{"id":1838,"date":"2013-02-12T09:36:33","date_gmt":"2013-02-12T08:36:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=1838"},"modified":"2013-02-10T09:26:25","modified_gmt":"2013-02-10T08:26:25","slug":"der-stau-vi-1","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=1838","title":{"rendered":"Der Stau (VI \/ 1)"},"content":{"rendered":"<p>\u201eSchon eine seltsame Sache, wenn sich Leute ihre Zeit damit vertreiben, Selbstgespr\u00e4che zu f\u00fchren.\u201c \u201eM\u00fcsste schon lange in der Konferenz sitzen.\u201c Der vorne sitzende Fahrer ist gut gekleidet, nicht mehr wie fr\u00fcher, dass er eine Art Uniform tragen m\u00fcsse, die ihn als Fahrer kennzeichnet, aber ganz standesgem\u00e4\u00df tr\u00e4gt er einen dunklen Anzug. Sogar eine Krawatte. Er wei\u00df, wann er reden kann und in welchen Situationen er st\u00f6rt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?attachment_id=1887\" rel=\"attachment wp-att-1887\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-large wp-image-1887\" title=\"licht\" src=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_1828-1024x681.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"425\" srcset=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_1828-1024x681.jpg 1024w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_1828-400x266.jpg 400w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_1828-148x98.jpg 148w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_1828-31x20.jpg 31w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_1828-38x25.jpg 38w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/IMG_1828-322x215.jpg 322w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>W\u00fcrde dem Chef niemals ein Gespr\u00e4ch aufdr\u00e4ngen. Daf\u00fcr ist er zu professionell. Hat selbst sogar studiert, allerdings keinen Abschluss gemacht, die M\u00f6glichkeit, diese Stelle zu \u00fcbernehmen erschien ihm wichtiger, als noch zwei Jahre in den Vorlesungen und der Bibliothek zu sitzen. Andererseits liest er in den Pausen unentwegt und k\u00f6nnte den Professoren wahrscheinlich Hausarbeiten und einen Abschlusstext dahin legen, dass ihnen die Ohren schlackern. Aber wof\u00fcr w\u00e4re das schon gut. Er ist zufrieden mit diesem Job hier. Sich f\u00fcr einen Menschen, den man auch noch mag verantwortlich zu f\u00fchlen, fast Tag und Nacht, es sei denn er ist im Urlaub. Im Grunde f\u00fchlt er sich wie ein Vertrauter, der mehr wei\u00df, als sogar die Buchhalter und Prokuristen, die man heute Controller nennt, klingt schicker. Wenn der Chef es will, kann er gute Gespr\u00e4che f\u00fchren, \u00fcber Gott und die Welt, vor allem \u00fcber philosophische Themen nat\u00fcrlich, Geisteswissenschaften. In letzter Zeit arbeitet er sich allerdings in die Wirtschaftswissenschaften ein, liest nat\u00fcrlich den Wirtschaftsteil der Frankfurter und ist nat\u00fcrlich auf dem neusten Stand im Feuilleton. Genau das war es, was ihm diese Stellung verschafft hat vor einigen Jahren. Diese Mischung aus Fachwissen und allgemeinem Interesse an allem Wichtigen. Tats\u00e4chlich hatte man ihn damals nach Politik und Kultur ausgefragt. Er konnte dabei bestimmte Zusammenh\u00e4nge plausibel erl\u00e4utern und das Grinsen im Gesicht seines zuk\u00fcnftigen Chefs war immer breiter geworden. Genau das hatte er gesucht. Keinen gelackten Kerl, sondern einen mit Ecken und Kanten, der seine eigene Meinung, sein Bild von der Welt hatte und dabei auch noch gebildet war. Eigentlich eine Luxussituation, wenn man solche Leute vom Wissenschaftsmarkt fernh\u00e4lt. Andererseits ein wichtiger Ausgleich f\u00fcr einen angespannten Manager, der auf den manchmal langen Fahrten nicht nur das B\u00fcro brauchte in seinem Wagen, sondern einen zuverl\u00e4ssigen Gespr\u00e4chspartner, der einen auf andere Gedanken, manchmal auch Ideen brachte. Ja, sein Chef war wohl zufrieden mit ihm. Zumindest zeigten das die Pr\u00e4mien, welche er manchmal unter der Hand ganz klassisch in einem Umschlag in seinem Handschuhfach fand. Dar\u00fcber wurde keine Wort verloren. Nicht ist deprimierender, als sich \u00fcber solche Kleinigkeiten zu unterhalten. Die meisten Monate wusste er noch nicht einmal, was er mit seinem Lohn machen sollte, denn Kost und Logis waren nat\u00fcrlich frei. Also legte er das Geld einfach an, kaufte manchmal einen neuen Anzug. Im Kofferraum lag immer ein Ersatzanzug, damit in Notsituationen nichts peinlich w\u00fcrde. Einmal hatte er diesen sogar seinem Arbeitgeber geliehen, weil dieser sich mit einem undichten Milchshake im Pappbecher von oben bis unten versaut hatte. Und dass kurz vor einer Konferenz, in welcher die \u00dcbernahme eines kleinen Konkurrenten besprochen werden sollte. \u00dcber die letzten Jahre hatte sich so ein erkleckliches kleines Verm\u00f6gen angesammelt, das ihm in anderen Zeiten sicherlich gut \u00fcber die Durststrecken bringen w\u00fcrde. Sein Traum war es, in sp\u00e4teren Jahren ganz entspannt eine Eckgastst\u00e4tte zu f\u00fchren, die den ganzen Tag ge\u00f6ffnet sein sollte. In der man in Gem\u00fctlichkeit einen Kaffe nachmittags trank und abends ein Bier. Vor vielen Jahren, bevor man die Innenstadt seines Geburtsortes v\u00f6llig unter der Abrisskugel planiert hatte und aus einer Gr\u00fcnderzeitidylle ein postmodern albernes Kleinstadtbild wurde, hatte es tats\u00e4chlich so ein Konzept gegeben. Und es hatte damals funktioniert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSchon eine seltsame Sache, wenn sich Leute ihre Zeit damit vertreiben, Selbstgespr\u00e4che zu f\u00fchren.\u201c \u201eM\u00fcsste schon lange in der Konferenz sitzen.\u201c Der vorne sitzende Fahrer ist gut gekleidet, nicht mehr wie fr\u00fcher, dass er eine Art Uniform tragen m\u00fcsse, die &hellip; <a href=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=1838\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1838","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1838","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1838"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1838\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1889,"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1838\/revisions\/1889"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1838"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1838"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1838"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}