w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>So etwas hatten wir hier noch nie, dabei arbeite ich jetzt schon seit 14 Jahren an dieser Stelle.\u201c \u201eDas ist gar nicht so schlecht, einige Bewerber sind doch sicherlich schon da, werden glauben, das habe etwas mit ihnen zu tun, gute Taktik, das macht sie nerv\u00f6ser. Bis sp\u00e4ter.\u201c Er legt auf, mehr ist nicht zu sagen. So kann er sich wieder seiner Lekt\u00fcre widmen, bestimmte Textpassagen anstreichen, sich Notizen machen. Diese Situation kennt er aus fr\u00fcherer Zeit. Einerseits die Sicherheit, der Beste zu sein, der f\u00fcr diese Aufgabe infrage kommt, andererseits eine Heidenangst. \u201eAber ich habe den Job gekriegt und ausgebaut. Es gibt vielleicht drei vier Leute, die mir in diesem Bereich das Wasser reichen k\u00f6nnen.\u201c \u201eIhr letztes Buch fand ich \u00fcberzeugend, wenn ich das sagen darf. Gut zu lesen und trotzdem spannende Schl\u00fcsse, die sie aus den Fakten gezogen haben.\u201c \u201eGlaube nicht, dass die anderen jemals diese Seiten gesehen haben. Sie st\u00fcrzen sich auf alte Texte, vergessen dabei allerdings, sich mal die Gesch\u00e4ftsb\u00fccher anzuschauen, daraus kann man so viele Erkenntnisse ziehen. Dass etwa die K\u00fcnstler damals nicht nach Fl\u00e4che bezahlt wurden, sondern vor allem danach, wieviel echtes Ultramarin verwendet wurde.\u201c Kaum jemand kannte sich in der Renaissancekultur des alten Florenz so sicher aus, konnte manchmal ohne Vorlage aus den Originalquellen rezitieren. Welcher Kunsthistoriker hatte denn jemals die literarischen Texte der K\u00fcnstler studiert, ihre Randnotizen entziffert. Er hatte in den letzten Jahren verschiedene B\u00fccher verfasst, lehrte alle zwei Semester an der Universit\u00e4t. Seine Vorlesungen waren immer \u00fcberlaufen von Studenten, die ihn anhimmelten. Nur wenige von ihnen hatten allerdings die Gunst gehabt, ihn auch pers\u00f6nlich kennen zu lernen, mit ihm vielleicht sogar zu arbeiten. \u201eWenn du im Wettbewerb mit den Anderen stehst, kommen dir manchmal schon gewisse Zweifel, du verf\u00e4ngst dich in allzu selbstkritischen Betrachtungen, die nie jemand au\u00dfer dir selbst verstehen w\u00fcrde. Nicht einmal erkennen, \u00fcber welche Punkte du selber stolpern w\u00fcrdest. Die neue Studien \u00fcber Bruneleschis Architektur hatten doch tats\u00e4chlich einige Denkfehler, in der zweiten Ausgabe habe ich die \u00fcberarbeitet. Die Literaturangeben hatten einige Fehler, aber von denen hat es keiner bemerkt.\u201c Seit Jahren allerdings hatte er sich der Zusammenarbeit mit verschiedenen Bundesbeh\u00f6rden und Gruppen zugewandt, die sich mit Restitutionsfragen besch\u00e4ftigen. Hier war er als Gutachter erstens gefragt und zweitens f\u00fcrstlich bezahlt. Und L\u00f6sungen f\u00fcr Konflikte hatte er meist auch noch parat. Und manchmal, wenn er Gl\u00fcck hatte, konnte er auch noch interessante Arbeiten aufkaufen. Entweder f\u00fcr die eigene Sammlung oder f\u00fcr Freunde, von denen er wusste, das w\u00fcrde in ihre Kollektionen passen. In den letzten Jahren hatte er sich einen guten Namen gemacht und die Verhandlungspartner h\u00f6rten auf ihn. Daraus war ein gut laufendes Unternehmen geworden, nat\u00fcrlich mit Kontakten im internationalen Kunsthandel. Wenn allerorten die Kunstgeschichtler klagten, dass sie keine Jobs bekamen, verzog er nur die Nase. Er wusste, dass es nicht reichte auf die Chance zu warten, man musste aktiv die Chance herarbeiten, um sie zu ergreifen und auszubauen. Dazu geh\u00f6rten Beharrlichkeit, ein umfassendes Wissen und vor allem eine n\u00f6tige Portion Selbstvertrauen. Nur wer Selbstvertrauen darauf hat, dass die Ellenbogen bei Gebrauch nicht brechen, der setzt sie auch effektiv ein. Jetzt war er auf dem Weg zu einer Konferenz, bei der auch neue Bewerber auf bestimmte Stellen im Ministerium teilnehmen durften. Aus ihren Redebeitr\u00e4gen und den Gespr\u00e4chen, die er zwischendurch mit ihnen f\u00fchren w\u00fcrde, lie\u00dfe sich sicherlich der eine oder die andere f\u00e4hige zuk\u00fcnftige Mitarbeiter finden, den er nur noch f\u00fcr sich gewinnen musste. Einige Mal hatte er schon das Gl\u00fcck gehabt, nicht nur die Frau Ministerin mit hervorragendem Personal auszustatten, sondern auch noch f\u00fcr das eigene Unternehmen geeignetes Material zu beschaffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sein Mitfahrer hat es sich hinten bequem gemacht, neben sich ein Laptop, die Zeitung ist ausgebreitet und alles so eingerichtet, als w\u00e4re es ein B\u00fcro. 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