{"id":1676,"date":"2013-01-05T10:34:58","date_gmt":"2013-01-05T09:34:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=1676"},"modified":"2012-12-28T09:31:10","modified_gmt":"2012-12-28T08:31:10","slug":"der-stau-dritter-teil","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=1676","title":{"rendered":"Der Stau (I\/3)"},"content":{"rendered":"<p>Unter der Zeitung liegt auf dem Nachbarsitz, der heute leider frei geblieben ist, eine Packung mit Schokoladenkeksen. Langsam ziehe ich sie hervor, wollte eigentlich noch etwas damit warten. Ich brauche jetzt einen Triumph der Sinne, \u00f6ffne die Packung. Ein unbeschreiblicher Duft kommt mir entgegen, eine W\u00e4rme, die man kaum erkl\u00e4ren kann. Der Geruch von guter Schokolade kann jeden Sinn in den Bann schlagen, manchmal sogar das Gleichgewicht beeinflussen. Und hier ist nicht der Zustand nach einigen Jahren t\u00e4glichen \u00dcberkonsums mit der Folge von 250 Kilogramm Gewicht gemeint. Eigentlich hatte ich sie zum Verschenken eingepackt. Aber meine Gastgeber wissen ja nichts davon, also k\u00f6nnen sie mir auch nicht b\u00f6se sein, dass ich ihr Gastgeschenk jetzt einfach vertilge. Ohne Fragen, ohne Bescheid zu geben. Wenn man so will, kann man auch von einer abgemilderten Form des Mundraubs sprechen. Da die Kekse in Gedanken ja schon nicht mehr in meinem Besitz waren. Nein, noch habe ich sie nicht verschenkt, noch sind sie mein und schmecken im \u00dcbrigen auch ganz k\u00f6stlich. Die Verpackung hat nicht zu viel versprochen, schlicht gehalten warb sie mit geh\u00f6rigem Understatement und kann nun mit \u00fcberraschendem Geschmack, nein Genuss aufwarten. Lecker. Eben Konditorenhandwerk vom Feinsten.\u00a0 Dabei zergeht die herbzarte Schokoladenh\u00fclle fast schon bed\u00e4chtig auf der Zunge, wirkt vielleicht in ersten Moment etwas befremdlich s\u00fc\u00df und gibt schon nach einigen Sekunden den Geschmacksnerven den Weg zu einer dunklen Bitterkeit edler Kakaobohnen frei. Das aztekische Wort cacahuatl bezeichnete schon die s\u00fc\u00dfe Bitternis. Damals diente die Kakaobohne als Zahlungsmittel. Angeblich konnte man mit 100 Bohnen eine Frau kaufen, aber das wei\u00df die Bibel nicht zu berichten, die wusste ja gar nichts von Amerika.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?attachment_id=1680\" rel=\"attachment wp-att-1680\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1680\" title=\"skyscape\" src=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/skyscape.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"251\" srcset=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/skyscape.jpg 550w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/skyscape-400x182.jpg 400w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/skyscape-148x67.jpg 148w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/skyscape-31x14.jpg 31w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/skyscape-38x17.jpg 38w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/skyscape-425x193.jpg 425w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zwei hauchd\u00fcnne Schichten umschlie\u00dfen ein Feingeb\u00e4ck mit gro\u00dfen Anteilen an Butter, Honig und N\u00fcssen. Ich muss einfach nachgreifen, das ist besser, als jede Zigarette, muss den n\u00e4chsten Keks der Schachtel entnehmen, wei\u00df gar nicht, wie es die anderen Menschen immer schaffen, sich zur\u00fcck zu nehmen, wenn solcherart K\u00f6stlichkeiten auch nur in etwaiger Griffweite stehen. Ich lege ihn and\u00e4chtig auf die Zunge, f\u00fchle mich wie als kleiner Junge; die Hostie bei der Erstkommunion. S\u00fcnde pur, nur den Vergleich zu denken erscheint mir S\u00fcnde pur. Ja, in Schokolade steckt ein g\u00f6ttlicher Anspruch, eine Ahnung von paradiesischem Leben, ohne die absolut friedliche Langeweile des Paradieses. Wahrscheinlich wurden die beiden damaligen menschlichen Bewohner gar nicht aus dem Garten geworfen, sie hatten einfach keine Lust mehr auf die \u00d6dnis des himmlischen Elysiums (oder war es doch der himmlischen Illusion), wollten etwas erleben und sich beweisen, dass das Leben einen Sinn macht und hat und sei es irgendwann in tausenden von Jahren ganz weit weg, jenseits des gro\u00dfen Ozeans, wo die Welt schon l\u00e4ngst zu Ende sein sollte,\u00a0 die Schokolade zu entdecken. Sie sind gegangen, freiwillig. Aber welcher Schreiberling hat schon den Mut das zuzugeben. Nicht umsonst finden sich gerade in den \u00e4ltesten Schriften so widerspr\u00fcchliche Passagen, ja, gleich zwei verschiedene Weltsch\u00f6pfungen, die sich nicht einig werden, wie denn nun alles entstanden ist. Und all das nur, damit irgendwann irgendjemand irgendwo im Auto auf der Autobahn festsitzt und gen\u00fcsslich Schokoladenkekse verspeist. Wenn Adam und Eva das gewusst h\u00e4tten, w\u00e4ren sie wahrscheinlich lieber dumm gestorben und h\u00e4tten nicht vom Baum der Erkenntnis genascht. Und bitte nicht vom Apfelbaum, den hatte man damals noch gar nicht gez\u00fcchtet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter der Zeitung liegt auf dem Nachbarsitz, der heute leider frei geblieben ist, eine Packung mit Schokoladenkeksen. Langsam ziehe ich sie hervor, wollte eigentlich noch etwas damit warten. Ich brauche jetzt einen Triumph der Sinne, \u00f6ffne die Packung. 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